Der Rest ist Schweigen

Wie schlimm steht es um den "Deutschen Theaterpreis DER FAUST"?


Eigentlich sollte hier etwas anderes stehen. Eigentlich sollte hier ein Artikel stehen, der sich aus medienwissenschaftlicher Sicht mit der Verleihung des Deutschen Theaterpreises DER FAUST im vergangenen Jahr auseinandersetzt. Genauer gesagt nicht nur mit der Verleihung aus diesem Jahr, sondern insbesondere auch mit den drei Vorjahren, also seit dem Bestehen dieses einzigen nationalen Theaterpreises. Ich hätte ihn dann zum Beispiel betitelt mit "DER FAUST – Eine medienwissenschaftliche Analyse".

In einer Untersuchung wollte ich herausfinden wie sich der doch noch relativ junge Preis in Zeiten weitreichender Kürzungen und stagnierender Besucherzahlen behauptet: Wie hat sich diese Veranstaltung in den vier Jahren ihrer Existenz geschlagen? Wie sah und sieht die mediale Präsenz aus? Wie die Besucherzahlen und Einschaltquoten? Wie das Echo der Theaterszene selbst und natürlich auch der Presse? Und selbstverständlich: Wie sieht die Entwicklung innerhalb der Zusammenarbeit mit den Medienpartnern aus? Nicht zu vergessen die unterschiedlichen Sponsoring-Partner! Was sind und waren die Werbestrategien, Pläne und Ideen der Veranstalter selbst, welche Konzepte verfolgen sie?

Aus dieser Untersuchung sollte sich ein Gesamtbild ergeben, welches vielleicht einen Kontrast zur Lage des Theaters in Deutschland hätte bilden können. Zumindest hatte ich mir das erhofft, denn die Verleihung selbst versucht sich in einem Gefühl von Aufschwung zu inszenieren. Gleichwohl in fast jeder Laudatio, die anscheinend wahre Lage zur Sprache kommt.


Die Eins-zu-Eins-Kopie der Pressemeldung


Was ich also nun gebraucht hätte, wären Informationen von der Art, wie man sie nicht aus der Presse bekommt. Zumal die meisten Meldungen zur 4. Preisverleihung am 28. November 2009 sowieso einer Eins-zu-Eins-Kopie der, vom Deutschen Bühnenverein und der Barbarella Entertainment GmbH herausgegebenen Meldung, in der Pressemappe entsprachen. Meine benötigten Informationen, die in etwa den bereits genannten Fragen entsprachen, sollte ich doch mit Leichtigkeit, so dachte ich, von den Verantwortlichen selbst bekommen. Als junger Mensch, dazu noch Student. Somit bin ich selbst doch einer, der beworben werden muss, wenn das Theater eine Zukunft haben will. Jeder noch so kleine Sportverein hat dieses Prinzip schon seit Jahren auf seiner Charta. Dazu noch wollte ich einen wissenschaftlichen Text schreiben! Da sollte doch jede Sekretärin vor Freude schreiend mit Pressespiegeln und Datenblättern nur so um sich werfen!

Ich schrieb also alle Verantwortlichen, samt Medienpartnern an. Je nach Bedarf mit unterschiedlichen Fragestellungen, allen jedoch das Konzept meines Artikels erklärend.

Zusätzlich schrieb ich eine Plattform an, die sich mit Theaterforschung beschäftigt. Die sollten doch auch schon etwas in der Richtung gemacht haben.

Drei Monate, etliche sinnlose aber freundliche Telefonate, Verweise auf andere Zuständige und vier leere Versprechungen später sitze ich an meinem Artikel. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Alle Verantwortlichen und Beteiligten der Veranstaltung, schickten mich im Kreis umher. Die zwei wichtigsten Akteure und Hauptverantwortlichen des Preisverleihung-Spektakels machten mir leere Versprechungen, mich mit bestimmten Direktoren in Verbindung zu setzen, die mir meine Fragen beantworten, sowie mir die für mich relevanten Pressespiegel, zukommen zu lassen. Der übertragende Kanal hat es nach mehrmaligem Erinnern meinerseits und dann Versprechen seinerseits, immer noch nicht geschafft, mir die Einschaltquoten zukommen zu lassen. Eine Institution verwies auf die andere und stets wurden mir zunächst große Versprechungen gemacht. Die Institution für Theaterforschung erklärte mir, dass sie nur mit Internetrecherche arbeite (was, nebenbei bemerkt, etwas blamabel ist, wenn man den Begriff Forschung im Namen trägt) und zur genannten Veranstaltung keine Ergebnisse vorliegen. Aha.


Kinderschuhe?


Was ist der Grund für dieses Vorgehen?

Es könnte zum einen einfach sein, dass der Theaterpreis noch zu jung ist. Die richtigen Kommunikationswege funktionieren noch nicht, der Eine weiß nicht was der Andere tut. Eben wie in einer jungen Firma, die noch in ihren Kinderschuhen steckt. Dagegen sprechen würde aber, dass wohl auch die teilnehmenden Unternehmen irgendwie wirtschaftlich arbeiten müssen und dafür muss der Eine eben doch wissen was der Andere tut. Letztendlich wird dort auch von Förder-, also Steuergeldern, profitiert und dann wäre es schlicht unverantwortlich, in dieser Form zu arbeiten. Auf jeden Fall würde es dann einer genaueren Kontrolle der Gelder bedürfen.

Es wäre aber noch etwas denkbar: Vielleicht besteht auch kein Interesse daran, solche Daten und Informationen nach außen dringen zu lassen? Vielleicht würde es einfach zu schlecht aussehen, das Gesamtbild, welches sich daraus ergäbe.

Wenn es aber so schlecht steht, warum dann überhaupt der Preis? Als letzter Rettungsanker? Pathetisch auf dem untergehenden Deck der Titanic stehen und noch einmal sagen: "Meine Herren, es war mir eine Ehre mit Ihnen gespielt zu haben?" Nach eigenen Angaben soll er ja schließlich auf die deutsche Theaterlandschaft aufmerksam machen, was natürlich auch heißt, dass ein Bedarf an mehr Aufmerksamkeit besteht. Da muss man sich nichts vormachen. Dass es nicht gut steht um die Theaterlandschaft ist aber nichts Neues. Also kann letztlich nur vermutet werden, dass eben auch diese Verleihung an sich keine Erfolgsgeschichte ist, sondern ihren selbst gesetzten Anspruch nicht erfüllen kann.

Wenn keine Untersuchung erlaubt ist, sondern nur ein nettes Abendambiente für die Presse (denn akkreditiert wurde ich für die Verleihung), dann wirkt dies etwas widersprüchlich. Zumal es ebenfalls aufgrund der Fördergelder, die von den jeweiligen Ländern und den dort lebenden Menschen kommen, unverantwortlich wäre.

Letztlich bleiben mir nur die Vermutungen und der gewachsene Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Veranstaltung.

"Haben Sie Fragen zum Deutschen Theaterpreis?" (Zitat: buehnenverein.de) - Fragen Sie besser nicht!


Rettungsanker, Titanic, Twitter