Fake yourself!

Eine gefakte Podiums-Diskussion anlässlich des Theatertreffens beim AUA-Festival in Bern.

Vom 12.- 22. Mai 2010 tra­fen sich zum 28. Mal zahl­rei­che Ver­tre­ter der eu­ro­päi­schen Thea­ter­sze­ne. Im Rah­men des Fes­ti­vals AUA-Wir leben! prä­sen­tier­ten neben einem um­fang­rei­chen Rah­men­pro­gramm elf über­wie­gend deutsch­spra­chi­ge Grup­pen im Schlacht­haus, in der Dampf­zen­tra­le, im Stadt­thea­ter, im Tojo und im Zen­trum Paul Klee ihre ak­tu­el­len Ar­bei­ten. theaterpolitik-Au­tor Sa­scha Her­meth traf sich mit fünf Thea­ter­ex­per­ten, die auf un­ter­schied­li­che Weise zum Fes­ti­val bei­tru­gen und sprach mit ihnen über ihre Ar­beit. Dabei setz­te er das Fes­ti­val­mot­to 'Fake Your­self' di­rekt um und er­fand sich als Mo­de­ra­tor einer Po­di­ums­dis­kus­si­on, die genau so nie statt­ge­fun­den hat. Die Ge­sprä­che wur­den ein­zeln ge­führt und sind hier aus­zugs­wei­se wi­der­ge­ge­ben. Der Ori­gi­nal­wort­laut der Aus­sa­gen wurde bei­be­hal­ten.


Schlachthaus Bern

Die Prot­ago­nis­ten:

Bea­trix Büh­ler (Fes­ti­val­lei­te­rin)
Seit 1988 künst­le­ri­sche Lei­te­rin von AUA - Wir leben!, von An­fang an dabei, Haupt­ver­ant­wort­li­che der fünf­köp­fi­gen Fes­ti­val­or­ga­ni­sa­ti­on, als Päd­ago­gin und Re­gis­seu­rin aktiv an Schwei­zer Kunst­hoch­schu­len, im Kin­der­thea­ter­be­reich, in der Au­to­ren­för­de­rung.

Da­ni­el Im­bo­den (Geld­ge­ber)
Seit drei Jah­ren Pro­jekt­lei­ter Thea­ter, Dar­stel­len­de Küns­te und Li­te­ra­tur des Mi­gros-Ge­nos­sen­schafts-Bun­des, Ab­sol­vent des Mas­ter­stu­di­en­gangs Dra­ma­tur­gie bei H.T. Leh­mann in Frank­furt a.M.

Alex­an­der Khuon (Schau­spie­ler)
En­sem­ble­mit­glied des Deut­schen Thea­ters Ber­lin, Ab­sol­vent der Schau­spiel­schu­le Leip­zig 2002, ge­gen­wär­tig neun Pro­duk­tio­nen im Re­per­toire, bei AUA ein­ge­la­den mit Glau­be, Liebe, Hoff­nung.

Bern­hard Mi­kes­ka (Re­gis­seur)
Pro­mo­viert in theo­re­ti­scher Phy­sik, vor 16 Jah­ren das Re­gie­hand­werk am Schau­spiel­haus Ham­burg er­grif­fen, macht Thea­ter­stü­cke für einen Zu­schau­er, bei AUA ein­ge­la­den mit Letz­te Tage.

Pia Strick­ler (Thea­ter­wis­sen­schaft­le­rin)
Pro­mo­vier­te über „Thea­ter­be­richt­er­stat­tung in den Print­me­di­en", Do­zen­tin der Uni Bern, Thea­ter­kri­ti­ke­rin und Au­to­rin der Ber­ner Ta­ges­zei­tung Bund.

Sascha Hermeth:
Bern­hard, wel­che Er­fah­run­gen hast Du ge­macht, als deut­scher Re­gis­seur in der Schweiz? Das ist ja nicht deine erste Pro­duk­ti­on hier, oder?

