Veranstaltungshinweis: Symposium Kunstvernetzung oder die Kunst der Vernetzung - 31.Januar 2012 - LOFFT Leipzig

Symposium  Kunstvernetzung oder die Kunst der Vernetzung - 31.Januar 2012 - LOFFT Leipzig - Programm

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Ein Stadttheater der Zukunft - Das neue Theaterhaus Jena arbeitet am Modell

„Wir brauchen ein Modellhaus in Deutschland, das anders als die gängigen Theater funktioniert. Kein Stadttheater mit einer Nebenspielstätte für das Besondere, keine weitere freie Spielstätte mit zu wenig Geld – sondern ein starkes Haus." fordert Freie-Szene-Kurator Matthias von Hartz im Arbeitsheft von Theater der Zeit „Heart of the City". Das kleine Theaterhaus Jena, gerade erst zwanzig geworden, hat seit der Spielzeit 2011/2012 ein neues Leitungsteam, das mit Goethes „Urfaust" am 24. November 2011 seinen Einstand feierte. Ist es da zu viel verlangt, das „starke Haus" im Sinne des Freie-Szene-Kurators von Hartz zu sein? – Das Theaterhaus hat gerade auf struktureller Ebene eine experimentelle, „anarchistische" Tradition, stelltw Egberth Tholl am 30.11.11 in der Süddeutschen Zeitung heraus. Aus finanzieller Not wurde in den 90ern ein Gesellschafter-Modell entwickelt, das mit einer basisdemokratischen Orientierung auch in künstlerischen Fragen einherging. Die neue fünfköpfige Künstlerische Leitung, in der keiner älter als 30 ist, knüpfe nun, so Tholl, an die „anarchistischen Anfangszeiten an".

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Under Construction - Theater sind Kunstorte, die sich immer wieder neu definieren müssen. Ein Plädoyer für den Umbau des Theaters zum Laboratorium

Das Jahr 1970 führte den Kopiergerätehersteller Xerox Corporation in eine tiefe Krise. Der Patentschutz für sein wichtigstes Verfahren, die Xerograie, lief ab, und man fürchtete, wesentliche Marktanteile an die japanische Konkurrenz zu verlieren. Um die Vormachtstellung im Bereich Bürotechnologie zu behalten, musste Xerox neue Technologien entwickeln und ging dazu einen un- gewöhnlichen Weg: Das Unternehmen engagierte eine Gruppe junger Wissenschaftler und richtete für sie mit dem Palo Alto Research Center eine Art Forschungspark ein. Die Idee dieses Laboratoriums war, dass jeder der jungen Wissenschaftler ohne Vorgaben seine Ideen frei entwickeln konnte – in einer Atmosphäre des Austauschs und der Kollaboration: „Die Atmosphäre war wie elektrisiert, es herrschte totale Freiheit. Es gab keinen gesunden Menschenverstand, fast jede Idee wurde als Herausforderung angesehen und regelmäßig hinterfragt." (John Warnock). Der Fehler: Das Management von Xerox griff von den zahlreichen Erfindungen, die dort gemacht wurden, nur jene auf, die etwas mit Fotokopieren zu tun hatten, vor allem die Ideen des Laser- und des Farbdruckers. Andere Ideen wie Prototypen für graische Benut-zeroberlächen, das Konzept tragbarer Computer, Videobearbeitungssoftware und die Maus wurden nicht weiterentwickelt. Gäste von außen, die in das Labor eingeladen wurden, wie Steve Jobs oder Bill Gates, nahmen diese Ideen auf, transformierten sie zu ihren eigenen und entwickelten sie zur Marktreife. Xerox hingegen war zu fixiert auf seine eigenen Produkte und dadurch nicht in der Lage, das Potenzial der Erindungen einzuschätzen.

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Ein Dank, der es in sich hat - Stephan Kimmigs Dankesrede anlässlich der FAUST-Preisverleihung

Stephan Kimmig erhielt den FAUST für seine Regieleistung bei „Kinder der Sonne" am Deutschen Theater Berlin. Seine Dankesrede drucken wir hier in ganzer Länge – einschließlichlich des zweiten Teils, den Kimmig aus Zeitgründen bei der Feier nicht vorgetragen hatte.

Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung! Wir, das sind die Schauspieler, das Team und das Theater. Seit diesem Sommer versucht man mal wieder das deutsche Stadttheater anzugreifen – es bekomme 90 Prozent des Geldes im Vergleich zur Freien Szene, bringt aber nur 10 Prozent der Innovations- leistung... Und dann wird auch wieder die Abschaffung von Ensemble und Repertoire propagiert: Man findet das alles einen alten Zopf; das Stadttheater müsse befreit werden von seinen scheinbar verkrusteten Strukturen, die ja auch gar kein kreativ-künstlerisches Arbeiten er- möglichen, also Innovation verhindern etc.

Dazu ein paar Sätze: Auf dem Gebiet der emotionalen Verortung von Text und Sprache und dem, was dazwischen liegt, das Rauschen und die Stille, leistet der Schauspieler heute an vielen Stadttheatern einen permanenten Innovationsbeitrag innerhalb dieses großen Raumes: Sprache-Emotion-Denken. Welches Tempo, welchen Rhythmus muss ich heute investieren, wenn man Bruch für Bruch, Schicht für Schicht, Detail für Detail in ungesicherte Denk- und Emotionsräume geht, – dabei nicht die Transparenz nach außen vergisst, auch in den roten Bereich hineinarbeitet, über die 100 Prozent geht, in den Bereich, wo's schmutzig und dreckig wird – vom Humor in die Melancholie, von der Depression an die Oberfläche springt. So sollen Denkräume der Ambivalenz entstehen, mit ihrem Chaos aus aggressiven Zerstörungsenergien, Sehnsucht, Wut und Lust. Und wie kann man das heute alles zeigen, ohne Kitsch, Pathos, Gefühlsschwurbelei, Künstlichkeit oder Kapitulation, also dem Gar-nix-mehr- zeigen? Und wie geht das, dieses Extrem-Scharfstellen des Spielers und des Spielens? Und damit kein Missverständnis entsteht; das muss jetzt nicht laut sein, das kann auch ganz leise vonstatten gehen, und dann brüllt eben die Stille. Man muss ja auch immer mitdenken, auf dem Theater sieht man die Entstehung eines Moments, und die Zerstörung des Moments, – man sieht den Aufstieg und Fall eines Augenblicks; also absolut verschärfte Bedingungen für den Theaterschauspieler. Bei uns in Deutschland sind die Ensembles der Stadttheater ein Ort, an dem die nötige Arbeit für das Spielen heute getätigt wird und der entscheidende Faktor für die Zuschauer- Bindung, das Zuschauerinteresse. Denn die Städter wollen ihre Schauspieler sehen und kennenlernen und mit ihnen Zeit verbringen.

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Der„Faust“ 2011 – Der Tragödie erster Teil

Der „Faust" ist aus. Was bleibt, sind die Preisträger_innen und ihre üblichen (Dankes-)Reden und Glückwünsche. Positionierungen in kulturpolitischen Diskursen blieben dagegen die Ausnahme in der Veranstaltung zum Theaterpreis „Faust", den das Feuilleton gerne leicht verächtlich als „Oscar der deutschen Theaterwelt" tituliert. Draußen campte die Occupy Bewegung und drinnen verlieh man Edelmetall in Wagner-Kulisse. Die Chance, den Rahmen eines derartigen Treffens auch als Diskursplattform für kulturpolitische Fragestellungen zu begreifen, wurde wieder einmal verschenkt.

Dabei bot der Preis durchaus Anlässe, um über Theaterpolitik zu streiten. Die scheidenden Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, die forderte, dass das Theater ästhetisch mehr wagen und lieber „grandios scheitern" als im „Mittelmaß enden" solle, könnte man zum Beispiel mit der Frage begegnen, wie das möglich sein soll, wenn die Theater gleichzeitig dauerhaft um ihre Gelder bangen müssen und jeder nicht verkaufte Platz die Freiräume für Experimente beschneidet.

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