Vom Katzentisch zur Tafelrunde

Zur Nachahmung empfohlen: Symposium des Fonds Darstellende Künste diskutiert über Förderstrukturen des Freien Theaters

 

Wenn von Dynamik und Flexibilität die Rede ist, von transparenten Zielsetzungen, effizient optimierten Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit "die Bandbreite ungenutzter Möglichkeiten weiterzudenken" fühlt man sich zurecht an eine Konferenz der Telekommunikationsbranche erinnert.

Eher ungewohnt klingen diese Worte dagegen im Zusammenhang mit der Freien Theaterszene. Vielleicht liegt das an der Premiere der Veranstaltung: zum ersten Mal lud der Fonds Darstellende Künste im Januar 2006 Theaterschaffende und Politiker zu einem Symposium ins Berliner Haus der Kulturen der Welt. Thema war nicht die ansonsten vieldiskutierte, weil disparate Ästhetik, sondern ihre Förderstrukturen, die die Produktionsbedingungen maßgeblich beeinflussen. Dabei ging es sowohl um eine gegenwärtige Bestandsaufnahme als auch um die Entwicklung von Zukunftsperspektiven.

Rund 150 Theatermacher waren als Delegationen der verschiedenen Bundesländer angereist. Neben ausübenden Künstlern wie Regisseuren und Choreografen kamen auch Spielstättenleiter und frei arbeitende Produzenten zu Wort. Trotz der ungleichen Arbeitsbedingungen durch die Strukturen der jeweiligen Länder, der unterschiedlichen Organisationsformen und Theatergattungen - neben Sprechtheater und Tanz waren auch Performance, Figurentheater, Kinder- und Jugendtheater sowie Musiktheater vertreten - herrschte Konsens darüber, dass die Forderung nach mehr Geld nicht im Mittelpunkt der Diskussion stehen solle. Derselben Meinung war auf kulturpolitischer Seite Ulf Großmann, Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages und Bürgermeister der Stadt Görlitz: "Vor allem kommt es auf den politischen Willen an, trotz oder vielleicht auch gerade wegen leerer kommunaler Kassen neue Modelle zu entwickeln und langfristige Entwicklungskonzepte zu erarbeiten." Weitgehend einig war man sich auch darüber, dass die Freien Theater sich nicht durch die Opposition zu den Stadt- und Staatstheatern definieren sollten, sondern als zweite, gleichberechtigte Säule der Theaterlandschaft stärker ins politische Bewusstsein rücken müssten. Die Gesprächsangebote von den Vertretern des Deutschen Städtetages, der Kultusministerkonferenz, der Kulturstiftung des Bundes und des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags lassen auf eine verstärkte Wahrnehmung und einen intensiveren Dialog hoffen.

Als Ergebnis der Überlegungen der Künstler wurden die Notwendigkeit verbesserter rechtlicher wie struktureller Rahmenbedingungen, die Überarbeitung und der Ausbau der bestehenden Förderinstrumente sowie die Entbürokratisierung von Anträgen und Abrechnungen artikuliert.

Konkrete Erwartungen an die Politik waren die Erarbeitung eines gestaffelten und weitreichenden Fördersystems, das Basis- und Spitzenförderung ebenso umfasst wie Abspielförderung, und die Erstellung von Theaterentwicklungsplänen.

Auch die Bereitschaft zu grundsätzlichen konzeptionellen Veränderungen wurde gefordert, so beispielsweise im Beitrag von Professor Wolfgang Schneider, Vorsitzender des niedersächsischen Theaterbeirates, der seine Vision des Theaterhauses erläuterte. Diese Spielstätte, die dem Publikum als Identifikationsort dienen und verschiedene Organisationsformen annehmen kann, würde durch Umverteilung der zur Verfügung stehenden Mittel ermöglicht und im Sinne einer Vermittlungsagentur die Arbeit der Freien Theater vernetzen. Auch Kirsten Haß, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Freier Theater (BUFT) hält es für zeitgemäß und notwendig das Modell des Theaterhauses deutschlandweit stärker zu überdenken.

Die Schlagwörter Kommunikation, Innovation und Vernetzung wurden in mehrtägiger Diskussion mit vielfachen Bedeutungen aufgeladen, die sich hoffentlich in die Gespräche der Städte und Länder weitertragen werden.

Es kann sich eben lohnen, den Fokus mal vom Künstlerischen auf das Kulturpolitische zu verschieben, zumal bei ersterem ein Konsens schädlich, bei letzterem jedoch dringend nötig ist.