Bern­hard Mi­kes­ka:
Nein, das ist, ich glau­be, die sechs­te oder sieb­te Pro­duk­ti­on hier. In der Schweiz exis­tiert ein an­de­res Ver­ständ­nis dar­über, dass frei­es Thea­ter auch fi­nan­ziert wer­den muss. Es gibt hier eine sehr gute und kon­se­quen­te För­der­po­li­tik, die auch in­ter­es­san­te oder neue An­sät­ze un­ter­stützt und es er­mög­licht, neue For­men aus­zu­pro­bie­ren, wie das am Stadt­thea­ter nicht mög­lich ist. Zum Bei­spiel was ich mit Ras­ho­mon hier an­ge­fan­gen habe, Thea­ter für einen Zu­schau­er, das war schon immer so eine Uto­pie von mir. Ich habe nie ge­dacht, dass man das wirk­lich ma­chen könn­te, aber dann gab es ir­gend­wann diese Idee und die er­schien sehr schlüs­sig. Wir haben mit den För­der­stel­len hier ge­re­det, weil wir dach­ten, dass es schwie­rig sei, für sowas Geld zu be­kom­men. Aber das war nicht so.

Bea­trix Büh­ler:
Das Thea­ter in der Schweiz ris­kiert mehr und es nimmt sich mehr Zeit. Wenn Du ein gutes Kon­zept und al­lein ein­mal etwas ge­zeigt hast, dann hast Du un­glaub­lich große Chan­cen, dass Du ge­för­dert wirst. Des­we­gen kom­men auch so viele Deut­sche in die Schweiz. Es er­laubt auch, mehr bei sich zu blei­ben, statt zu sagen, dass muss jetzt so ex­plo­die­ren und Auf­merk­sam­keit er­re­gen. Die Schwel­le in die Liga der ge­för­der­ten Pro­jek­te kann man ins­be­son­de­re in Bern wirk­lich schnell über­sprin­gen. Das hat dann aber zur Folge, dass Thea­ter­schaf­fen­de hier ihren Namen ma­chen und dann nach Zü­rich ab­wan­dern, wie z.B. 400 Asa oder Plas­ma.

Da­ni­el Im­bo­den:
Vor allem das fö­de­ra­lis­ti­sche Sys­tem in der Schweiz hat na­tür­lich Aus­wir­kun­gen. Thea­ter ist hier sehr ab­hän­gig davon, wie die kon­kre­te Po­li­tik ist, erst ein­mal in der Kom­mu­ne und dann na­tür­lich auf kan­to­na­ler Ebene. Die Ent­schei­dun­gen haben da di­rek­ten Ein­fluss, wie sich die Szene ent­wi­ckelt. In den letz­ten Jah­ren war das vor allem Zü­rich mit einer nach­hal­ti­gen Kul­tur­po­li­tik im Thea­ter­be­reich. Basel hat jetzt wie­der einen Schritt nach vorne ge­macht, weil in den letz­ten 20 Jah­ren kaum mehr Kom­pa­ni­en aus Basel wo­an­ders Fuß fas­sen konn­ten. Das hat man auch in der Po­li­tik ge­merkt und ver­sucht, dem mit neuen För­der­in­stru­men­ten Herr zu wer­den, die lo­ka­len Grup­pen wie­der ver­stärkt an die Häu­ser zu bin­den und ihnen dann von dort die Chan­ce zu geben, Tour­ne­en zu rea­li­sie­ren. Als Städ­te mit ur­ba­nem Cha­rak­ter, wo man über­haupt von 'lieu de création' spre­chen kann, gibt es ja nur Genf und Lau­sanne in der West­schweiz und in der Deut­schweiz das Drei­eck Zü­rich-Ba­sel-Bern.

Sa­scha Her­meth:
Das neue Schwei­ze­ri­sche Kul­tur­för­de­rungs­ge­setz hat ge­ra­de die Ein­fluss­nah­me der Po­li­tik auf die Ent­schei­dun­gen der staat­li­chen Kul­tur­för­der­stel­le Pro Hel­ve­tia ge­stärkt. Mi­gros Kul­tur­pro­zent bleibt als pri­va­te För­der­stel­le davon un­be­hel­ligt. Gibt es dort den­noch ein in­ter­nes In­ter­es­se auch in­halt­lich Ein­fluss zu neh­men?

