DAS HERZ-STÜCK

Über die Praxis der Ensemble-Kündigung beim Wechsel der künstlerischen Leitung

Ein Zwischenruf von Fiona Kastrop

 

Ende des vergangenen Jahres wurde die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft für die internationale UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes nominiert. 

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Wem nützt der Streit? Eine allgemeine Überlegung wer von der Absage des Regisseurs Alvis Hermanis an das Thalia Theater profitiert

Still geworden ist es inzwischen um Alvis Hermanis, seine geplante Inszenierung am Thalia Theater wurde klammheimlich abgesetzt. Offensichtlich hat seine Absage „aus privaten Gründen“ nur wenige Wellen geschlagen in der Kulturwelt. Wenige, dafür aber sehr hohe Wellen.

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Festivalheft-Ranking 2015

Ist man fleisig unterwegs, sammeln sich im Laufe eines Festivalsommers so einige Hefte an. Wenn sie sich langsam im Bücherregal stapeln, lohnt ein Vergleich. Wir haben den Blick gewagt und neun beliebige Hefte der diesjährigen Festivalsaison noch einmal zur Hand genommen. Beurteilt haben wir sie in den fünf Kategorien Layout, Bildästhetik, Spaßfaktor, Brisanz und Praktikabilität. Nicht ganz ernst zu nehmen sind die Sonderpreise, die wir im Eifer des Gefechts noch zusätzlich erfunden und vergeben haben.

Wer hat die meisten Bäume getötet? Das Augenblick mal!
Wer will unbedingt jung und cool sein? Die Schillertage
Wer hat gedacht, er gestalte ein Mathebuch? Der Mühlheimer Stückemarkt
Wer wird von der Telekom gesponsert? Die Baden-Württembergische Theatertage
Wer hat an seine Zielgruppe gedacht? Die Starken Stücke

Andauerndes Flüchtlings-Drama versus AfD

Karina Weber von der AfD muss ihr Herz wohl am rechten Fleck haben: „Ich bin für Zuwanderung, ich unterstütze sie und Deutschland braucht Zuwanderung aus einer Vielzahl von Gründen“ flötet sie auf ihrer Website. Und das sind nicht nur leere Worte. Besonders sorgt sie sich nämlich um sechs Lampedusa-Flüchtlinge, die über den Winter in einem hölzernen Bau auf dem Gelände des Kunst- und Theaterzentrums Kampnagel wohnten. Dabei verfüge das durch „Steuermittel finanzierte“ Objekt nicht einmal über einen Brandschutz, klagt Weber. Und in Hamburg kann einem vor Kälte schon mal das Lachen im Gesicht einfrieren, das sind die Fremden sicherlich nicht gewohnt. Italien, wo die Flüchtlinge herkamen, oder gleich ihr Heimatland  Libyen wäre sicher geeigneter für eine Überwinterung gewesen. „Dann hätten die Lampedusa-Flüchtlinge bereits ihren ersten Winter nicht im kalten Hamburg, sondern warmen im Süden (sic!) verbringen können“.
Die AfD hat als Konsequenz im Dezember 2014 Anklage gegen die verantwortliche Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard erhoben. Später wurden ein Anfangsverdacht als bestätigt angesehen und Ermittlungen aufgenommen. Dass die Flüchtlinge den Winter in ihrem gut isoliert und ausgestattetem, übrigens aus Crowdfunding-Mitteln finanzierten Heim auf Zeit gut hinter sich gebracht haben, scheint Weber und die AfD nun nicht mehr allzu sehr zu bewegen – die Bürgerschaftswahl im Frühjahr 2015, für die sich der politischeRummel sicherlich gelohnt hat, ist schon lange vorbei. Und zu viele Sorgen sollte man sich ja auch nicht machen.

Schweinerei! Leipziger Intendant verbietet »Monster Truck« Premiere

Die Performance-Gruppe »Monster Truck«, 2005 in der universitären Kollektivschmiede zu Gießen gegründet, ist bekannt dafür, gesellschaftliche Tabus auf der Bühne auszureizen. Mit ihrer Inszenierung »Welcome to Germany« gingen sie, was die Meinung von Enrico Lübbe, Intendant vom Schauspiel Leipzig, betrifft, allerdings einen Schritt zu weit.  Die Produktion handelt von der »Colonia Dignidad«, einer deutschen Enklave in Chile, laut Stückankündigung ein »Ersatz-Deutschland«, hinter seinen Fassaden »geheimes Folterzentrum des Pinochet-Regimes, Schauplatz systematisierten Kindesmissbrauchs«. Das Vorhaben des Kollektivs, einen Schweinekadaver als »Stellvertreterkörper« für diesen Gewaltzusammenhang, auf der Bühne zwanzig Minuten lang schweigend zu zerstückeln, traf in Leipzig auf harte Kritik. Das Bild habe sich Lübbe laut Nachtkritik „nicht erschlossen“. Die Premiere in Leipzig wurde abgesagt, Lübbe begründete die Entscheidung damit, dass er jede Arbeit »nach außen vertreten können« möchte.
»Monster Truck« im Kommentar bei Nachtkritik.de: »Wir waren ehrlich komplett überrascht, dass das gemeinsame Projekt abgebrochen wurde.« Ein Kompromiss mit dem Schauspiel Leipzig konnte scheinbar nicht gefunden werden: »Wir hatten ein paar alternative Vorschläge angeboten, die jedoch abgelehnt wurden. Die Szene mit dem Schwein wegen willkürlicher Machtausübung rauszuschmeißen, war letztendlich mit unserem Verständnis von Kunstfreiheit nicht vereinbar.« Vom provinziellen Leipzig abgelehnt, fand die Premiere schließlich am 7. Mai 2015 in den hauptstädtischen Sophiensaelen statt.