Kulturwissenschaftler: Alleingänge von Theatern sind vorbei

dpa-Meldung vom 27.10.05:

Hildesheim (dpa/lni) - Angesichts der Kürzungen bei den Theatern in Niedersachsen hält der Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider mehr Zusammenschlüsse und Kooperationen für notwendig. «Es kann nicht jeder einzeln vor sich hin werkeln wie bisher», sagte Prof. Schneider von der Universität Hildesheim in einem dpa-Gespräch. Das Land und die Kommunen sollten gemeinsam ein Konzept erarbeiten, das eine «langfristige Garantie einer Theaterversorgung» mit sich bringe. «Da muss man dann auch sagen, wir können uns nicht überall ein Drei- oder Vier-Spartenhaus leisten, wir können uns nicht überall ein großes Orchester leisten.»

Schneider sprach sich zugleich dafür aus, freie Theater stärker als bislang zu fördern. «Die Innovationen und interessanten Regisseure kommen zum großen Teil aus der freien Szene, wo sie auch mal was Wildes und Schräges machen konnten.» Schneider ist der einzige Lehrstuhlinhaber für Kulturpolitik in Deutschland und ein Sachverständiger in der Enquetekommission «Kultur in Deutschland» des Deutschen Bundestags.

Das Stadttheater Hildesheim und die Landesbühne Hannover etwa beraten bereits über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Schneider sagte, «die bisherige Form der Landesbühne Hannover hat sich überholt in einem Markt, wo sich Privatanbieter und Tourneetheater tummeln». Bestimmte populäre Formen von Theater bedürfen aus seiner Sicht keiner öffentlichen Förderung, sondern sollten sich allein im Markt behaupten. Die Landesbühne in Hannover mit eigenem Haus zeigt ihre Produktionen vor allem in Kommunen ohne eigene Theater.

Das Kulturministerium hatte alle Verträge mit den Stadttheatern, die Geld vom Land bekommen, sowie mit zwei Landesbühnen in Niedersachsen gekündigt. Nun sucht das Kulturministerium angesichts der Kürzungen in der Kulturförderung nach neuen Strukturen in der Theaterlandschaft.

Der Kulturwissenschaftler Schneider forderte ein verstärktes Engagement beim Kinder- und Jugendtheater, gerade auf Grund der Defizite von Schülern beim Lesen und der Ausdrucksfähigkeit. «Es muss klar gesagt werden, wir wollen, dass möglichst alle Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen mindestens zwei Mal im Jahr ins Theater gehen.» Das wäre eine Forderung, die mit einer besseren Förderung des Kinder- und Jugendangebotes umgesetzt werden könnte, sagte Schneider.