„Gemeinsam Gutes Anstiften“ - Die Bürgerstiftung Hildesheim fördert die Freie Theaterszene

Zum vierten Mal ehrte die Bürgerstiftung Hildesheim im Juli 2015 Theatergruppen der freien Szene. Im Foyer des Theaterhauses lag der Fokus auf den PreisträgerInnen und ihren Arbeiten, auf ein aufwendiges Rahmenprogramm wurde verzichtet. Der „Förderwettbewerb für Freie Theatergruppen“ wird in Kooperation der Bürgerstiftung mit der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vergeben, um, so Dr. Hans-Peter Geyer vom Vorstand der Bürgerstiftung, die „immense Breite der Theaterszene in Hildesheim“ besonders wert zu schätzen.

Die Produktionen, die dabei berücksichtigt werden, sind nicht kommerziell ausgerichtet und werden nicht von staatlichen Einrichtungen getragen, wirtschaften dementsprechend mit sehr geringen Mitteln. Insgesamt 28 Inszenierungen standen in der laufenden Spielzeit 2014/2015 zur Auswahl, alle wurden auf Hildesheimer Bühnen uraufgeführt. Um eine gerechte Auswahl der Preisträger zu erreichen und entsprechend ausgewogen zu fördern, wurden die Produktionen in zwei Kategorien bewertet.
In der ersten Kategorie „Junge Talente“ erhielten gleich zwei junge Kollektive das Preisgeld in Höhe von 2.500€. Die Studierendengruppe Renè Reith, Maxim Kares, Meike Schudy und Peer Rippberger wurde für ihre Produktion „Hermaphroditos – Ich bin die Metamorphose, Baby“ geehrt. Die Produktion sei, so die Hildesheimer Allgemeine Zeitung, eine „One-Man-Show im besten Sinne“. Neben den von Kares verfassten Texten werden auch Tanz- und Videozitate verwendet, um sich mit genderspezifischen Fragestellungen und dem Thema Geschlechtsidentität auseinander zu setzen. 
Außerdem wurden Isabel Schwenk und Marja Christians für ihre Performance „J.U.D.I.T.H“ nach Friedrich Hebbel ausgezeichnet. Schon im März 2015 gewannen die beiden Performerinnen das „100 Grad Berlin Festival“ der Sophiensaele. Laudator Bernd Cast nannte die Inszenierung „eine übermutige und urkomische Tanzperformance“, die Geschlechterrollen und Machtverhältnisse hinterfragt. Beide Projekte der „Jungen Talente“ wurden von Studierenden der Universität Hildesheim entwickelt und realisiert.
In der Kategorie „Profis“ gewann das bereits seit 18 Jahren bestehende „Theater Karo Acht“ mit seiner Inszenierung von „Das kleine Blau und das kleine Gelb“ nach dem Bilderbuch von Leo Lionni. „Ein Stück für kleine Kinder aber auch für uns Große sehr interessant“ schwärmte Vorstandsmitglied Reinald Bever in seiner Laudatio. In „Das kleine Blau und das kleine Gelb“ gehe es um das Gleich- und Anderssein, um Freundschaft und um das Suchen und Wiederfinden. Hierfür wurden Kian Pourian (Regie), Sebastian Schlemminger (Spiel) und Julia Solórzano (Spiel) von der Bürgerstiftung geehrt.
Seit dem Jahr 2014 vergibt die Bürgerstiftung einen Sonderpreis für Produktionen mit besonderem soziokulturellen Wert. 2015 gewann diesen die Produktion „Refugee Homecare: Flüchtige Heimatpflege: أديهو فرصة“ des Hildesheimer Kollektivs VOLL:MILCH. Gemeinsam mit vier sudanesischen Flüchtlingen beschäftigten sich die PerformerInnen mit der Situation von AsylbewerberInnen und der deutschen Asylpolitik. In der Laudatio zitiert Bever die Hildesheimer Allgemeine Zeitung: „ästhetisch gelungen, streitbar, für die Zuschauer an der Schmerzgrenze“.
Der Förderpreis der Hildesheimer Bürgerstiftung, zur Eröffnung der Preisverleihung von Geyer vorgestellt,  sei laut Bundesverband Freier Theater mit seinen insgesamt 8500 € Preisgeld einer der „wertvollsten Preise für Freie Theatergruppen in Niedersachsen, wohl auch in ganz Deutschland“. Die Förderung Freier Theater hänge für Geyer eng zusammen mit der Lebensqualität der Stadt, sie scheint daher eine Herzensangelegenheit zu sein. Die Stiftung unterstützt Freie Theater- und Kulturprojekte auch in Form von mehrjährigen Förderungen, die beispielsweise dem Theaterhaus, dem Theaterpädagogischen Zentrum oder auch Projekten der Universität Hildesheim, wie dem „Prosanova“- und dem „Transeuropa“-Festival zu Gute kommen.