Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der BRD

In diesem Text wird das Kinder und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland vorgestellt. Die Möglichkeiten und die Aktivitäten des Zentrums sowie das detaillierte Programm des Jahres 2006 werden näher erklärt.

 

 

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum ist eine 1989 auf Initiative der bundesdeutschen ASSITEJ vom Bundesjugendministerium geschaffene Einrichtung, die das Kinder- und Jugendtheater in allen Bereichen unterstützen und fördern soll. Rechtsträger ist die deutsche ASSITEJ.

Das Zentrum ist Veranstalter des Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffens , das alle zwei Jahre in Berlin stattfindet.

Es ist Veranstalter des alljährlich im Dezember stattfindenden Frankfurter Autorenforums für Kinder- und Jugendtheater.

Es ist Ausrichter des alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergebenen Deutschen Kindertheaterpreises und Deutschen Jugendtheaterpreises.

Es verfügt über das Archiv und die Bibliothek des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters, sowie das Archiv der internationalen ASSITEJ.

Weitere Informationen erhalten Sie beim
Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland
Schützenstraße 12
D-60311 Frankfurt
Telefon ++49/69/296661
Fax ++49/69/292354
Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Anmerkungen zu aktuellen Schwerpunkten der Arbeit des Zentrums finden Sie im Vorwort zum Programm 2006 von Dr. Gerd Taube.

 

Theater sehen – Theater spielen


Vorwort des Leiters des Zentrums, Dr. Gerd Taube, zum Programm 2006

Das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland erinnert sich nur unvollständig an die wichtige Zäsur seiner Geschichte zu Beginn der siebziger Jahre, als sich – zunächst in Westberlin, dann auch in der gesamten alten Bundesrepublik – das emanzipatorische Kindertheater zu entwickeln begann. Mit der bewussten Abgrenzung vom emanzipatorischen Kindertheater in den achtziger Jahren ging ein ganz wesentlicher konzeptioneller Bestandteil des Kindertheaters verschütt, die Überzeugung nämlich, dass die Rezeption von Theater und die eigene theatralische Produktion der Kinder und Jugendlichen einander bedingen. Mehr noch, dass die Erfahrungen, die Künstler in der Theaterarbeit mit Kindern machen, in den künstlerischen Produktionsprozess zurückfließen können und somit ein wirklicher Dialog zwischen den Machern und ihrem Publikum stattfindet, der sich nicht in theaterpädagogischer Vor- und Nachbereitung erschöpft.

Das role model des deutschen Stadttheaters stand Pate bei der Austreibung theaterspielender Kinder und Jugendlicher aus dem programmatischen Selbstverständnis des professionellen Kinder- und Jugendtheaters. Die Rede ist dabei nicht von den seit den achtziger Jahren boomenden Theaterspielclubs für Jugendliche, die konzeptionell eher parallel zum künstlerischen Produktionsprozess der Theater angesiedelt sind, denn auch deren Arbeit ist en passant dem Stadttheaterprinzip unterworfen und in den Spielplan integriert worden. Was als Aufwertung der Arbeit der Jugendlichen daherkam, war ihre Domestizierung und Abkopplung von der künstlerischen Arbeit des Theaters.

Kein Wunder, dass in den Konzepten kultureller Bildung heute eine ziemlich strikte Trennung zwischen der künstlerischen Rezeption und der eigenen künstlerischen Produktion von Kindern und Jugendlichen vorherrscht. In der kulturellen Bildung gelten vor allem die produktiven Methoden als konzeptionell grundlegend, die Potenziale der Rezeption werden marginalisiert. Und das im Übrigen auch, weil sich viele Kinder- und Jugendtheater nicht ausdrücklich und meist nur unfreiwillig als Teil der kulturellen Kinder- und Jugendbildung begreifen.

Das alles ist für uns Grund genug, die Wechselwirkung zwischen Theater sehen und Theater spielen immer wieder zu thematisieren. Ein Beispiel dafür ist die konzeptionelle Arbeit an einem großen Projekt, dessen Finanzierung wir im Jahr 2006 sichern und das wir ab 2007 in den Mittelpunkt unserer Arbeit rücken wollen. Mit dem Arbeitsschwerpunkt „Theater für kleine Kinder und Theater mit kleinen Kindern“ soll die erwähnte Wechselwirkung exemplarisch erforscht und ein Methodeninstrumentarium entwickelt werden, das sich von seinen Prinzipien her nicht nur auf die Allerkleinsten anwenden lässt, sondern modellhaft für das Kindertheater und das Jugendtheater insgesamt genutzt werden kann.

Dieses Projekt wird im Arbeitsbereich Aus- und Weiterbildung in unserem Berliner Büro angesiedelt sein. Damit wollen wir das Berliner Büro zu einem Kompetenzzentrum für Theaterpädagogik im Kinder- und Jugendtheaterzentrum profilieren und unsere Verbindung zur Praxis noch enger gestalten. Räumlich rücken wir aber schon zu Beginn des Jahres 2006 näher an die Praxis heran. Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum gibt die Räume des bisherigen Berliner Büros, die schon der ASSITEJ der DDR als Büroräume gedient haben, auf und zieht ins Theater an der Parkaue. Dort stellt uns die neue Theaterleitung Räume zur Verfügung, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Nun kann auch das wertvolle Archiv der ASSITEJ der DDR so aufgestellt werden, dass sich die Bedingungen für die Nutzung und die Arbeit im Archiv erheblich verbessern.

Die persönlichen Erinnerungen einzelner Protagonisten des Kinder- und Jugendtheaters in Ost und West werden über kurz oder lang nicht mehr einzuholen sein, daher ist es wichtig, die verschiedenen Bestandteile der Sammlungen des Kinder- und Jugendtheaterzentrums als bedeutsame Quellen und als eine Art materialisiertes Gedächtnis der Kunst des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland zu begreifen. Damit wir uns erinnern können, wenn wir mal wieder bewusste oder unbewusste Gedächtnislücken haben.