Schweinerei! Leipziger Intendant verbietet »Monster Truck« Premiere

Die Performance-Gruppe »Monster Truck«, 2005 in der universitären Kollektivschmiede zu Gießen gegründet, ist bekannt dafür, gesellschaftliche Tabus auf der Bühne auszureizen. Mit ihrer Inszenierung »Welcome to Germany« gingen sie, was die Meinung von Enrico Lübbe, Intendant vom Schauspiel Leipzig, betrifft, allerdings einen Schritt zu weit.  Die Produktion handelt von der »Colonia Dignidad«, einer deutschen Enklave in Chile, laut Stückankündigung ein »Ersatz-Deutschland«, hinter seinen Fassaden »geheimes Folterzentrum des Pinochet-Regimes, Schauplatz systematisierten Kindesmissbrauchs«. Das Vorhaben des Kollektivs, einen Schweinekadaver als »Stellvertreterkörper« für diesen Gewaltzusammenhang, auf der Bühne zwanzig Minuten lang schweigend zu zerstückeln, traf in Leipzig auf harte Kritik. Das Bild habe sich Lübbe laut Nachtkritik „nicht erschlossen“. Die Premiere in Leipzig wurde abgesagt, Lübbe begründete die Entscheidung damit, dass er jede Arbeit »nach außen vertreten können« möchte.
»Monster Truck« im Kommentar bei Nachtkritik.de: »Wir waren ehrlich komplett überrascht, dass das gemeinsame Projekt abgebrochen wurde.« Ein Kompromiss mit dem Schauspiel Leipzig konnte scheinbar nicht gefunden werden: »Wir hatten ein paar alternative Vorschläge angeboten, die jedoch abgelehnt wurden. Die Szene mit dem Schwein wegen willkürlicher Machtausübung rauszuschmeißen, war letztendlich mit unserem Verständnis von Kunstfreiheit nicht vereinbar.« Vom provinziellen Leipzig abgelehnt, fand die Premiere schließlich am 7. Mai 2015 in den hauptstädtischen Sophiensaelen statt.