Erklärung der Regionalgruppe M-V der KuPoGe: Strukturwandel mit Augenmaß

Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Theater und Orchester im Land und die Lage der Kultur im Land sind für die Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. (KuPoGe) Grund, sich an Politik, Verwaltung und Kultureinrichtungen zu wenden. Wir veröffentlichen ihre Stellungnahme.

Die Regionalgruppe der KuPoGe begrüßt, dass das Land durch Minister Brodkorb das Gutachten der „Metrum Managementberatung" vorgelegt hat, ein Zahlenwerk, das Startpunkt und eine Basis für die Diskussion um eine nachhaltige Theaterversorgung im Land darstellt. Wir teilen dabei die Einschätzung, dass es um eine längst notwendige Anpassung der Theaterstrukturen und des „klassischen" Stadttheatermodells an die sich verändernden äußeren Rahmenbedingungen und veränderten Theaterpraxen geht. Ziel muss dabei die Sicherung und Weiterentwicklung der Angebote für die unterschiedlichen Besuchergruppen sein.

Eine Diskussion darf aber nicht nur zwischen den neun Modellen ansetzen, sondern sollte zunächst die prinzipiellen Voraussetzungen der Modelle klären. Und da bleiben für uns einige Fragen offen:

  • Alle Modelle gehen von einem zumindest konstanten Zuschuss der Kommunen und Kreise für die Theater und Orchester aus. Unter Berücksichtigung der konkreten Finanzsituation erscheint uns das als unwahrscheinlich.
  • Die Deckelung der Zuschüsse des Landes bis 2020 ist nicht realisierbar, denn bereits jetzt wurden zusätzliche Mittel für einzelne Theater und Orchester bewilligt, um Insolvenzen abzuwenden (selbst drastischster Personalabbau greift nicht sofort.)
  • Theater und Orchester sind im Land zwar ein wichtiger, aber eben nur ein Bestandteil der Kulturlandschaft. Eine Diskussion sollte das Zusammenwirken und Zusammenspiel der Kulturakteure im Rahmen der kulturpolitischen Zielstellung berücksichtigen (z.B. Hochschule für Musik und Theater Rostock – Volkstheater Rostock GmbH).

Wir wissen, dass die Erarbeitung eines inhaltlich und finanziell erfolgreichen Strukturmodells darauf Antworten geben muss.

Für uns kann eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterlandschaft nur mit den Theaterträgern und den Theaterleitungen erfolgen. Die neun Vorschläge sind nach Aussage des Ministers Angebote an diese Akteure vor Ort, sich selber zu positionieren.

  • Nach Meinung der KuPoGe Regionalgruppe MV braucht das aber mehr Zeit, denn die demokratisch gewählten Gremien der Theaterträger und Theater müssen die Chance haben sich intensiv mit den Vorschlägen und der konkreten Situation vor Ort zu beschäftigen.
  • Die Suche ist nicht nur auf die neun Modelle der „Metrum" zu beschränken; neue Vorschläge (wie z.B. von der Vorpommerschen Landesbühne Anklam oder das Konzept der LINKEN) sind genauso ernsthaft zu prüfen.
  • Die Befragung der Nutzer durch das Ministerium halten wir für ein wichtiges Instrument der Beteiligung, auch wenn wir die konkrete Umsetzung und Fragestellung der derzeit durchgeführten Interneterhebung für diskussionswürdig halten.

Für den erfolgreichen weiteren Reformweg erwarten wir von den Beteiligten:

  1. Verlängerung der Phase zur Modellfindung und Konkretisierung bis zur Aufstellung des Doppelhaushaltes 2014/2015 in einer abgestimmten Roadmap (Juni 2013)
  2. Dynamisierung der Landesmittel bis 2020 entsprechend der Inflationsrate.
  3. Prüfung der möglichen Entwicklung der Zuschüsse der Theaterträger an die Theater (Zusammen mit der Kommunalaufsicht).
  4. Die Konkretisierung des kulturpolitischen Leitbilds des Landes und die Einbettung der Theater und Orchester in die gesamte Kulturlandschaft.
  5. Eine intensive Auseinandersetzung in den einzelnen Theater und Orchestern zu den internen Strukturen und Differenzierungen und der inhaltlichen Arbeit in der Region.

Die Sicherung und Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterlandschaft ist eine wichtige Aufgabe für die Kulturpolitik im Land. Die Regionalgruppe MV der KuPoGe wird sich in die zukünftigen detaillierten Diskussionen und Erarbeitung von Lösungen mit einbringen.