Das Pumpenhaus Münster – eine Bühne mit viel Mut

Eines der experimentierfreudigsten Theater Westfalens ist das Pumpenhaus in Münster. Ein Schwerpunkt dort ist der moderne Tanz.

Roter Klinker, Fachwerk, Türmchen: Das münstersche Theater im Pumpenhaus wirkt ziemlich brav. Doch ruhig ging es hier nie zu. Vor 100 Jahren beherbergte das Haus eine Abwasserpumpstation, 1985 wurde das erste freie Theater Nordrhein-Westfalens gegründet, Stars des modernen Tanzes wie Sasha Waltz, Meg Stuart und Helena Waldmann wirbelten auf der Bühne, als noch niemand ihre Namen kannte. Das Pumpenhaus wurde ihr Sprungbrett, ihr Wegbereiter.

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Welche Impulse braucht die freie Szene?

Das muss sie schon selbst entscheiden, die freie Szene. Anders als die Stadttheater ist sie in den letzten Jahren Teil eines sehr internationalen Netzwerks und eines elaborierten Kunstdiskurses geworden. Das bringt neue Vergleichsmöglichkeiten, Kriterien, Finanzierungsstrukturen, Herausforderungen mit sich. Eigene lokale Süppchen zu kochen, das ist selten noch eine Option.

Eine solche freie Szene braucht keine pädagogisch sinnvollen Impulse als Motivation oder Schulterklopfen. Sie braucht keine Kategorisierung, keine Jurys, kein best of, kein Theatertreffen. Sie selbst gibt Impulse: Dadurch, dass sie ihre prinzipielle strukturelle Freiheit nutzt, die Freiheit des Theaters als Medium zu erweitern, zu testen, zu strapazieren, zu überstrapazieren. Die Freiheit, immer wieder von Null anzufangen, vielleicht auch mal vom Text ausgehend, aber immer im Wissen: Alles was zur Hand ist, ist zur Hand. Die Freiheit, Strukturen, Hierarchien, Rollenzuschreibungen, Abläufe, Kollaborationen so zu erfinden, wie sie das jeweilige künstlerische Unterfangen braucht – und nicht umgekehrt.

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Man müsste, man könnte, man sollte! - Dieter Buroch, dem Dach-Decker, Haus-Meister und Hand-Werker der Darstellenden Künste in Deutschland gewidmet

Man müsste, man könnte, man sollte! Der Mann, der fast jedes Gespräch mit diesen Worten beginnen lässt, ist ein Visionär, ein Manager, kurzum ein visionärer Manager der Darstellenden Künste: Dieter Buroch. Er hat ein Modell geschaffen, das kulturpolitisch nicht im Konjunktiv verharrte, sondern Realität wurde: Das Künstlerhaus Mousonturm. Insofern wird das eine mit dem anderen immer in Verbindung bleiben. Das Verbindende war gewissermaßen auch der rote Faden. Die Macher konnten sich vernetzen, die Künste ihre Interdisziplinarität leben, das Publikum war dazwischen, mittendrin und somit weit voraus. Deshalb war es „dem Dieter" auch immer ein Anliegen, das weiterzugeben, was er selbst sich autodidaktisch beigebracht hat. Lernen durch Erfahrung, vermitteln durch praktische Anschauung. Meine Studierenden, ob aus Hildesheim, aber auch aus Mainz oder Leipzig, waren von ihm begeistert.

Man müsste, man könnte, man sollte! Und er wusste, wie es gedacht, angepackt und umgesetzt wird. Im Nachhinein hat er sich sogar immer auch noch eine Theorie dazu gebastelt, Module des Kulturmanagements entwickelt, Strategien für ein Kulturmarketing abgeleitet und das Ganze dann kulturpolitisch grundiert. Sein Theater war anders. Nicht nur auf der Bühne. Das mögen andere würdigen. Sein Theater war auch ein innovatives Programm für die Strukturveränderungen im System. Theater ermöglichen, das hatte er von Hilmar Hoffmann gelernt, Theater möglichst stringent im Sinne der Künstler zu organisieren, das hat er erfunden und ist selbst zum Meister der Kulturpolitik avanciert.

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Kulturpolitischer HighNoon - Landesbühne, Theaterhaus und Universität im Gespräch

Zwölf Uhr mittags: Kulturschaffende, Kulturpolitiker und Studierende diskutierten „auf dem roten Teppich" des Instituts für Kulturpolitik über das Theater 2022 und die Perspektiven für die dramatischen Künste in Stadt und Land.

Das Institut für Kulturpolitik der Stiftung Universität Hildesheim lud am 29. Juni 2011 ein zum Kulturpolitischen High Noon. Es diskutierten Andrea Fester, Künstlerische Leiterin des Theaterhauses Hildesheim, Jörg Gade, Intendant des Theaters für Niedersachsen (TfN) und Prof. Dr. Jens Roselt, Direktor des Instituts für Medien und Theater. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik, der zum Auftakt der Diskussion konstatierte: „In kulturpolitisch schwierigen Zeiten ist das Zusammenfinden wichtig!"

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Hochmobil, kinderlos und immer zur Stelle! - Zur Arbeits- und Lebensorganisation Freier Darstellender Künstler

Die Frage nach der Heimat. Dem Haus. Dem Standbein. Der konstanten Variablen. Wo ist sie? Wo gehöre ich hin? Und wie überlebe ich dort? Alexander Pinto (Freier Kulturmanager- Berater) stellt auf dem 1. Bundeskongress der Freien Darstellenden Künstler in Stuttgart Anfang Dezember 2010 die aktuelle Arbeits- und Lebenssituation freier Künstler als ein Dilemma dar. Das Dilemma heißt Multilokalität. Es ist Konflikt und Chance zugleich.

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