„Wir springen auf keinen Migrationshype auf“ / Türkisch-Deutsches Theater lebt gesellschaftliches Zusammenleben

Für das Türkisch-Deutsche Theater in Hildesheim ist kulturelle Vielfalt normal. Seit über 20 Jahren spielt Neclâ Eberle-Erdógan im Türkisch-Deutschen Theater mit – neben ihrer Arbeit im Mehrgenerationenhaus Hildesheim. „In erster Linie ist Theater eine Möglichkeit für mich meine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Hier kann ich über meine Ansichten und Einstellungen in Bezug auf das Zusammenleben in der Gesellschaft nachdenken und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedensten Menschen finden", sagt die türkischstämmige Deutsche.

Das Türkisch-Deutsche Theater wird seit 1990 von Studierenden der Universität Hildesheim und Bürgern aus der Region Hildesheim geleitet. „Wir springen auf keinen Migrationshype auf", erklärt Isabel Schwenk, die mit Markus Wenzel seit 2011 das Theater leitet. Beide studieren an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis sowie Szenische Künste.

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Stadttheater vs. Freies Theater - Ein Bericht über eine Diskussion

Auf dem Podium: Matthias von Hartz, Bernd Stegemann, Mieke Matzke, Wolfgang Schneider, Henning Fülle

„Wir wollen nicht über Geld reden!" ruft Moderator Henning Fülle zu Beginn der Diskussion aus. Denn das scheint immer wieder der Punkt zu sein, auf den Diskussionen zu diesem Thema hinauslaufen. Worüber also soll dann geredet werden? Über Produktionsweisen? Über Ästhetiken? Über Programmatiken? Da man in dieser Runde im Burgtheater auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim nicht Äpfel mit Birnen vergleichen möchte, begeben sich die Experten auf die Suche nach den unterschiedlichen Qualitäten dieser beiden Pole der professionellen Theaterarbeit und versuchen eine Grundlage zu schaffen, auf der über Modelle der Umstrukturierung und Zusammenarbeit von Freier Szene und Stadttheater, besonders im Rahmen kulturpolitischer Entscheidungen weitergeredet werden kann.

Themenzentrierung vs. Theatralität

Gerade die unterschiedlichen inhaltlichen Spezifika dieser beiden Pole haben jeweils ihre Existenzberechtigung, da wird sich die Diskussionsrunde schnell einig. Man will weder auf die ursächlich sinnliche Faszination theatraler Darstellungsformen, noch auf die theatrale Behandlung lebenswirklicher Themen verzichten. Es geht also nicht um ein „entweder – oder". Im Zentrum professioneller Theaterarbeit muss vielmehr eine zeitgenössische Kunstproduktion stehen, welche die Zuschauer dort anspricht wo sie sind, in ihrer Stadt. Auch darüber sind sich alle einig. Was es also braucht sind neue strukturelle Formen, in denen diese neuen ästhetischen Inhalte entstehen können und wo das „Knirschen im Gebälk" am geringsten ist, wie Matthias von Hartz es formuliert. Strukturen, in denen die Freie Szene diese Kunstproduktion, welche sie seit Jahrzehnten betreibt, im größeren Rahmen, zu ihren eigenen Bedingungen, aber mit den finanziellen, strukturellen und ideellen Möglichkeiten des Stadttheaters umsetzen kann.

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Koalition der Freien Szene - Offener Brief an die Stadt Berlin

„Freie Szene", Def.: Die Gesamtheit aller in Berlin frei produzierenden Künstler, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen in freier Trägerschaft aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien, Musik von Barock, Elektro, Jazz, Klassik bis zur Neuen Musik, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater, Literatur sowie alle spartenübergreifenden und transdisziplinären Arbeiten.

Die Entwicklung des Berliner Kulturhaushaltes in den letzten 10 Jahren ist in Bezug auf die Förderung von freien Strukturen mehr als Besorgnis erregend. Standen vor zehn Jahren noch rund 10 % des Kulturhaushaltes an disponiblen Mitteln zur Verfügung, sind es heute mit rund € 10 Millionen nur noch 2,5 %. Hinzu kommen weitere € 10 Millionen aus dem vom Bund finanzierten Hauptstadtkulturfonds, die aber nur zu etwa 60 % freien Projekten zur Verfügung stehen.

Die Regierungskoalition aus SPD und CDU hat nun in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag festgehalten: „Berlin ist eine globale Kulturmetropole, unser kultureller Reichtum ist unser Kapital. (...) Kunst, Kultur und die Kreativszene gehören zu den zentralen Grundressourcen der Stadt. (...) Die Koalition will die Freie Szene verstärkt fördern (...)."

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Das Pumpenhaus Münster – eine Bühne mit viel Mut

Eines der experimentierfreudigsten Theater Westfalens ist das Pumpenhaus in Münster. Ein Schwerpunkt dort ist der moderne Tanz.

Roter Klinker, Fachwerk, Türmchen: Das münstersche Theater im Pumpenhaus wirkt ziemlich brav. Doch ruhig ging es hier nie zu. Vor 100 Jahren beherbergte das Haus eine Abwasserpumpstation, 1985 wurde das erste freie Theater Nordrhein-Westfalens gegründet, Stars des modernen Tanzes wie Sasha Waltz, Meg Stuart und Helena Waldmann wirbelten auf der Bühne, als noch niemand ihre Namen kannte. Das Pumpenhaus wurde ihr Sprungbrett, ihr Wegbereiter.

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Welche Impulse braucht die freie Szene?

Das muss sie schon selbst entscheiden, die freie Szene. Anders als die Stadttheater ist sie in den letzten Jahren Teil eines sehr internationalen Netzwerks und eines elaborierten Kunstdiskurses geworden. Das bringt neue Vergleichsmöglichkeiten, Kriterien, Finanzierungsstrukturen, Herausforderungen mit sich. Eigene lokale Süppchen zu kochen, das ist selten noch eine Option.

Eine solche freie Szene braucht keine pädagogisch sinnvollen Impulse als Motivation oder Schulterklopfen. Sie braucht keine Kategorisierung, keine Jurys, kein best of, kein Theatertreffen. Sie selbst gibt Impulse: Dadurch, dass sie ihre prinzipielle strukturelle Freiheit nutzt, die Freiheit des Theaters als Medium zu erweitern, zu testen, zu strapazieren, zu überstrapazieren. Die Freiheit, immer wieder von Null anzufangen, vielleicht auch mal vom Text ausgehend, aber immer im Wissen: Alles was zur Hand ist, ist zur Hand. Die Freiheit, Strukturen, Hierarchien, Rollenzuschreibungen, Abläufe, Kollaborationen so zu erfinden, wie sie das jeweilige künstlerische Unterfangen braucht – und nicht umgekehrt.

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