Handlungsempfehlungen für die Arbeitsgruppe IV Ausbildung und Berufseinstieg

1. Ausbildung

I. Viele Darstellende Künstler arbeiten direkt nach ihrer Ausbildung oder zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Berufslaufbahn als freie Darstellende Künstler. Hierfür sind fundierte Kenntnisse über Strukturen, ökonomische Kenntnisse, Möglichkeiten der sozialen Absicherung und die Förderstrukturen in Bund, Land, Kommune und auf europäischer Ebene notwendig. Diese Kenntnisse müssen bereits in der Ausbildung an staatlichen Schauspiel-/ Tanz-/ Puppenspielausbildungsinstitutionen vermittelt werden. Wir verweisen auf die entsprechende Handlungsempfehlung im Enquete-Bericht der Bundesregierung (4.4.2 c Nr.5)

II. Es sollten finanzierbare und qualifizierte Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. ( z. B. Finanzierung, Buchhaltung, Management, Organisation, Rechtsfragen, Öffentlichkeitsarbeit, PC Kurse, Ton/Videoschnitt, Internet, Foto und Gestaltung )


III. Es sollte eine Zertifizierung aller Ausbildungsstätten und Abschlüsse entwickelt werden, um ein vergleichbares Qualitätsniveau zu erreichen.

IV. Die Entwicklung von Umschulungsangeboten im Alter (speziell für Tänzer_innen, ggf auch weitere künstlerische Berufe) sollte vorangetrieben und gefördert werden.


V. Als Sofortmaßnahme könnten an den Hochschulen Career & Transfer Service Center eingerichtete werden. Als Modell könnte das Career & Transfer Service Center (CTC) an der Hochschule der Künste Berlin dienen. Es ist das erste Karrierezentrum an einer künstlerischen Hochschule in der Bundesrepublik Deutschland und berät und informiert seit 2001 Student und Absolvent aller künstlerischen Disziplinen über ihre Perspektiven auf dem Kunst-, Kultur- und Medienmarkt. Seit 2004 steht das CTC auch Studenten anderer Institute zur Verfügung.

2. Kulturelle Bildung

I. Kultureller Bildung kommt eine besondere Rolle in der Bildung zu und ist auch für alle Darstellenden Künste in der Zusammenarbeit mit schulischen und außerschulischen Trägern eine Querschnittsaufgabe geworden. Bereits heute sind viele Freie Darstellende Künstler in diesem Bereich tätig. Und zwar neben ihrer künstlerischen Arbeit. Zudem bedarf auch die Darstellende Kunst zunehmend der Vermittlung. Hierfür werden schon heute an vielen Hochschulen Theater-/Tanzpädagogen ausgebildet. Es ist aber nicht immer sinnvoll, diese Aufgaben zu delegieren. Oft hat eine Zusammenarbeit mit einem Künstler für Kinder und Jugendliche einen besonderen Wert. Entsprechende Programme (etwa in NRW) fördern dies auch gezielt. Diese Kunst der Vermittlung ist ein wachsendes Aufgabenfeld der Darstellenden Künste und muss in die Ausbildung an staatlichen Schauspiel-/ Tanz-/ Puppenspielausbildungsinstitutionen integriert werden. Wir verweisen auf die entsprechende Handlungsempfehlung im Enquete-Bericht der Bundesregierung (6.2.4 c Aus- und Fortbildung für Kulturelle Bildung Nr.6)


II. Gezielte Förderungen auf allen Ebenen für Kulturelle Bildung im Kontext des breiten Spektrums der darstellenden Künste sollten eingerichtet werden (kommunal, regional, bundesweit, EU). Ein richtungsweisendes Programm seitens des Bundes sollte aufgelegt werden, das über Tanz in Schulen, Tanz in Schulen, TUSCH etc. hinausgeht.


III. Das Budget des Fonds Darstellende Künste ist für Projekte mit dem Fokus kultureller und ästhetischer Bildung aufzustocken. (siehe auch Handlungsempfehlung der Enquetekommission zur Arbeit des Fonds)

3. Netzwerke

I. Zentrum für Darstellende Künste
Der Bund und das Land Berlin sollen die Gründung eines nationalen Zentrums für darstellende Künste in Berlin(Initiatoren sind der Fonds, das ITI, der BDAT, das Mimezentrum und der BUFT) unterstützen und fördern, um die darstellenden Künste und insbesondere die Arbeit der Freien strukturell zu stützen und eine Plattform zur Weiterentwicklung zu bilden. Es sollte als Zentrum für Kommunikation, Diskurs, Information, Gedächtnis der entstandenen Produktionen (Archiv) und Ort der Begegnung auf internationaler Ebene sein. In diesem Kontext sollte auch eine Bundesgeschäftsstelle des Bundesverbandes Freier Theater eingerichtet werden, um die erfolgreiche Arbeit des Verbandes zu verstetigen und die Kräfte der Freien Theater zu bündeln.


II. Plattformen und Netzwerken, die die Theaterschaffenden und ihre Projekte abbilden, sollten gezielt eingerichtet werden, etwa Pools für Infrastruktur und Technik (lokal), Austausch zwischen den Sparten und Spielorten (lokal)


III. Eine zentrale Gastspielförderung ist einzurichten, damit Produktionen, die jenseits der Großstädte entstehen, auch in anderen Städten, in strukturschwachen Regionen und im europäischen Ausland angeboten und gezeigt werden können.

4. Kulturpolitik

I. Es gilt, Kultur als Staatsziel in der Verfassung zu verankern. (siehe auch Bericht der Enquete-Kommission der Bundesregierung


II. Für den Bereich "Darstellende Kunst" ist eine dem "tanzplan" ähnliche konzeptionelle und strukturelle Förderung zu schaffen, die diesen Bereich gezielt weiterentwickelt.


III. Die Kulturförderung und die Vielfalt der Förderung (für kommunale und regionale Projekte, sowie in strukturschwachen Regionen) ist zu erhalten und auszubauen, um allen Bundesbürgern den freien Zugang zu Kultur zu ermöglichen.


IV. Für die Einbeziehung der von Kultur profitierenden Wirtschaft sollten Initiativen entwickelt werden.