Keine Stadt in Deutschland kann auf ein Kinder- und Jugendtheater verzichten! Auch die Stadt Halle an der Saale nicht!

Offener Brief des Vorsitzenden der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und
Jugendliche, ASSITEJ e.V., Prof. Dr. Wolfgang Schneider, und des Leiters des Kinder- und
Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Gerd Taube, an die
Oberbürgermeisterin der Stadt Halle (Saale), Dagmar Szabados, an den Geschäftsführer der
Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Rolf Stiska, sowie an die Vorsitzenden der im
Stadtrat Halle (Saale) vertretenen Fraktionen.

Der Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle hat beschlossen, eines der
traditionsreichsten Kinder- und Jugendtheater Deutschlands zu schließen. Der Beschluss,
das Thalia Theater Halle im Falle eines Scheiterns der Haustarifverhandlungen zum 31. Juli
2011, bedarf des vehementen Widerspruchs.

Die konzeptionell begründete und auf langjährigen Erfahrungen beruhende Theaterarbeit für
Kinder- und Jugendliche, wie sie das Thalia Theater als eines der traditionsreichsten Häuser
dieser Sparte in Deutschland leistet, kann nicht durch einen bloß quantitativen Ausgleich von
Vorstellungsangeboten für Kinder und Jugendliche in anderen Sparten ersetzt werden.
Die finanziellen Probleme der Theater, Oper und Orchester GmbH sollen, so scheint es,
kurzfristig dadurch gelöst werden, dass die Interessen der Beschäftigten des Theaters gegen
die Interessen der Kinder und Jugendlichen in Halle ausgespielt werden.
Die am 1. Oktober 2010 in einer Betriebsversammlung signalisierte Bereitschaft aller
Beschäftigten der GmbH, über Haustarifverträge zu verhandeln, hat demonstriert, dass sie
das Thalia Theater erhalten wollen und sie dafür sogar zu bezahlen bereit sind. Diese
betriebsinterne Solidarität wird durch den Aufsichtsratsbeschluss, das Thalia Theater bei
einem Scheitern der Verhandlungen zu schließen, konterkariert. Die Bedeutung des Thalia
Theaters als einziges Kinder- und Jugendtheater der Stadt Halle wird dabei nicht
thematisiert.


Wir haben uns bereits in einem Schreiben an die Mitglieder des Aufsichtsrates gewandt und
ihn aufgefordert, das Thalia Theater als Sparte Kinder- und Jugendtheater innerhalb der
Theater, Oper und Orchester GmbH zu erhalten und darauf hingewiesen dass es dringend
notwendig sei, ein Konzept für die Fortführung der Arbeit des Kinder- und Jugendtheaters
innerhalb der GmbH zu entwickeln. Sowohl die ASSITEJ als auch das Kinder- und Jugendtheaterzentrumhaben dabei ihre Unterstützung und Beratung angeboten. Die Mitglieder des
Aufsichtsrates haben auf dieses Angebot nicht reagiert und sich unsere Argumentation
offensichtlich auch nicht zu Eigen gemacht.


In einem Land, in dem Kulturelle Bildung fortwährend als zentrales Element von kultur- und
bildungspolitischen Konzepten beschworen wird, muss die Diskussion um die Zukunft eines
Kinder- und Jugendtheaters kultur-, bildungs- und sozialpolitischen Argumenten folgen und
darf nicht zu einer Notoperation aufgrund fehlender finanzieller Mittel führen.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Dr. Gerd Taube

ASSITEJ e.V. Kinder- und Jugendtheaterzentrum
in der Bundesrepublik Deutschland

Kontakt: ASSITEJ e.V. und Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland,
Schützenstraße 12, 60311 Frankfurt am Main, www.assitej.de; www.kjtz.de