Kulturpolitischer HighNoon - Landesbühne, Theaterhaus und Universität im Gespräch

Zwölf Uhr mittags: Kulturschaffende, Kulturpolitiker und Studierende diskutierten „auf dem roten Teppich" des Instituts für Kulturpolitik über das Theater 2022 und die Perspektiven für die dramatischen Künste in Stadt und Land.

Das Institut für Kulturpolitik der Stiftung Universität Hildesheim lud am 29. Juni 2011 ein zum Kulturpolitischen High Noon. Es diskutierten Andrea Fester, Künstlerische Leiterin des Theaterhauses Hildesheim, Jörg Gade, Intendant des Theaters für Niedersachsen (TfN) und Prof. Dr. Jens Roselt, Direktor des Instituts für Medien und Theater. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik, der zum Auftakt der Diskussion konstatierte: „In kulturpolitisch schwierigen Zeiten ist das Zusammenfinden wichtig!"

„Gestern war ein Gegeneinander: Stadttheater versus freie Gruppen! Und morgen? Wächst da zusammen, was zusammen gehört? Wie sieht das Theater in Zukunft aus? Überall Festivals und immer wieder Performance im öffentlichen Raum? Lassen Sie uns heute darüber streiten und kulturpolitisch verständigen", leitete Schneider ein.

Jörg Gade rückte das Publikum als Partner der Theaterinstitutionen ins Zentrum; zeigte sich erfreut und dankbar ob der Dynamik in der Protestbewegung zum Erhalt des Theaters für Niedersachsen in den vergangenen Wochen. „Wenn ich der Kommunalpolitik glauben darf, hat es den Kürzungsvorschlag für das TfN nie gegeben. Umso mehr bin ich dankbar, dass Mitarbeiter gemeinsam mit der Bevölkerung ihre Verbundenheit zum TfN deutlich kundtaten. Damit ist aber die Bedrohung für die Kultur insgesamt nicht vom Tisch", so Gade.

„Wir machen Theater für die Welt", so der Anspruch von Prof. Jens Roselt, der die Generation für das Jahr 2022 ausbildet. Der Theaterneubau auf der Domäne Marienburg sei keineswegs als Konkurrenz oder Nebenunternehmen zu dem Theater für Niedersachsen oder dem in Hildesheim ansässigen Theaterhaus zu sehen, sei im Großen und Ganzen vielmehr ein Laboratorium. Roselt bemerkte, dass die Tendenz, z.B. in Förderantragsverfahren, dahin gehe, Kooperationen zwischen etablierten Theaterinstitutionen und der freien Theaterszene einzugehen.

Während der Intendant des Stadttheaters die Aufgabe Freier Gruppen mit der Generierung von ästhetischer Innovation und seinen Auftrag mit der Bedienung eines Publikums, zum Beispiel in Clausthal-Zellerfeld, definierte, plädierte Andrea Fester für die Stärkung von Theaterarbeit mit künstlerischem Anspruch, so wie es im Theaterhaus seit mehr als zwei Jahrzehnten praktiziert werde.

„Die Perspektive des Theaters steht und fällt mit seiner gesellschaftspolitischen Bedeutung im Bündnis mit den Bürgern. Theater muss wichtig sein, Relevanz und Brisanz bieten. Dann weiß auch der Kommunalpolitiker, warum er Theater nicht kürzen, sondern fördern muss", resümierte Professor Schneider.

Diesen Artikel finden Sie auch unter:

http://www.uni-hildesheim.de

Einen Artikel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zur Veranstaltung finden Sie hier.