Goldene Zeiten für die Berliner Kulturlandschaft? Und auch Brandenburg tut Gutes für das Freie Theater.

 Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) hatte es nicht leicht mit der Debatte um die neue Intendanz der Berliner Volksbühne. Bei der Präsentation des jüngsten Doppelhaushalts konnte er sich seiner Sache jedoch sicherer sein. 2018 stieg sein Kulturetat auf 725 Millionen Euro an, 2019 sollen es 710 Millionen Euro sein. Das bedeutet für die Stadt Berlin einen Zuwachs von fast 20 Prozent.1  „Im Mittelpunkt stehen für mich Fragen der gleichberechtigten Teilhabe aller am gesellschaftlichen und damit auch am kulturellen Reichtum,“ sagte Klaus Lederer zu der Vorstellung seinen Etats.2 Hierfür hat er einen neuen Fördertopf eingeführt, der speziell für die Berliner Festivals, wie den Karneval der Kulturen oder die Fête de la Musique, zur Verfügung stehen sollte. Des Weiteren sollte das Geld in die Sanierung von Kulturinstitutionen, die Kinder- und Jugendtheater, die Atelierförderung und in die Erforschung der Herkunft von Kunstwerken und Objekten in den Museen fließen.

Interessant ist hierbei, dass ein Großteil des Geldes in die Tarifsteigerungen der Gehälter der Beschäftigten gehen, sodass jenes nicht mehr vom künstlerischen Budget abgezogen werden soll. Die Freie Szene erhält durch das HAU zusätzlich 800.000 Euro und das Radialsystem erstmals eine Million Euro. Auch hier sollen die Gehälter auf soziale Mindeststandards angehoben werden.3 Eine Erhöhung in ihren Etats bekommen auch die Tanzkompanie Toula Limnaios und die Choreografin Constanza Macras.4 Auch in Brandenburg sollten die prekären Arbeitsbedingungen an den Freien Theatern angegangen werden. „Mit ihren kreativen, innovativen und oft leidenschaftlichen Inszenierungen und Events setzen sie facettenreich, unkonventionell und innovativ immer wieder spannende kulturelle und gesellschaftliche Akzente“, sagte die Kulturministerin Martina Münch (SPD) bei einer Pressekonferenz in Potsdam am 8. Februar 2017. Für die Freien Theater in Brandenburg wurden 350. 000 Euro mehr eingeplant. Das beträgt eine Steigerung von 35 Prozent. In Brandenburg erreichen die freien Gruppen mit Opern, Kinder- und Jugendtheater, mit Tanz-, Puppen- und experimentellem Theater 200.000 Besucher*innen jährlich, das sind etwa ein Drittel aller Theaterbesuche im Bundesland.5

Trotz der Aufstockung des Etats für die freie Szene, schlägt Christophe Knoch, Filmemacher und Sprecher der „Koalition der freien Szene Berlin“ einen pessimistischen Ton an, wenn er über die Kulturpolitik spricht: „Wenn man sich anschaut, was davon tatsächlich in der freien Szene ankommt, ist das nach wie vor sehr, sehr wenig. Es ist nach wie vor deutlich weniger als im Verhältnis der Aufstieg im Kulturhaushalt ist, es ist im Verhältnis nach wie vor deutlich weniger, als das was zum Beispiel durch die Teuerung der Stadt sich erreicht. Also es hat sich nicht nur nicht verbessert, sondern wahrscheinlich sogar verschlechtert.“6 Die steigenden Mietpreise würden sich am allermeisten auf die Freie Szene auswirken, sodass kleine Theater und Off - Spaces schließen müssten. Zudem herrsche keine Transparenz bei den kulturpolitischen Entscheidungen. Es sei zwar den Forderungen nach Honorarausgleichen nachgegangen, aber keine Strukturen geschaffen worden, damit eine Freie Szene statt finden könne. Urbane Räume seien verkauft worden, die damit nun für die alternative Kultur nicht mehr zur Verfügung stehen könnten.7

Auf einem Frühlingsplenum auf dem Christophe Knoch 2018 spricht, fehlen jedoch die Leiter*innen der Institutionen der Freien Szene, wie z.B das HAU, Sophiensäle, Ballhaus Ost, Ballhaus Naunynstraße, Radialsystem V, Neuköllner Oper. Christophe Knoch tritt kurze Zeit später zurück, Grund dafür sei der Protest gegen eine „etatistische Kulturpolitik“ Klaus Lederers.8 Es stellt sich also die Frage, ob die Politik ihre Kritiker*innen bereits überholt hat oder ob die Aufstockung des Etats deshalb nicht greifen kann, weil es infrastrukturelle Probleme gibt, durch welche die Freie Szene behindert wird.

 

Quellenverzeichnis:

 1 Walde, Gabriela: „An diesen Stellen investiert der Senat in Berlins Kultur“ (22.12.2017), verfügbar

unter: https://www.morgenpost.de/kultur/article212920039/Millionenspritze-fuer-Berlins-Kultur.html, aufgerufen am 24.10.2018

 2Hansen, Frederik: „Lederer möchte Robin Hood der Kultur sein“ (05.01.2018), verfügbar unter:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/berliner-kulturpolitik-lederer-moechte-robin-hood-der-kultur-sein/20810046.html , aufgerufen am 14.11.2018

 3Walde, Gabriela: „An diesen Stellen investiert der Senat in Berlins Kultur“ (22.12.2017)

 4 Hansen, Frederik: „Lederer möchte Robin Hood der Kultur sein“ (05.01.2018)

 5 Saab, Karim: „Land erhöht Förderung für Freie Theater“ (09.02.2017), verfügbar unter: http://www.maz-online.de/Nachrichten/Kultur/Land-erhoeht-Foerderung-fuer-Freie-Theater , aufgerufen am 14.11.2018

 6 Habermalz, Christiane: „Kritik an Kultursenator Klaus Lederer“ (12.04.2018), verfügbar unter:

https://www.deutschlandfunk.de/freie-kulturszene-in-berlin-kritik-an-kultursenator-klaus.691.de.html?dram:article_id=415431 , aufgerufen am 14.11.2018

 7 Ebd.

 8 Wildermann, Patrick: „Status quo vadis? Berlins Freie Szene zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ (14.06.2018), verfügbar unter: https://www.boell.de/de/2018/06/14/status-quo-vadisberlins-freie-szene-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit , aufgerufen am 14.11.2018