Wer anders ist, muss mehr zahlen

Farce in dem an Farcen reichen Umsatzsteuerrecht: Für das Finanzamt gehören Theaterregisseure einer ganz anderen Künstlergattung an als beispielsweise Dirigenten, Schauspieler oder Sänger. Die Regisseure müssen daher im Gegensatz zu ihren Bühnenkollegen den vollen Umsatzsteuersatz von 19 Prozent zahlen.

Als vor Unzeiten Robert Lembke im westdeutschen Fernsehen sein Beruferaten "Wer bin ich?" veranstaltete, pflegte er Künstler danach zu fragen, ob sie der reproduzierenden oder der kreativen Spezies angehörten. Diese Unterscheidung ist längst obsolet. Kein Mensch würde heute mehr daran zweifeln, dass Anne-Sophie Mutter oder Bruno Ganz genauso vollwertige Künstler sind wie Michel Houellebecq oder Pierre Boulez. Mit einer prominenten Ausnahme: dem deutschen Finanzministerium. Das nämlich treibt Lembkes feinsinnige Unterscheidung in Sachen Künstler noch einen Schritt weiter. Weshalb für das Ministerium Theaterregisseure zu einer ganz anderen Künstlergattung gehören als beispielsweise Dirigenten, Schauspieler, Sänger.

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Wir sind weder elitär noch autistisch

Früher war mehr Theater, behauptet Abendblatt-Redakteurin Seegers in einer Streitschrift. Eine Replik von Thalia-Intendant Joachim Lux.

Die These, dass das Performative regiert im Theater, möchte ich grundlegend bestreiten. Jedenfalls in Bezug auf das Thalia-Theater. Wir hatten in den vergangenen Monaten Aufführungen wie "Hamlet", "Woyzeck", "Don Carlos", "Nathan" - um nur die Klassiker zu nennen, die beim Publikum funktionieren und auch verstanden werden. Wir sind weder elitär noch autistisch oder arrogant, sondern offen, erlebnishungrig und kommunikativ. Wenn es dennoch gelegentlich Probleme gibt, dann deshalb, weil sich die Sprache der Hochkultur, die unserer Autoren Schiller, Goethe oder Büchner, nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

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Gespenster wie wir

Wie darf, wie soll Theater heute sein? Eine Antwort von Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard auf die Streitschrift von Armgard Seegers.

Es geht ein Gespenst um in Deutschland, das Gespenst des dramatischen Theaters. Theater soll und muss Stücke inszenieren, möglichst texttreu und mit Konzentration auf die Entwicklung und Darstellung der Figuren. In einigen Städten, auch hier, gedeiht dieses Gespenst prächtig - und das trotz einer fulminanten Geschichte neuer und internationaler Theaterformen.

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Früher war mehr Theater

Wohin man auch schaut, es regiert die Performance. Oder: Warum es immer weniger Spaß macht, ins Theater zu gehen. Eine Streitschrift.

Man kommt nicht umhin, darüber zu klagen, dass es heute weniger Spaß macht ins Theater zu gehen als, sagen wir, vor zehn oder zwanzig Jahren. Und das hat nichts mit einer Berufskrankheit zu tun, wie sie beispielsweise den Esskritiker ergreift, der sich unmöglich noch darauf freuen kann, das 500. Schnitzel seines Lebens testen zu müssen oder eine weitere Portion zerkochten Gemüses.

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Kunst oder Sozialarbeit? - Das Symposium zum "Heimspiel 2011" fragte im Kunstverein "Wem gehört die Bühne?"

Wie kann man im Angesicht von Geburtenrückgang, Stadtflucht und Zuschauerschwund die Theater füllen? Indem man die Themen aufgreift, die auf der Straße liegen – und das Publikum so authentisch wie möglich an ihrer Inszenierung beteiligt. Unter anderem deshalb haben dokumentarische Rechercheprojekte und Site-Specific-Stücke in Theatern zur Zeit Hochkon- junktur. Auch an der Kölner freien Szene ist das nicht spurlos vorübergegangen.

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