Strukturmerkmale und soziale Lage von darstellenden Künstlern Zusammenfassung der Ergebnisse der Auswertungen des Mikrozensus 2005/2006

1 Einleitung

Auf der Basis der Daten des Mikrozensus 2005 und 2006 wurde ein Gutachten zur sozioökonomischen Lage der darstellenden Künstler in Deutschland im Auftrag des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien erstellt. Die Fertigstellung der Studie erfolgt Mitte Juni 2009. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.

2 Erwerbsstatus und Beschäftigungsverhältnisse

Arbeiteten im Jahr 2005 noch 16.550 darstellende Künstler in abhängiger Erwerbsarbeit, so reduzierte sich die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Jahres um nahezu 1000 Verträge, bei gleichzeitigem Anstieg Alleinselbständiger von 13.500 auf 16.550. Die Anteile von darstellenden Künstlern in Alleinselbständigkeit liegen im Jahr 2006 bereits über der Hälfte der erwerbstätigen Künstler in diesen Berufsgruppen. Ein nicht unwesentlicher Anteil der darstellenden Künstler in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen arbeitet im öffentlichen Dienst, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Das Befristungsrisiko für abhängig Beschäftigte ist im öffentlichen Dienst im Vergleich zur Privatwirtschaft geringer. Befanden sich im Jahr 2005 etwa 43% der darstellenden Künstler mit Arbeitsverträgen im öffentlichen Dienst in befristeten Beschäftigungsverhältnissen, so sind diese Anteile innerhalb eines Jahres sogar rückläufig. Im Jahr 2006 arbeiteten nur noch 40 Prozent der Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen. Dies ist aber möglicherweise auf den Arbeitsplatzrückbau im öffentlichen Dienst zurückzuführen, da befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden und dies in der Konsequenz zu einem anteiligen Anstieg unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse führt. Die Anzahl abhängiger Beschäftigungsverhältnisse in der Privatwirtschaft hat sich dagegen innerhalb des Beobachtungszeitraumes kaum verändert. So arbeiteten in beiden Jahren in etwa 9.700 darstellende Künstler in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. In diesen Segmenten hat sich sogar im selben Zeitraum das Risiko der Befristung verringert. Hier stiegen sogar die Beschäftigtenzahlen mit unbefristeten Verträgen von 4.300 auf 4.600, bei gleichzeitigem Rückgang der Beschäftigten in Befristung von etwa 5.500 auf nahezu 4.900 Personen.

3 Bildungsniveau

Das Bildungsniveau der darstellenden Künstler ist sehr hoch. Ãœber 50 Prozent in diesen Berufsgruppen verfügen über ein hohes Bildungsniveau, d.h. einen Fachhochschul-, bzw. Hochschulabschluss oder eine Promotion. Die Bildungsstruktur der abhängig Beschäftigten und der Selbständigen hat sich in den letzten Jahren angeglichen und das Bildungsniveau befindet sich mittlerweile zwischen den beiden Gruppen auf einem ähnlich hohen Niveau.

4 Erwerbseinkommen

Selbständige darstellende Künstler arbeiten trotz ihres hohen Bildungsniveaus zu höheren Anteilen im Niedrigeinkommenssegment unter 5 €/Stunde. Lagen diese Anteile im Jahr 2005 noch bei etwa 23 Prozent, so sind diese innerhalb eines Jahres auf nahezu 30 Prozent angestiegen. Bei den abhängig Beschäftigten gingen die Anteile in diesem Einkommenssegment dagegen von etwa 12 Prozent auf 6 Prozent zurück. Bei den abhängig Beschäftigten erwirtschaften insgesamt etwa 50 Prozent aller Erwerbstätigen Einkommen zwischen 5 und 10 €/Stunde, bei den Selbständigen liegen die Anteile der darstellenden Künstler in diesem Einkommenssegment im Jahr 2005 leicht über 50 Prozent, im Jahr 2006 bereits bei über 60 Prozent. Außerdem zeigen die Analysen, dass befristet Beschäftigte sowohl mit einem höheren Risiko des Arbeitsplatzverlustes als auch mit einem geringerem Lohnniveau konfrontiert sind als ihre unbefristet engagierten Kollegen.

5 Alterseinkünfte

Ãœber die Alterseinkünfte von Künstlern gibt es erhebliche Informationsdefizite, insbesondere über die Rentenansprüche außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung (gRV). Hier gibt es kein empirisch gesichertes Material. Aus den wenigen Informationen über die Anwartschaften aus der gRV wird auf der einen Seite das insgesamt die insgesamt geringe Rentenhöhe aus gRV Anwartschaften ersichtlich. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass die Anteile der Renten, die über die Beitragszahlungen in der Künstlersozialkasse generiert wurden, nur einen Bruchteil der gRV-Renten der selbständigen Künstler darstellen. Erste Auswertungen der Rentenzugänge 2002 bis 2007 der Künstler, die vor ihrem Renteneintritt in der Künstlersozialkasse versichert waren, ergaben keine nennenswerte Zunahme in den Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung der Künstler im Zeitverlauf. Die durchschnittliche Rentenhöhe aus der gesetzlichen Rentenversicherung lag für alle künstlerischen Berufsgruppen mit KSK Status vor Rentenzugang bei den Männern (näherungsweise) bei etwa 550 Euro/Monat, bei den Frauen etwa bei 490 Euro/Monat. Ein Näherungswert an die Rentenhöhe aus der gRV lässt sich auch auf anderem Weg ableiten. Bei einem angenommenen Durchschnittseinkommen von etwa 12.000 €/Jahr für darstellende Künstler (Künstlersozialkasse 2009) ergeben sich etwa 0.4 Entgeltpunkte/Jahr. Nach 45 Versicherungsjahren resultiert daraus eine Rente aus der gRV in der Höhe von 447.- € (Alte Bundesländer) sowie 408.-€ (Neue Bundesländer) ohne Berücksichtigung sonstiger rentenrelevanter Zeiten (bspw. Erziehungszeiten). Diese Ergebnisse bestätigen in etwa die im Rentenzugang 2002 bis 2007 ermittelten Resultate.

6 Ausblick

Die Daten des Mikrozensus eignen sich, um eine Ãœbersicht über die Erwerbsstrukturen auf den Künstlerarbeitsmärkten zu liefern. Die Befragungssystematik des Mikrozensus zielt allerdings nicht auf die Arbeitsmarktspezifika auf den Künstlerarbeitsmärkten ab und bietet außerdem keine Analysemöglichkeiten im Längsschnitt. Ferner ermöglichen die Daten keine Analyse zur berufsgruppenspezifischen Arbeitslosigkeit sowie zu Mehrfachbeschäftigungsverhältnissen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es hinsichtlich der Alterseinkünfte von Künstlern noch kaum gesichertes empirisches Material gibt. Die Auswertungen der Daten der gesetzlichen Rentenversicherung können zwar Anhaltspunkte über die Rentenhöhe aus gRV Anwartschaften geben, privates Vorsorgeverhalten sowie weitere Alterseinkünfte oder Informationen über den Haushaltskontext können aus den Daten der gRV nicht abgeleitet werden. Hier besteht noch erheblicher zukünftiger Forschungsbedarf.