Positionspapier zur Konzeption eines Theaterzentrums

Im Rahmen eines Seminars mit derm Thema „Vom Stadttheater zum Theaterzentrum“ entwickeln Studierende der Uni Hildesheim 2004 ein Konzeptionspapier für ein Theaterzentrum in Hildesheim.
  • Aufgrund der spezifischen Situation Hildesheims – der Studiengang Kulturwissenschaften, eine lebendige Freie Szene, jedoch wenig theaterinteressiertes Publikum – ist ein Theaterzentrum ein geeignetes Modell für Hildesheim. Es empfiehlt sich eine breit gefächerte Programmgestaltung, da eine spezialisiertere Institution im provinziellen Hildesheim vermutlich eine geringe Publikumsauslastung mit sich bringen würde. Im Programm sollten folglich unterschiedliche Angebote wie „postdramatisches“, sitespezific, Kinder- und Jugendtheater, sowie theaterpädagogische und soziokulturelle Elemente vertreten sein.

    Die künstlerische Leitung des Theaterzentrums setzt sich zusammen aus einem Kurator, gewählt vom Theaterhaus e.V., und einem Lehrenden der Universität Hildesheim. Der Spielplan wird von diesen autonom gestaltet. Die Stelle des Kurators sollte vom Theaterhaus e.V. (Stadt/ Land) finanziert werden. Somit entstehen zwei unabhängige Intendanzblöcke:

        1. Stadttheaterintendanz
        2. Künstlerische Leitung des Theaterzentrums (Kurator + Lehrender)

  • Die Universität sollte Studenten nicht in die Lehre des Stadttheaters entlassen. Studentische Koproduktionen mit dem Stadttheater sollten ausschließlich von professionellen Lehrenden der Universität geleitet und finanziert werden. Die Universität hat die Verantwortung, die Qualität des Studiums zu sichern. Eine zu frühe Einbindung von Studenten in den Stadttheaterbetrieb Hildesheim ist der persönlichen künstlerischen Entwicklung nicht förderlich.
    Der Karrierestart am Stadttheater Hildesheim sollte das Studium nicht ersetzen.

  • Das Theaterzentrum sollte Eigenständigkeit von Nachwuchsgruppen fördern. Eine künstlerische Eigenständigkeit der Arbeit sollte unterstützt werden. Die Kooperation sollte sich hier vorwiegend auf den organisatorischen Bereich beziehen.

  • Eine prozess- und ergebnisorientierte Evaluation bisheriger und kommender Koproduktionen der drei Institutionen, die den tatsächlichen Mehrwert der Zusammenarbeit hinterfragt, ist durchzuführen. Mit einem Fragebogen sollen alle am Arbeitsprozess Beteiligten zum Verlauf der Zusammenarbeit und zur Qualität des Ergebnisses befragt werden. (Vorschlag: Diplomarbeit)

  • Wir streben die ideelle und finanzielle Unterstützung der Stadt unter der Bedingung des autonomen Nebeneinanders von Freier Szene, Universität und dem Stadttheater an. Eine Unabhängigkeit von wechselnden Intendanten des Stadttheaters sollte gewährleistet werden.


Entstanden im Rahmen von:
Seminar „Vom Stadttheater zum Theaterzentrum“, Prof. Dr. Hajo Kurzenberger, Prof. Dr Wolfgang Schneider; Institut für Kulturpolitik/Institut für Medien- und Theaterwissenschaft, Universität Hildesheim, WS 2003/04