Da­ni­el Im­bo­den:
Ei­ner­seits rea­gie­ren wir na­tür­lich ganz ein­fach auf Ge­su­che und un­ter­stüt­zen Pro­jek­te. Bei den Thea­ter­kom­pa­ni­en ist es ein Kri­te­ri­um, dass sie ein Selbst­ver­ständ­nis haben in dem Sinne, dass sie eine Thea­ter­form su­chen, die einen Re­cher­checha­rak­ter hat, also nicht bei der Kon­zeptab­ga­be schon klar ist, was auf der Bühne pas­sie­ren wird. Bei Fes­ti­vals, wie AUA, su­chen wir eine Art Part­ner­schaft Die Pro­gramm­ho­heit ist aber schluss­end­lich ganz klar bei dem je­wei­li­gen Fes­ti­val. Eines un­se­rer Ziele ist es, Fes­ti­vals oder Pro­duk­tio­nen zu un­ter­stüt­zen, die eine ge­sell­schafts- po­li­ti­sche Re­le­vanz haben.

Sa­scha Her­meth:
Alex­an­der, Du spielst hier beim AUA-Fes­ti­val "Glau­be, Liebe, Hoff­nung" im Schlacht­haus. Führt Dich die­ser Abend das erste Mal in die Stadt?

Alex­an­der Khuon:
Ich war in Bern beim Schau­spiel­schu­len-Tref­fen vor zehn Jah­ren, da war ich in so einem Aus­schuss und hab die Stadt ken­nen ge­lernt. Das AUA-Fes­ti­val kann­te ich bis­her nur vom Hö­ren-Sa­gen. Egal mit wem man spricht, aus dem su­ven­tio­nier­ten Sek­tor oder aus der frei­en Szene,das AUA-Fes­ti­val ist ein ab­so­lu­ter Name. Man hört nur über­aus Po­si­ti­ves dar­über.

Ich emp­fin­de das so, dass die­ses Fes­ti­val ein­fach eine sehr un­auf­ge­reg­te, trotz­dem sehr ernst­haf­te und auch freie und hin­ge­bungs­vol­le Phi­lo­so­phie ver­tritt. Man fühlt sich sehr wohl, bei die­sem Fes­ti­val, sehr auf­ge­ho­ben. Und die Orte sind total span­nend hier. Ges­tern konn­ten wir uns die Er­öff­nung an­gu­cken in der Dampf­zen­tra­le, das war klas­se. Weil ich fest im En­ga­ge-ment bin, muss ich am Wo­chen­en­de lei­der schon zu­rück. Aber das ist toll hier. Wie man auf­ge­nom­men wird. Auch vom Pu­bli­kum. Ich finde es wirk­lich span­nend, wie offen und wie kon­zen­triert die bei der Sache waren. Das hat rich­tig Spaß ge­macht. Wenn man so einen Abend hat und dann auch noch bei so einem Fes­ti­val ist, dann ist das auch so ein Mo­ment, wo sich alles ein­löst. Dann ist man ganz be­seelt.


Alexander Khuon in Glaube, Liebe, Hoffnung

Pia Strick­ler:
Was mich an dem Pro­gramm von AUA be­son­ders fas­zi­niert ist, dass brand­ak­tu­el­le The­men auf­ge­grif­fen wer­den. Das ist das ganz große Plus von die­sem Fes­ti­val: Es ist re­la­tiv groß und doch nicht zu groß, so dass es re­la­tiv kurz­fris­tig auf ge­wis­se Strö­mun­gen rea­gie­ren kann. Das ist ein Rie­sen­plus für Bern und für uns Thea­ter­wis­sen­schaft­ler na­tür­lich.

Sa­scha Her­meth:
AUA be­tont ex­pli­zit, Fes­ti­val für zeit­ge­nös­si­sches Thea­ter zu sein und be­geg­net den Er­war­tun­gen, die sich hin­ter die­sem Be­griff ver­ber­gen, durch sein aus­ge­wählt he­te­ro­ge­nes Pro­gramm. Auf die­sem Ta­bleau prä­sen­tie­ren sich in­sti­tu­tio­na­li­sier­te neben frei­en Pro­duk­tio­nen, jun­ge- neben ar­ri­vier­ten Grup­pen und Per­for­mance-In­sze­nie­run­gen neben Au­to­ren­stü­cken. Da zwän­gen sich ge­ra­de­zu Ver­glei­che auf. Die Rede vom Zeit­ge­nös­si­schen ver­weist ja schließ­lich auch auf den ste­ti­gen Er­neue­rungs­pro­zess in­ner­halb des Thea­ters. Las­sen sich denn sol­che Ver­glei­che an­stel­len? Also zum Bei­spiel, kom­men die Thea­ter­pio­nie­re des Jah­res 2010 eher aus dem Stadt­thea­ter oder aus der frei­en Szene?

