Eine Petition für den Denkmalschutz1.475 Bürger können sich nicht irren

Als der Kulturszene der Stadt Wiesbaden ein Frevel widerfahren sollte, beschlossen 1.475 Bürger sich zu wehren. So viele unterzeichneten eine Online-Petition, die um nicht weniger ging, als den „Erhalt der klassischen Inszenierung von Hänsel und Gretel“ am Theater Wiesbaden.


Kurz zur Erklärung: 2013 kündigte der damals designierte Staatstheater-Intendant Uwe E. Laufenberg an, die Inszenierung von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ aus dem Jahre 1893 absetzen zu wollen. Ein Sturm der Empörung prasselte auf ihn nieder, war doch die Märchenoper eine gefühlte Ewigkeit fester Bestandteil des Spielplanes und genau so gehörte sie „für etliche Familien der Region zum festen Weihnachtsprogramm“. Die Verfasser der Petition sahen es als nicht hinnehmbar an, dass der Klassiker verschwindet oder durch „womöglich nicht werkgetreue bzw. modernistische Inszenierungen ersetzt werde“.
Das Entsetzen musste groß sein, denn immerhin 31 (in Worten: einunddreißig) Jahre lang lief „Hänsel und Gretel“ und gehörte damit nach Meinung einiger Wiesbadener unter Denkmalschutz.
Doch am 15. November 2015 gab es endlich einen Grund zum Aufatmen. Eine neue „Hänsel und Gretel“-Produktion feierte Premiere.
Ob Beka Savics Inszenierung den von den Bürgern geforderten „Ersatz durch eine absolut werktreue Neuinszenierung, die die Oper im Sinne der Komponisten und Librettisten in Szene, Musik und Regie absolut klassisch wiedergibt und keinerlei Änderungen, weder im Zeitbezug noch in der Ausstattung oder Regie“ bringen kann, sei dahin gestellt. Sieht man doch z.B. einen Kühlschrank auf der Bühne, oder - oh Schreck! - eine Hexe, die von einem Mann in Frauenkleidern dargestellt wird. Kann der Frieden in Wiesbaden trotzdem wieder einkehren?
Wir wissen es nicht genau. Aber wie Stefan Schickhaus in der Frankfurter Rundschau vom 16.11.2015 passend bemerkt, handelt es sich um eine Inszenierung, „die niemandem Kopfschmerzen bereiten kann. 1.475 Wiesbadener können sich entspannen, und alle anderen sogar freuen“.