"Bollwerk der Tradition". Der Zustand des Freien Theaters in Frankfurt am Main

Mit einem Etat von ca. 5 Millionen Euro ist die freie Szene in Frankfurt/Main gut ausgestattet, solte man meinen. Doch der abschließende Bericht der Perspektivkommission zur Evaluierung der Freien Theaterszene Frankfurts zeichnet ein problematisches Bild: Förderung nach dem Gießkannenprinzip, kein Austausch mit der bundesweiten oder internationalen Szene und die fehlende Bindung junger Künstler an die Stadt sind nur einige der Baustellen. Als gravierendsten Effekt beschreiben sie den Zustand der künstlerischen Arbeiten:

"Die Gründergeneration vieler freier Gruppen und Off-Bühnen aus den 1970er und 1980er Jahren hat inzwischen das Rentenalter erreicht, ist aber aus sozialen, psychologischen oder persönlichen Gründen, nicht bereit oder in der Lage abzutreten. Mit den Theatermachern ist auch ihre Ästhetik gealtert und entspricht häufig nicht mehr dem aktuellen Stand. Viele freie Theater imitieren zudem die Spielplankonzeption des Stadttheaters, scheitern aber häufig schon an der schauspielerischen Umsetzung. So ist das Freie Theater in Frankfurt oft auch Bollwerk der Tradition, in dem sich abgelegte Ästhetiken und Stile museal konserviert haben."

Die Kommission empfielt daher eine grundlegende Restrukturierung:

  1. Schaffung eines neuen Produktionshauses
  2. Schaffung eines neuen Kinder- und Jugend-Kultur-Hauses
  3. Schaffung eines professionellen postmigrantischen Theaters
  4. Neue Leitungsmodelle an etablierten Theaterhäusern
  5. Stärkere Förderung freier Gruppen ohne feste Spielstätte
  6. Einrichtung einer Theaterkommission
  7. Kontakt zu Ausbildungsstätten
  8. Festival
  9. Überdenken bisheriger institutioneller Förderungen
     

Den gesamten Bericht der Kommission finden Sie hier.