Bea­trix Büh­ler:
Von An­fang an war das kein Fes­ti­val nur für in­sti­tu­tio­na­li­sier­te Pro­duk­tio­nen. Woher die Pro­duk­ti­on kommt spielt keine Rolle. Wir wol­len vor allem viele Thea­ter­spra­chen. Es gibt si­cher eine ra­san­te Ent­wick­lung, dass die wich­tigs­ten oder in­ter­es­san­tes­ten Thea­ter­leu­te ur­sprüng­lich aus der frei­en Szene kom­men. Aber das ist keine Vor­be­din­gung. Zum Bei­spiel NO99, die haben zwar einen Ap­pa­rat mit allen Ab­tei­lun­gen, das kleins­te Staats­thea­ter Est­lands in Tal­lin, aber man hat den Ein­druck die pro­jek­tie­ren, pla­nen und pro­ben wie eine freie Grup­pe.

Bern­hard Mi­kes­ka:
Also sowas wie Eins-zu-eins-Pro­jek­te, Thea­ter für einen Zu­schau­er, hätte ich nicht an einem Stadt­thea­ter vor­schla­gen kön­nen, ohne das vor­her schon ge­macht zu haben, weil am Stadt­thea­ter glau­be ich ten­den­zi­ell das Ri­si­ko für sowas zu groß ist. Ich hab in­zwi­schen eine Eins-zu-eins-Pro­duk­ti­on am Stadt­thea­ter ge­macht. Schau­spiel Frank­furt. Ge­ra­de letz­ten De­zem­ber. Re­make: Ro­se­ma­rie. Es stell­te sich aber dann her­aus, dass das den Ap­pa­rat vom Stadt­thea­ter sehr viel mehr for­dert, als wir, so­wohl die Lei­tung als auch ich, vor­her ge­ahnt hat­ten. Es be­durf­te vie­ler Dis­kus­sio­nen und Zwi­schen­schrit­te bis das wirk­lich rea­li­siert war. Es ging dann, auch dank Oli­ver Reese, der sich da sehr en­ga­giert hat. Aber mit sowas am Stadt­thea­ter an­zu­fan­gen, ohne vor­her die Er­fah­rung in der frei­en Szene ge­macht zu haben, wie man das am ein­fachs­ten, kos­ten­güns­tigs­ten und ef­fi­zi­en­tes­ten auf­setzt, das wäre nicht ge­gan­gen.

Alex­an­der Khuon:
Das hängt ab­so­lut von der Kon­stel­la­ti­on ab. Stoff, Re­gis­seur, das Team und die Schau­spie­ler. Wenn das glückt, wenn man eine gute Kon­stel­la­ti­on fin­det und der Stoff sich mit allem trifft, dann ge­lingt auf ein­mal ganz Be­son­de­res. Zu sagen, man ver­pflich­tet Stars, nimmt Shake­speare und den an­ge­sag­tes­ten Re­gis­seur aus dem Feul­liet­on und dann gu­cken wir mal, das hat man ja oft genug. Das was für mich die Magie und das Be­son­de­re am Thea­ter aus­macht, das lässt sich nicht pro­gram­mie­ren, son­dern da muss man schon sehr genau gu­cken. Und die­ses For­schen finde ich in­ter­es­sant, nicht zu sagen, man setzt auf die si­che­re Num­mer.

Sa­scha Her­meth:
Der Titel des dies­jäh­ri­gen Fes­ti­vals, Fake Your­self, ist ja auch ein Ver­weis auf die Schau­spie­le­rei an sich und legt eine Aus­ein­an­der­set­zung mit un­ter­schied­li­chen Dar­stel­lungs­for­men nahe. Wie las­sen sich denn deren äs­the­ti­sche Qua­li­tä­ten ab­gren­zen?

