"Theater, für wen eigentlich?"

Ein Kommentar 

Heimspiel – so titelt die Kulturstiftung des Bundes einen Fonds, mit dem Projekte gefördert werden, die eine Anbindung des Theaters an die lokale Bevölkerung herstellen, neue Zuschauerkreise gewinnen und sich intensiver mit den Bürgern, ihren Vorstellungen und Wünschen auseinander setzen wollen
Doch wo ist der Mehrwert dieser Projekte für diejenigen, die nicht direkt involviert sind? Der Regisseur des Projektes “My God Rides a Skateboard“ Sven Miller sagt, es gehe in erster Linie nicht um das künstlerische Resultat. Der Prozess sei wichtig.

Der Prozess ist für die Teilnehmenden sicherlich sehr wichtig, doch wenn man sich entschließt, das Ergebnis auf die Bühne zu bringen, der Öffentlichkeit zu präsentieren, sollte man den künstlerischen Anspruch nicht aus den Augen verlieren.
Und hier zeigt sich die Schwierigkeit solcher Projekte mit Laiendarstellern.
Es bedarf fähiger Theatermacher und Pädagogen, die es verstehen, die Stärken und Besonderheiten der Mitwirkenden zu fördern und sie in einer angebrachten Form zu präsentieren.
Laiendarsteller haben besondere Qualitäten. Sie nehmen an solchen Projekten teil, weil Spiellust in ihnen brennt, sie sich mitteilen wollen, weil sie auf der Suche nach Austausch und Erfahrungen sind.
Wenn es gelingt, dieses Mitteilungsbedürfnis und die Spiellust in einen künstlerisch anspruchvollen Rahmen zu setzten, kann etwas wundervolles entstehen, das sowohl inhaltlich als auch ästhetisch eine Bereicherung ist, seine Relevanz hat und vielleicht mehr erzählen kann, als so manch anderes, das auf den Spielplänen der großen Theater zu finden ist.
Wenn es gelingt, den Stimmen der einzelnen Teilnehmer einen größeren Rahmen zu geben und auf mehr zu verweisen als auf sich selbst, so haben diese Projekte auch Relevanz für die Menschen, die außerhalb stehen, für die Zuschauer.
Und hier kommt zu der einen Frage „Theater, für wen eigentlich?“ noch die andere Frage „Welche Art von Theater?“ hinzu. Welche Inhalte sollen auf der Bühne verhandelt werden? Hier wird Theater zum Sprachrohr, zur Plattform um Gegebenheiten zu thematisieren und einen Austausch anzuregen. Einem Austausch auf mehreren Ebenen, zwischen Theater und den Menschen der Stadt, zwischen Menschen, die sich sonst nicht begegnet wären, zwischen der Hoch- und der Subkultur.
Theater von den Menschen und für die Menschen um uns herum, das wäre die ideale Anbindung des Theaters an die lokale Bevölkerung.