Der Kulturkampf - Müssen Städte wie Flensburg ein Opernhaus haben?

OPERN-PARADIES

In keinem anderen Land gibt es so viele Opernhäuser wie in Deutschland. Von den 560 Musiktheatern, die weltweit existieren, stehen 84 hierzulande. Anders gesagt: Jedes siebte Opernhaus auf der Welt ist ein deutsches. Und in dieser Zahl sind die privat finanzierten Häuser noch nicht einmal enthalten. In der jüngsten statistisch erfassten Spielzeit 2007/08 sahen 4,4 Millionen Menschen 6500 Opernvorstellungen in Deutschland. Acht Prozent der Bevölkerung – auch dies weltweit Spitze – sind regelmäßige Opernbesucher.

Diese Vielfalt ist ein Relikt der deutschen Kleinstaaterei. Der Großteil der Staatsopern geht auf ehemalige Hof- und Residenztheater zurück. Nach dem Ende der Fürstenherrschaft wurden die meisten von ihnen in Staatstheater überführt. Berlin hat gleich drei Staatsopern, München die größte und älteste (gegründet 1657). Die kommunal verwalteten Stadttheater hingegen entstanden zumeist auf private Initiative im 19. Jahrhundert. Viele von ihnen wurden ebenfalls in der Weimarer Republik von den Stadtverwaltungen übernommen.

KOSTEN

Keine Kunst ist so teuer wie die Oper. Der größte Teil der staatlichen Kulturausgaben entfällt auf die Theater; bei denen wiederum sind die Kosten für die Oper der größte Brocken. Der Jahresetat eines Opernhauses schwankt zwischen 6 Millionen Euro an kleineren Häusern (wie Lüneburg oder Annaberg) und mehr als 80 Millionen Euro an großen Bühnen (wie Stuttgart oder München). Die Theater und Opern in Deutschland kosten im Jahr mehr als 2,5 Milliarden Euro, rund drei Viertel davon sind Personalausgaben.

SUBVENTIONEN

Nur knapp 20 Prozent dieser Kosten erwirtschaften die Opernhäuser aus eigener Kraft. So wird jede Eintrittskarte heute mit durchschnittlich 100 Euro subventioniert.

Das »ökonomische Dilemma« der darstellenden Künste bestehe darin, erklärt der Deutsche Musikrat, dass »Produktivitätssteigerungen in ihrem Kernbereich«, also der Bühnendarstellung, »so gut wie unmöglich« seien. Während die Industrie in den vergangenen 200 Jahren immense Produktivitätssteigerungen verzeichnet habe, erfordere die Aufführung einer Oper nach wie vor die gleiche Personalstärke und den gleichen Arbeitsaufwand »wie zum Zeitpunkt ihrer Uraufführung vor 150 oder 200 Jahren«.

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Landesweite Förderstrukturen im bundesweiten Vergleich - eine Studie von Caroline von Sassmannshausen

Die vorliegende Arbeit gibt einen detaillierten Überblick über die Förderstrukturen und –instrumente für Freies Theater (inkl. zeitgenössischer Tanz) auf der Bundes- und der Länderebene sowie in ausgewählten Städte (München, Frankfurt, Wien). Ziel der Studie war die argumentative Unterstützung des DFT Hamburg bei der Neugestaltung des Hamburger Fördersystems. Vor diesem Hintergrund fanden ausschließlich antragsoffene Programme sowohl der direkten als auch der indirekten Förderung (z.B. durch die NRW Kultursekretariate etc.) in den anderen Bundesländern und auf der Bundesebene Berücksichtigung.

