Entsolidarisierung in Krisenzeiten - 20 Jahre Bundesverband Freier Theater

Entsolidarisierung in Krisenzeiten

Wahrhaftig ein Grund zum Feiern: „20 Jahre Bundesverband
Freier Theater”!

Vom 9.-12. Dezember 2010 traten die Mitglieder des Bundesverbandes freier Theater im Theaterhaus Stuttgart zu ihrem 1. Bundeskongress zusammen. In einer Zeit der schwierigsten Lage aller Theater, der freien wie der von der öffentlichen Hand getragenen Stadt- und Staatstheater. Geht es den Theatern finanziell schlecht, wirkt sich das sowohl auf die künstlerische Produktion als auch auf das künstlerische und technische Personal aus. Die Problematik der haushaltsrechtlich als „freiwilliger Leistung“ ausgewiesenen Finanzierung des künstlerischen Bereichs ist nicht neu. In zyklischer Wiederkehr wiederholen sich die Angriffe auf die Theaterhaushalte. Neu aber sind dieses Mal die Reaktionen – wohl als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise – in Politik und Medien: Die Theater sehen sich geradezu feindseligen Attacken ausgesetzt, die ohne Beispiel sind. Während sich die Kulturpolitiker in besseren Zeiten ihrer Kultureinrichtungen rühmten, ergehen sie sich heute in Abbau- und Schließungsszenarien. Neu ist allerdings auch, dass sich unter den Theaterschaffenden eine Haltung der Entsolidarisierung breit macht, die es vorher so nicht gegeben hat. Während man in Notzeiten solidarisch zusammenrückte, steht heute die individuelle Selbstbehauptung im Vordergrund. Die Ursache dafür dürfte in den sozialen Folgen der qualitativen Veränderungen der Arbeitsverhältnisse liegen, insbesondere in der wachsenden Prekarisierung, von der nicht nur die darstellenden Künstler, sondern immer weitere Teile der Arbeitswelt erfasst werden. Auch die Organisationsbereitschaft hat sich gegenläufig entwickelt. An den Ergebnissen
gewerkschaftlicher Arbeit nimmt man teil, ohne Mitglied zu sein. Dass sich tarifvertragliche Regelungen nicht von selbst ergeben, wird ausgeblendet. So lange das mühsam genug erstrittene Tarifgebäude hält und sich Mitglieder finden, die sich dem Gedanken gewerkschaftlicher Solidarität verpflichtet fühlen, kann man sich mittragen lassen. Wer aber sorgt sich dann um die Schutzmechanismen der fragilen und verwundbaren Beschäftigungsverhältnisse der Kreativen, wenn die Entsolidarisierung weiter zunimmt? Soll dann dem Zuruf eines Kongressteilnehmers gefolgt werden: „Die Anarchie muss wieder rein“?

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Strukturmerkmale und soziale Lage von darstellenden Künstlern Zusammenfassung der Ergebnisse der Auswertungen des Mikrozensus 2005/2006

1 Einleitung

Auf der Basis der Daten des Mikrozensus 2005 und 2006 wurde ein Gutachten zur sozioökonomischen Lage der darstellenden Künstler in Deutschland im Auftrag des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien erstellt. Die Fertigstellung der Studie erfolgt Mitte Juni 2009. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.

2 Erwerbsstatus und Beschäftigungsverhältnisse

Arbeiteten im Jahr 2005 noch 16.550 darstellende Künstler in abhängiger Erwerbsarbeit, so reduzierte sich die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Jahres um nahezu 1000 Verträge, bei gleichzeitigem Anstieg Alleinselbständiger von 13.500 auf 16.550. Die Anteile von darstellenden Künstlern in Alleinselbständigkeit liegen im Jahr 2006 bereits über der Hälfte der erwerbstätigen Künstler in diesen Berufsgruppen. Ein nicht unwesentlicher Anteil der darstellenden Künstler in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen arbeitet im öffentlichen Dienst, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Das Befristungsrisiko für abhängig Beschäftigte ist im öffentlichen Dienst im Vergleich zur Privatwirtschaft geringer. Befanden sich im Jahr 2005 etwa 43% der darstellenden Künstler mit Arbeitsverträgen im öffentlichen Dienst in befristeten Beschäftigungsverhältnissen, so sind diese Anteile innerhalb eines Jahres sogar rückläufig. Im Jahr 2006 arbeiteten nur noch 40 Prozent der Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen. Dies ist aber möglicherweise auf den Arbeitsplatzrückbau im öffentlichen Dienst zurückzuführen, da befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden und dies in der Konsequenz zu einem anteiligen Anstieg unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse führt. Die Anzahl abhängiger Beschäftigungsverhältnisse in der Privatwirtschaft hat sich dagegen innerhalb des Beobachtungszeitraumes kaum verändert. So arbeiteten in beiden Jahren in etwa 9.700 darstellende Künstler in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. In diesen Segmenten hat sich sogar im selben Zeitraum das Risiko der Befristung verringert. Hier stiegen sogar die Beschäftigtenzahlen mit unbefristeten Verträgen von 4.300 auf 4.600, bei gleichzeitigem Rückgang der Beschäftigten in Befristung von etwa 5.500 auf nahezu 4.900 Personen.

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