"Mal watt ganz anderes!" Erfahrungen im Umgang mit Stadttheater und Freier Szene und die Sehnsucht nach einem schönen Grau

Das Theater Festival Impulse hat mit seinen neuen Konzepten und der Radikalisierung seiner Einladungspraxis durch Arbeiten, die den Theaterbegriff sehr weit fassen und den Blick über den deutschsprachigen Raum hinaus heben, die Perspektive auf die Freien für mich neu justiert. Denn die von Tom Stromberg und Matthias von Hartz und ihren Jurys nach Nordrhein-Westfalen geholten Produktionen haben meiner Meinung nach das gesamte Theater auf sein Innovationspotenzial hin überprüft. Damit ist das Fes tival, vielleicht mehr noch als in den Jahren zuvor, zu einem Seismografen für künstlerische Entwicklungen der darstellenden Künste insgesamt geworden.

Und da stellt man dann eben fest, dass die städtischen Bühnen zumindest als Aufführungsort plötzlich lukrativ werden. Denn zweifelsohne ist bemerkt worden, dass in die künstlerische Praxis der Stadttheater Bewegung gekommen ist. Und das liegt auch an einer vielfältigen Freien Szene, die durchschlagende, künstlerische Veränderungen in Gang gesetzt hat. Und die sich vor allem nicht scheut, mit oder im Stadttheater zu arbeiten. Damit einher gingen Ausbildungskonzepte an Universitäten, die Theater nicht länger als eine ausschließlich auf dramatischem Text basierende Aufführungspraxis in einer Guckkastenbühne vermitteln. Absolventen aus Studienorten wie Gießen oder Hildesheim finden sich mittlerweile an Positionen, in denen nicht nur das ästhetische Verständnis von Theaterarbeit beeinflusst werden kann, sondern auch die Struktur der Produktionsstätten. So bekommen immer mehr Stadttheater frischen Wind. Der schwarzweißmalerische Konflikt zwischen der Institution und den Freien wird zu einem schönen Grau. Denn die Wiederholung des Immergleichen, egal ob in der Freien Szene oder am Stadttheater, musealisiert das Theater. Erst neue Wege, ich glaube, es werden in Zukunft immer häufiger gemeinsam zu beschreitende sein, geben Impulse.


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Mit freundlicher Genehmigung von Theater der Zeit

Provinz - Publikum - Persönlichkeiten

In der Grenzstadt Konstanz ist das älteste Stadttheater Deutschlands immer schon Verhandlungsort gesellschaftlicher und politischer Strukturen. Der Sammelband zum 400jährigen Bestehen des Theaters Konstanz ist keine einheitliche Abhandlung der Historie des Hauses oder der ästhetischen Schwerpunkte der einzelnen Etappen, sondern vielmehr ein Sammelband, der Zeitzeugen, Experten und Begleiter des Theaters zu Wort kommen lässt. Fotos und Zeichnungen aus den vier Jahrhunderten des Theaters, eine nahezu komplette Auflistung des Spielplans und persönliche Anekdoten der Beteiligten - von der Garderobenfrau zum Intendanten - rahmen die verschiedenen Beiträge. Als Stadttheater steht dabei stets die Verknüpfung von Stadt- und Theatergeschichte im Mittelpunkt.

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Klein und kraftvoll - 20 Jahre Theater der Stadt Aalen

Während Anfang bundesweit die Kulturetats gekürzt werden, gründet sich 1991 in einer Stadt in der schwäbischen Provinz ein neues Theater mit eigenem Ensemble. Von den stürmischen Anfängen bis zu den aktuellen Entwicklungen des Stadttheaters Aalen berichtet nun ein reich bebilderter Jubiläumsband. Das von Schauspieler und Autor Stefan Keim herausgegebene, knapp hundert Seiten starke Buch ist vor allem eines: Chronik des Aufstiegs eines Ausnahmetheaters.

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Die Kunstfreiheit der Anderen - Blackfacing in Berlin

"In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus" ist der erste Satz des Statements von Dieter Hallervorden, den er anlässlich des kontrovers diskutierten Theaterstücks "Ich bin nicht Rappaport", welches im Schlosspark Theater im Januar 2012 Premiere hatte, äußert. Das Theaterstück "I am not Rappaport" des amerikanischen Autors Herb Gardner spielt im New Yorker Central Park und handelt von zwei älteren Herren, ein jüdischer Amerikaner und ein Afroamerikaner, die sich auf einer Parkbank über ihre gemeinsamen Erfahrungen des Alterns austauschen und im Laufe des Stückes anfreunden.

Die Plakate, die im Vorfeld der Premiere in Berlin ausgehängt waren, zeigen Dieter Hallervorden mit seinem allseits bekannten "Blödelgesicht" und einen schwarz-geschminkten Joachim Bliese mit einem ebenfalls "dämlichen" Gesichtsausdruck und weit aufgerissenen Augen. Bereits im Dezember hagelte es beim Schlosspark Theater empörte Briefe, die dann im Januar vor allem über die Facebook-Seite des Schlosspark Theaters zu einer wahren Flut der Empörung ausuferten. Die Kritik bezog sich auf das theatrale Stilmittel des "Blackfacing", also des Schwarzschminken des weißen Darstellers und die damit verbundene kulturelle Konnotation der rassistischen Maskerade, die am ausgeprägtesten in den Minstrel Shows des 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten vorzufinden war.

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Aufhören! Schluss jetzt! Was Neues!

Wer wird Intendant am Gorki-Theater? Jetzt wird mit dem besten Kandidaten verhandelt: Nicolas Stemann.

Machen wir uns kurz die Situation klar: Die Hauptstadt hat fünf Stadttheater. Die Unterschiede zwischen den Häusern sind groß – Frank Castorfs Volksbühne und Claus Peymanns Berliner Ensemble bewohnen, ästhetisch gesehen, verschiedene Theaterplaneten. Aber alle Häuser folgen demselben Stadttheatermodell: Man kümmert sich, mehr oder weniger, um die Klassiker, spielt ein bisschen Romane oder Filme, giert nach Uraufführungen und hat allenthalben Not, Frieden unter den Ensemblemitgliedern zu wahren. Und alle leiden zusehends an Schnappatmigkeit: In ziemlich kurzer Zeit werden ziemlich viele Premieren herausgebracht, weil man erstens glaubt, das Publikum wolle mit immer Neuem gefüttert werden und man zweitens hofft, so schneller auf die Pulsschläge der Zeit reagieren zu können. Allseits herrscht zudem die Furcht vor Subventionskürzungen und ein seltsamer Selbstlegitimationsdruck. Aufs Ganze gesehen kommt einem das Stadttheater mitunter wie ein Zwangsapparat vor. Man muss es deshalb nicht in Bausch und Bogen verdammen, jedes Stadttheater hat seine Berechtigung. Aber es ginge in Einzelfällen auch anders.

An diesem Punkt kommt das Maxim-Gorki-Theater ins Spiel. Es ist das kleinste der Hauptstadthäuser. Seitdem Armin Petras hier 2006 Intendant wurde, hat es sich in einen jugendherbergshaften Überbietungswettkampf begeben: noch schnappatmiger, noch mehr Premieren in noch kürzerer Zeit als alle anderen...

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