Festzustellen ist, dass es derzeit bundesweit kein einheitliches Verständnis von Freiem Theater gibt. Unter dem Etikett des Freien Theaters werden private Theater, freie Spielstätten, freie Gruppen mit und ohne eigene Spielstätte, semiprofessionelles und Amateurtheater gefördert. Entsprechend kann die Studie nur eine bedingte Vergleichbarkeit der unter Vorbehalt zu lesenden Förderzahlen leisten. Was sie jedoch leistet ist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einen aktuellen und sehr detaillierten Einblick in die Förderstrukturen und -instrumente der einzelnen Bundesländer. Somit wird eine Vergleichbarkeit der Fördersysteme möglich. Als Quellen dienten im Internet zur Verfügung stehende Informationen (Förderrichtlinien, Anträge etc.), Presseartikel und vor allem eine Vielzahl an Gesprächen mit zuständigen Akteuren (Ministerien, Verbände, Stiftungen etc.). Damit vermag die Studie nicht nur die gegenwärtigen Förderbedingungen des Freien Theaters in Deutschland transparent zu machen, sondern sie eröffnet der Hamburger Kulturpolitik zugleich die Möglichkeit, das eigene Fördersystem zu einem deutschlandweit herausragenden zu entwickeln.

Zur Studie

Wir danken Caroline von Sassmannshausen und de m Dachverband Freier Theaterschaffender Hamburg e.V für die Zuverfügungstellung dieser Studie.

Darf's ein bisschen weniger sein? - Der Verteilungskampf wird lauter: Auch über Theaterschließungen wird wieder spekuliert

Von Ronald Meyer-Arlt

Das Staatstheater Wiesbaden hat sich an die Redaktionen der Republik

gewandt. Die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verschickte eine

Mail mit einer Stellungnahme des Intendanten Manfred Beilharz zu den

Kürzungsabsichten beim Theateretat in Bonn. Die Stellungnahme von Beilharz,

der vor seiner Tätigkeit in Wiesbaden Intendant in Bonn war, fiel kurz aus.

Er schrieb: „Es darf nicht sein, dass der Theateretat in Bonn weiter

drastisch gekürzt wird. Das Theater, dem unter meinem Nachfolger Klaus Weise

schon enorme Sparanstrengungen auferlegt wurden, darf nicht weiter

kaputtgespart werden. Was soll eine ,Bundes- und Beethoven-Stadt’ Bonn ohne

ein Schauspiel?“

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Bühnenprekariat spielt für die Reichen

Stuttgart - Es ist eine Sternstunde des Freien Theaters: Die Mitglieder des Performancekollektivs She She Pop haben ihre Väter zu Proben von Shakespeares "König Lear" gebeten und einen Abend entwickelt, der einen tiefen Eindruck hinterlässt. "Testament" ist eine künstlerische und persönliche Auseinandersetzung zwischen zwei Generationen. Die drei Herren, die an diesem Abend Anfang Dezember im Berliner HAU auftreten, sind an die siebzig und leben in Stuttgart. Drei Könige, die mit schweren Stiefeln die Bühne betreten. Mit ihren Kindern lesen sie Szenen aus dem Stück und sprechen über Erbe, Werte, über Vergebung und die Zukunft.

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„Von Nichts kommt nichts“ – was macht die Krise mit dem Theater, das Theater mit der Krise? - Das Goethe-Institut zur Theaterszene und Trends

Im Moment, das zeigt ein Blick in die Spielzeithefte der Saison 2010/2011, stehen Autoren, Dramaturgen und Regisseure der globalen Krise abwartend gegenüber. Und das, obwohl sie Staatshaushalte zu ruinieren droht.

Heute wissen wir, was parallel geschah, als die Investmentbank Lehmann Brothers im Herbst 2008 wie ein ertrinkender Renditeschwimmer nach Luft japste. Dem Bankhaus waren mehrere Milliarden spekulierendes Finanzmaterial abhanden gekommen, es versuchte aber immer noch diese „Alles wird gut“-Atmosphäre zu verbreiten. Zu diesem Zeitpunkt deutete die Krise sich zart an, Elfriede Jelinek allerdings schrieb bereits an ihrem Text Die Kontrakte des Kaufmanns, während das sich gerade neu formierende Hamburger Thalia Theater sehr schnell zusammen mit dem Kölner Schauspiel entschied, den Textstrom über global flutende Finanzströme in der Inszenierung von Nicolas Stemann umgehend in den Spielplan zu nehmen.

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