Mecklenburg-Vorpommerns Theaterlandschaft in der Diskussion

Die Diskussion um Mecklenburg-Vorpommerns zukünftige Theaterlandschaft ist in vollem Gang. In der Schweriner Volkszeitung berichtet Philip Schroeder vom Stand der Diskussion:

"Eine vorhersehbare Katastrophe" - so nennt Joachim Kümmritz, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, das Theater-Modell Nummer 4, in dem jeweils eine "Landesoper" für Mecklenburg und Vorpommern zuständig sein soll. Zu kompliziert seien Logistik und Programmplanung. In Schwerin sind sich das Theater und sein Träger Stadt einig: "Für die Landeshauptstadt kommt weiterhin nur das Staatstheater-Modell unter Landesbeteiligung infrage. Es ist das kleinere Übel, denn Schwerin ist Leuchtturm", sagten Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) und Kümmritz unisono. weiter

Die Hintergründe werden hier knapp zusammengefasst.

In seinem Kommentar fragt Max-Stefan Koslik: Und mal ehrlich, braucht dieses Land zwei Staatsopern? Man muss sich doch nur die Zuschauerzahlen ansehen, dann dürfte ein einziges solches Haus schon zu viel sein. Auch wenn mit dem Begriff „Oper“ nicht das Genre allein sondern die Fusion der Orchester und Musiktheater aus Schwerin und Rostock einerseits und aus Stralsund/Greifswald und Neubrandenburg/Neustrelitz andererseits gemeint ist. Nein, zwei Staatsopern kann sich nur ein reiches Mecklenburg-Vorpommern leisten, da muss man nicht lange überlegen. mehr

Erklärung der Regionalgruppe M-V der KuPoGe: Strukturwandel mit Augenmaß

Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Theater und Orchester im Land und die Lage der Kultur im Land sind für die Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. (KuPoGe) Grund, sich an Politik, Verwaltung und Kultureinrichtungen zu wenden. Wir veröffentlichen ihre Stellungnahme.

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Thalia-Intendant Joachim Lux. Schuld und Bühne

Kein deutscher Theatermacher trimmt sein Haus so auf Wirtschaftlichkeit wie Thalia-Intendant Joachim Lux - und trägt dabei auch noch reihenweise Ehrungen nach Hause. Ein Gespräch über Subventionen und Untergangsapostel in der Financial Times Deutschland.

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Die ungewollte außerparlamentarische Opposition

„Heart of the City – Recherchen zum Stadttheater der Zukunft" erschien 2011 als sogenanntes Arbeitsbuch der Zeitschrift Theater der Zeit. Die Herausgeber Josef Mackert, Heiner Goebbels und Barbara Mundel haben eine thematisch vielfältige, aber in der Aussage beeindruckend einheitliche Sammlung von ambitionierten Beiträgen zusammengestellt. Der gemeinsame Apell aller Aufsätze, sei es in Form eines „Plädoyers für ein nomadisches Gegenwartstheater" (Carena Schlewitt) oder der „interkulturellen Öffnung des Theaters" (Mark Terkessidis), lautet: Diversität ist der Schlüssel zum Stadttheater der Zukunft! Matthias von Hartz pointiert in dem polemischsten Artikel des Heftes die damit einhergehende Kritik am eben nicht-diversen, patriarchalischen und fortschrittsfeindlichen Stadttheater mit der These, das zwar neunzig Prozent der öffentlichen Theatergelder in Deutschland ins Stadt- und Staatstheatersystem investiert würden, neunzig Prozent der Innovationen hingegen aus der Freien Szene oder dem Ausland kommen würden. Und dass sogar, so Hartz, die „Logik der Institution" sich automatisch mehr um ihr eigenes Fortbestehen als das Fortbestehen von Theater überhaupt kümmern würde. Dieser vieldiskutierte und –kritisierte Artikel war der erste der Reihe „Debatte um die Zukunft des Stadttheaters" auf nachkritik.de, die mittlerweile sieben Teile umfasst.

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"Mal watt ganz anderes!" Erfahrungen im Umgang mit Stadttheater und Freier Szene und die Sehnsucht nach einem schönen Grau

Das Theater Festival Impulse hat mit seinen neuen Konzepten und der Radikalisierung seiner Einladungspraxis durch Arbeiten, die den Theaterbegriff sehr weit fassen und den Blick über den deutschsprachigen Raum hinaus heben, die Perspektive auf die Freien für mich neu justiert. Denn die von Tom Stromberg und Matthias von Hartz und ihren Jurys nach Nordrhein-Westfalen geholten Produktionen haben meiner Meinung nach das gesamte Theater auf sein Innovationspotenzial hin überprüft. Damit ist das Fes tival, vielleicht mehr noch als in den Jahren zuvor, zu einem Seismografen für künstlerische Entwicklungen der darstellenden Künste insgesamt geworden.

Und da stellt man dann eben fest, dass die städtischen Bühnen zumindest als Aufführungsort plötzlich lukrativ werden. Denn zweifelsohne ist bemerkt worden, dass in die künstlerische Praxis der Stadttheater Bewegung gekommen ist. Und das liegt auch an einer vielfältigen Freien Szene, die durchschlagende, künstlerische Veränderungen in Gang gesetzt hat. Und die sich vor allem nicht scheut, mit oder im Stadttheater zu arbeiten. Damit einher gingen Ausbildungskonzepte an Universitäten, die Theater nicht länger als eine ausschließlich auf dramatischem Text basierende Aufführungspraxis in einer Guckkastenbühne vermitteln. Absolventen aus Studienorten wie Gießen oder Hildesheim finden sich mittlerweile an Positionen, in denen nicht nur das ästhetische Verständnis von Theaterarbeit beeinflusst werden kann, sondern auch die Struktur der Produktionsstätten. So bekommen immer mehr Stadttheater frischen Wind. Der schwarzweißmalerische Konflikt zwischen der Institution und den Freien wird zu einem schönen Grau. Denn die Wiederholung des Immergleichen, egal ob in der Freien Szene oder am Stadttheater, musealisiert das Theater. Erst neue Wege, ich glaube, es werden in Zukunft immer häufiger gemeinsam zu beschreitende sein, geben Impulse.


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Mit freundlicher Genehmigung von Theater der Zeit