Geballter Faust - Glosse

Kürzlich in einer Münchner Inszenierung stellten sich die Figuren auf der Bühne einander vor: alles große Tenöre, Dirigenten, Regisseure. Schließlich deutete einer ins Publikum und fragte: "Und wer ist das?" Die Antwort: "Eine weltberühmte Zuschauerin."

Am Samstag in der Frankfurter Oper, bei der sechsten Verleihung des Theaterpreises Der Faust, den der Deutsche Bühnenverein mit der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergibt, gratulierte sich zur Abwechslung nicht nur die Branche. Sie zeichnete auch eine weltberühmte Zuschauerin aus - Erika Fischer-Lichte, Theaterwissenschaftlerin und Autorin von "Die Semiotik des Theaters". Darin beschreibt sie den Bühnenraum als hochtourig laufende Zeichenmaschine und den idealen Betrachter als Sherlock Holmes: Er entschlüsselt und horcht zugleich aufs Geheimnis.

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Die Kunst der Kompromisslosigkeit. Fragen an die Darstellende Kunst bei den Hessischen Theatergesprächen in Marburg

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim ist ein Ort, an dem sich Theorie und Praxis die Hand reichen. Deshalb initiierte Prof. Dr. Wolfgang Schneider zusammen mit dem Marburger Intendanten Matthias Faltz und dessen Chefdramaturgen Alexander Leiffheidt die Hessischen Theatergespräche im Landestheater Marburg. Nichts weniger als das Theater unserer Gegenwart stand zur Debatte, und es bemühten sich verschiedene Experten um Antworten.

Zum ersten Gespräch der ersten Spielzeit unter neuer Leitung trafen sich die Vertreter der freien Spielstätten im Landestheater mit dem frischgebackenen Intendanten, welcher selbst den Großteil seiner Karriere Teil der freien Theaterszene war. Auf dem Podium saßen Angelika Sieburg, Landesverband Freier Theater Hessen, Rolf Michenfelder, „german stage service" und Gero Braach, Kulturladen KFZ, in Marburg. Solche Konkurrenz belebt das Geschäft, möchte man meinen, doch die Marburger schätzen verlässliche Partnerschaften mehr als das Wildern im fremden Revier. Mehr Theater, vor allem mehr unterschiedliches Theater, nützt allen und das lässt sich nur erreichen wenn es gelingt, Theater und Gesellschaft zusammenzubringen. Jeder Kulturträger muss sich mit seinen Mitteln der Stadt anbieten, um gemeinsam gesellschaftlich-relevante Themen aufzugreifen, die über Bühnentheaterproduktionen hinausgehen, davon zeugt die feste Verankerung der Freien Kulturinstitutionen in der Marburger Bevölkerung.

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Alle Jahre - Nie wieder Pro und Contra Weihnachtsmärchen

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland diskutiert passend zur anbrechenden Weihnachtszeit den Sinn und Unsinn des alljährlichen Weihnachtsmärchen. Mit Beiträgen u.a. von Andrea Gronemeyer, Felicitas Loewe und Jürgen Zielinski.

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Wer anders ist, muss mehr zahlen

Farce in dem an Farcen reichen Umsatzsteuerrecht: Für das Finanzamt gehören Theaterregisseure einer ganz anderen Künstlergattung an als beispielsweise Dirigenten, Schauspieler oder Sänger. Die Regisseure müssen daher im Gegensatz zu ihren Bühnenkollegen den vollen Umsatzsteuersatz von 19 Prozent zahlen.

Als vor Unzeiten Robert Lembke im westdeutschen Fernsehen sein Beruferaten "Wer bin ich?" veranstaltete, pflegte er Künstler danach zu fragen, ob sie der reproduzierenden oder der kreativen Spezies angehörten. Diese Unterscheidung ist längst obsolet. Kein Mensch würde heute mehr daran zweifeln, dass Anne-Sophie Mutter oder Bruno Ganz genauso vollwertige Künstler sind wie Michel Houellebecq oder Pierre Boulez. Mit einer prominenten Ausnahme: dem deutschen Finanzministerium. Das nämlich treibt Lembkes feinsinnige Unterscheidung in Sachen Künstler noch einen Schritt weiter. Weshalb für das Ministerium Theaterregisseure zu einer ganz anderen Künstlergattung gehören als beispielsweise Dirigenten, Schauspieler, Sänger.

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Wir sind weder elitär noch autistisch

Früher war mehr Theater, behauptet Abendblatt-Redakteurin Seegers in einer Streitschrift. Eine Replik von Thalia-Intendant Joachim Lux.

Die These, dass das Performative regiert im Theater, möchte ich grundlegend bestreiten. Jedenfalls in Bezug auf das Thalia-Theater. Wir hatten in den vergangenen Monaten Aufführungen wie "Hamlet", "Woyzeck", "Don Carlos", "Nathan" - um nur die Klassiker zu nennen, die beim Publikum funktionieren und auch verstanden werden. Wir sind weder elitär noch autistisch oder arrogant, sondern offen, erlebnishungrig und kommunikativ. Wenn es dennoch gelegentlich Probleme gibt, dann deshalb, weil sich die Sprache der Hochkultur, die unserer Autoren Schiller, Goethe oder Büchner, nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

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