Subvention trifft Subkultur

Kommentar zum Heimspiel-Fonds der Kulturstiftung des Bundes

»Was will das Theater, wenn es sich dem ‹kleinen Mann› von der Straße zuwendet? (...) Wenn ich es ernst meine, dass ich etwas verändern will im Leben der Leute, muss ich mich doch fragen, warum ich dann nicht Sozialarbeiter werde wie Mario.« argumentiert Eve Kolb, Schauspielerin am Deutschen Nationaltheater Weimar. (Magazin der Kulturstiftung des Bundes Nr.:10)   Für Jugendliche gibt es kaum Plätze im Stadtbild. Ruhestörung ist das Schlagwort, dass einen scharfen Keil zwischen Alt und Jung rammt.
Welche Chancen haben Jugendliche, diese kulturelle Situation in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken? An dieser Stelle greift nun die Kulturstiftung des Bundes durch den Heimspiel-Fonds und nutzt das Theater als Plattform. Mit dem Projekt „My God Rides a Skateboard“ holte das Deutsche Nationaltheater Weimar die Skater vom Theatervorplatz auf die große Bühne. Was auf den „Brettern der Welt“ passiert ist noch keine Politik, denn die jungen Menschen zeigen in erster Linie ihr Können und äußern ihr Anliegen nach mehr Raum für ihr Dasein. Die politische Dimension könnte sich im nachhinein zeigen, wenn derartige Projekte Nachhaltigkeit erfahren würden, wenn nach dem Theatererlebnis auch Taten folgten.
In Zeiten von Popstar und Supermodel, wo einzig die Regel „Hop oder Top“ gilt, ist es wichtig, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen für ihre individuellen Begabungen zu stärken und eine realistische Einschätzung des Lebens zu vermitteln. Der Heimspielabend erfordert selbstbestimmtes Handeln und die Bereitschaft zur Kommunikation. Das Theater scheint ein geeigneter Ort, an dem Fähigkeiten und Forderungen der heranwachsenden Bürger im direkten Kontakt mit einem aufgeschlossenen Publikum aufgezeigt und verhandelt werden könnten.
Natürlich müssen Shakespeare und Co mit ihren Stücken an dieser Stelle erst einmal eine Nebenrolle spielen. Klartext ist angesagt auf der Bühne.
Die Begegnung zwischen dem ‹kleinen Mann› und dem selbstkreierten Theatererlebnis bietet allerdings die Chance, das Interesse bei den Teilnehmern für andere Formen von Theater zu wecken. Die direkte Arbeit mit Schauspielern, Regisseuren, Technikern, etc. könnte förderlich sein, um Barrieren gegenüber dem unbekannten Schnürbodenhaus abzubauen.
Theater kann und sollte sich als öffentliches Sprachrohr verstehen und versuchen, das Leben der Bürger zu verändern.
Das ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken und den eisernen Vorhang dafür zu öffnen ist ein wichtiger Schritt. Was kann bzw. muss Theater in unserer Zeit leisten? „My God Rides a Skateboard“ ist eine Antwort auf diese Frage. Und Sozialarbeiter Mario ist dadurch eventuell etwas entlastet.