Welche Zukunft hat #rettedeintheater?

Ein Bericht über die Mitgliederversammlung der Initiative.

Am 13. Dezember 2018 trafen sich Vertreter*innen der kommunalen Theater aus Braunschweig, Göttingen, Hildesheim und Hannover in den Räumen des Landesverbandes Freier Theater in Niedersachsen (LaFT), um gemeinsam über die zukünftigen Projekte des Aktionsbündnisses #rettedeintheater zu sprechen und sich über die Förderung der 3 Millionen Euro für kommunale Theater in Niedersachsen auszutauschen.


Antje Thoms, Hausregisseurin am Deutschen Theater Göttingen und Begründerin des Aktionsbündnisses, hatte an diesem Tag eingeladen, um über die Zukunft der Initiative #rettedeintheater zu sprechen. Sie sprach zunächst über den großen Erfolg, der mit dem Zuschuss von 3 Millionen Euro für kommunale Theater im Jahr 2019 erreicht worden sei. Dies sei nur möglich gewesen, da der öffentliche Druck auf Politiker*innen und Bürger*innen, sich aktiv für Ihre Kommunaltheater einzusetzen, durch die Aktionen stieg. Das sei besonders beeindruckend, da keine Institution hinter dem Bündnis stehe, lediglich einzelne Kultur- und Theaterschaffende.
Dennoch machte Thoms auch auf die noch immer bestehenden Probleme aufmerksam: Aufgrund der ausbleibenden Verstetigung der finanziellen Mittel könne man noch immer keine leeren (Plan-) Stellen füllen, wie beispielsweise am Theater für Niedersachsen oder am Deutschen Nationaltheater Göttingen. Da nicht sicher ist, ob die Mittel auch im Folgejahr zur Verfügung stehen, steigen somit die Gefahren für die Theater, sich bei Ausbleiben der Förderung durch die „zusätzlichen“ Stellen zu verschulden. Die Verträge müssten befristet bleiben und somit würde sich an den Arbeitsbedingungen am Theater nicht viel verändern. Eine Verstetigung der finanziellen Mittel würde eine noch größere Planungsunsicherheit sowohl für Theater als auch Künstler*innen bedeuten. Unterm Schnitt lässt sich sagen: Das zusätzliche Geld ist zwar „nett“ und hat auch die Probleme öffentlicher gemacht, löst jedoch die an den Theatern bestehenden Engpässe nicht.
Außerdem angemerkt wurde von zwei Orchestermusiker*innen des Göttinger Sinfonie Orchesters, dass in Folge der Einsparungen immer mehr Theatermitarbeiter*innen, vor Allem aus technischen Bereichen, in den letzten Jahren vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst in den Normalvertrag Bühne überführt wurden, welcher ebenfalls wenig soziale Sicherheit gewährleistet. Durch den NV-Bühne sehen sich die Arbeitnehmer*innen mit tariflichen, arbeitszeitlichen und planungstechnischen Einschränkungen konfrontiert.
In der folgenden Diskussion bestätigten die Anwesenden, dass der Eindruck bestünde, viele der Politiker*innen würden nicht wissen, welche konkreten Arbeitsbedingungen und Probleme es an den verschiedenen Theaterhäusern gebe. Um an eben diesem Verständnis zu arbeiten wurde auf die Aktion „40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen Ihre Abgeordneten“ aufmerksam gemacht, an der sich unter anderem das Theater für Niedersachsen beteiligt.
Am Ende des Gesprächs einigten sich die Beteiligten darauf, eine allgemeine Formulierung des Bündnisses zu erstellen, in welche Bereiche die finanziellen Mittel aus ihrer Sicht fließen sollten.

Nachtrag der Redaktion:

Am 17.12.2018 fand ein halbstündiges Gespräch zwischen Mitgliedern des Aktionsbündnisses und Niedersachsens Finanzminister Björn Thümler statt. Erkenntnis des Gesprächs ist, dass früher oder später die Forderungen vor Allem an Landkreise und Kommunen gestellt werden müssen, da letzten Endes sie das Geld für ihre kommunalen Theater in der Hand haben. Er als Finanzminister werde sich für eine Verstetigung der Gelder einsetzen, da Kultur nicht als freiwillige Aufgabe angesehen werden darf und wird im März darüber Auskunft geben, wie es um die zukünftige Finanzierung aussieht. Für ihn sei es außerdem inakzeptabel, dass Kommunen ihre Fördergelder kürzen, während das Land darum kämpft zu erhöhen.