Bea­trix Büh­ler:
Das Thema er­gibt sich fast immer, wie von selbst, da die wirk­lich in­ter­es­san­ten Grup­pen ja seis­mo­gra­fisch spie­geln, was ge­ra­de die ge­sell­schaft­li­che At­mo­sphä­re oder was ein Brenn­punkt ist. Wie ein Pris­ma, worin sich alles, was im Mo­ment so im Gange ist, spie­gelt.

Pia Strick­ler:
Ich finde den Titel sehr span­nend, weil er so­fort bei mir As­so­zia­tio­nen aus­löst mit dem Rol­len­be­griff. Ei­ner­seits also: Was ist Rolle? Was ist echt? Was ist die Rolle auf dem Thea­ter, auf der Bühne? Was ist die Rolle im Leben? Also auch so­zio­lo­gi­sche As­pek­te spie­len da rein. Und das zwei­te, was auch am In­sti­tut immer wie­der ein wich­ti­ger Ge­gen­stand ist: Was ist ei­gent­lich Thea­ter? Also wel­che Rolle ist eine Rolle, wo man sagen kann: das ist jetzt Thea­ter? Und wel­che Rolle ist eine Rolle, wo man das nicht so klar sagen kann? Ich mein zum Bei­spiel die Dis­kus­si­on um so Ge­schich­ten wie Se­cond Life oder Chat­si­tua­tio­nen im In­ter­net. Diese Grenz­zo­nen. Ges­tern zum Bei­spiel wurde das mehr­schich­tig the­ma­ti­siert, in der Auf­füh­rung von „Glau­be, Liebe, Hoff­nung", von Frank Abt.

Alex­an­der Khuon:
Es gibt ja auch die Ri­mi­ni Pro­to­kol­le, die mit Laien ope­rie­ren, statt mit Schau­spie­lern. Aber was der Frank Abt da macht, das ist was ganz Ei­ge­nes, weil es keine er­fun­de­nen thea­tra­len Texte, keine Phan­ta­sie­ge­bil­de sind, die sich auf die Rea­li­tät be­zie­hen, son­dern von der Spra­che und der Bio­gra­fie her total reale Hin­ter­grün­de.

Bern­hard Mi­kes­ka:
Mein über­nächs­tes Pro­jekt ist über Ru­mä­ni­en­deut­sche aus Sibiu, aus Her­mann­stadt. Da wird es ähn­lich sein. Da gibt es auch keine Vor­la­gen. Wir ma­chen eine Re­cher­che, ler­nen Leute ken­nen und in­ter­view­en sie, wor­aus dann zu­sam­men mit dem Autor Fi­gu­ren ent­ste­hen wer­den.

Ich finde so­wie­so, dass die Schau­spie­ler ei­gent­lich nicht 'Fi­gu­ren spie­len' soll­ten. So tun, als ob sie je­mand wären. Das hat mich ja auch zu dem Eins-zu-eins-Thea­ter ge­bracht, weil ich das ei­gent­lich nicht mehr sehen kann, wenn je­mand auf­tritt, ein Kos­tüm an hat und be­haup­tet er ist Herr Pla­to­nov und man aber merkt, dass er je­mand an­de­res ist. Ich will, dass eine Figur so glaub­haft wird, dass wenn ich ihr un­mit­tel­bar ge­gen­über sitze, und sie nicht nur höre, son­dern im Ex­trem­fall auch rie­che, dass ich da rein­ge­zo­gen werde und nicht mehr dar­über nach­den­ke, ob da was ge­spielt wird. In dem Mo­ment, wo ich einem Men­schen eins zu eins ge­gen­über sitze bin ich ei­gent­lich Teil der Szene und sehr damit be­schäf­tigt die Si­tua­ti­on wahr­zu­neh­men.

Alex­an­der Khuon:
Ich emp­fin­de das Schau­spie­len gar nicht als Fake, son­dern wie eine Tie­fen­boh­rung. Manch­mal gehen ja Türen auf der Bühne auf, die man pri­vat, aus wel­chen Grün­den auch immer, gar nicht auf­sto­ßen kann. Es ist eine ab­so­lut le­bens­na­he und mit der Rea­li­tät kon­fron­tier­te Sache, darum ringt man ja immer, das Hier und Jetzt. Man ist in dem Mo­ment und in die­sem Raum, und es wird nie wie­der so sein.