Kinder- und Jugendtheater ... ist in der ganzen Welt

2009 wurde der ASSITEJ-Preis verliehen an Ad de Bont. Der niederländische Autor und Theaterleiter offenbarte in seiner launigen Danksagung seine Beziehungen zur Kinder- und Jugendtheaterlandschaft in Deutschland. Sein Credo nach dreißig Jahren: "Von wem kommt die Rettung? Von den Deutschen". Er beschreibt eine Zeit, in der die Qualität des niederländischen Jugendtheaters sehr zu wünschen übrig ließ, wichtige Gruppen vor sich hin dümpelten und ein inspirierendes Vorbild nirgendwo in Sicht war. "Bis ein Jahr später die Deutschen nach Holland kamen, die Berliner, Volker Ludwig mit seiner Truppe. Um dem niederländischen Jugendtheater neue Impulse zu geben, wurde das Grips Theater vom Holland Festival 1980 mit sieben Produktionen eingeladen. Ich habe sie alle gesehen. "Max und Milli", "Spaghetti mit Ketchup", "Wasser im Eimer", "Stokkerlok und Millipilli" usw. Nicht nur die Stücke, auch Regie und Darstellung waren für mich in den folgenden Jahren die wichtigste Inspiration auf der Suche nach einem sowohl inhaltlich als auch künstlerisch fordernden Jugendtheater." 1985 und 1986 war das Theater Wederzijds zu dem Festival "Schauspiele" an das Theater der Jugend in München eingeladen und Ad de Bont empfand auch diese Begegnung als außerordentlich hilfreich für die künstlerische Entwicklung seiner Truppe. Und dass seine Stücke in einem deutschen Verlag erscheinen, mittlerweile sind es mehr als zwanzig, die in mehr als 200 Inszenierungen auf deutschen Bühnen zum Leben erweckt wurden, empfindet der Dramatiker als ebenso bedeutsam – vor allem natürlich aus existentiellen Gründen.

 

Der Ruf des Theaters für ein junges Publikum in Deutschland ist geprägt durch Faktoren, von denen drei bereits von jenem oben zitierten Nachbarn genannt wurden. Kinder- und Jugendtheater ist ein Exportartikel und wurde eine Marke – zumindest aus westdeutscher Sicht – durch das West-Berliner Grips Theater geprägt. Volker Ludwig und seinem Ensemble ist es zu verdanken, dass Kinder- und Jugendtheater der alten Bundesrepublik weltweit wahrgewonnen wurde. In der ehemaligen DDR waren es das Theater der Freundschaft in Ost-Berlin, das Theater Junge Generation in Dresden und das Theater der Jungen Welt in Leipzig, die mit Gastspielen vorwiegend in den so genannten sozialistischen Bruderländern Aufmerksamkeit erregten. Diesem Faktor gilt es nachzuspüren.

 

Einem anderen Phänomen verdankt das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland gleichermaßen seine Identifizierbarkeit: Die neue Bundesrepublik ist auch ein Festivalland. Allüberall und zu jeder Jahreszeit können kleine und große Besucher kuratiert und gebündelt Aufführungen sehen, sich Kenntnis über eine Szene verschaffen und den künstlerischen Austausch mit Verbündeten pflegen. Die Internationalität des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland dokumentiert sich aber auch in der literarischen Basis der Inszenierungen für junge Zuschauer. Stücke sind es, die geschrieben und gespielt werden, das Repertoire gewährt Vielfalt und ein Distributionssystem ermöglicht die Verbreitung der dramatischen Kinder- und Jugendliteratur, vom Inland ins Ausland und vor allem umgekehrt.

 

Im Auftrag Auswärtiger Kulturpolitik?

Im Jahrbuch für Kinder- und Jugendtheater "Grimm & Grips" 22 aus dem Jahre 2008 reflektieren fünf deutsche Theatermacher ihre Erfahrungen mit Auslandsgastspielen. Peter Müller vom Theater Handgemenge aus Berlin empfindet sich als eine Art Botschafter der Kultur aus Deutschland, Lars Frank vom Puppentheater Halle stellt das Theatererlebnis als eine Art Unterricht im weitesten Sinne in den Mittelpunkt seiner Erörterungen, Autor Lutz Hübner berichtet von Transformationsprozessen im Kulturaustausch, der Schauspieler Erik Schäffler fokussiert auf die Erfahrungen, die er im Gepäck hat und die zur künstlerischen Entwicklung beitragen, der Theatermacher Peter Rinderknecht, von Hause aus Schweizer, aber seit ein paar Jahren auch Ensemblemitglied in Stuttgart, setzt auf den Energiegewinn und die Perspektive von Kooperation und Koproduktion. Die Deutschen sind gerne gesehen – im Inland, um sie zu sichten und einzuladen, im Ausland, um sie zu präsentieren und mit ihnen zu arbeiten. Kinder- und Jugendtheater made in Germany ist ein Qualitätssiegel, wenn auch nur eine sehr selektive Wahrnehmung möglich ist. Denn allzu oft setzen die Festivalveranstalter und Kulturvermittler aus ökonomischen Gründen auf Minimalkunst (kleinste Besetzung, geringster technischer Aufwand, das Bühnenbild in Koffergröße). Trotzdem gelingt es immer wieder – insbesondere auch wegen des großen Interesses der deutschen Gruppen an internationalen Begegnungen – große Theaterereignisse auf ausländischen Festivals zu zelebrieren.

 

Ivica Simic, Theater- und Festivaldirektor in Zagreb, schreibt auf die Frage, welche Rolle Gastspiele aus Deutschland im Ausland spielen: "In twelve years of programming "The Milk Tooth International Festival" in Zagreb often invited German theatres. After all those years, now I can say that German theatre made big influence on Croation Theatre for Young Audiences. Not only theatres and companies were introduced to Croatian audience, but also the authors. As a direct consequence of the participation of German performances, now we have representation of German authors in Croatian theatres. Lutz Hübner, Kristo Sagor, Rudolf Herfurtner, Ingeborg von Zadow and others were staged in Croatia in the last years. German performancers brought different stile as well as the choice of themes than those on which Croation audience was (and still is) used to. Simplicity and very serious treatment of a theme as well as the artistic approach was always inspirational for theatre artists. I remember when I invited the Flensburg Pilkentafel’s "Washing Day” (Waschtag), I wanted to confront Croatian storytelling based on folk tradition and made very colourful with the simplicity and beauty of a simple story. The reactions were enthusiastic and I can say that performance influenced my own work in great extend. When I invited Theater in Marienbad ("Hat Opa einen Anzug an?”) I wanted to confront the audience with the theme of "death” and how can a child cope with this problem. Although this is a "forbidden” theme for children’s theatre in Croatia, the reactions after the performance were very positive, but it didn’t result with the change of the perspective on that topic.”

 

Ob "Waschtag” vom Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel, "Regenwald” vom Theater monteure aus Köln oder der legendäre – weil mittlerweile seit einem Dutzend Jahre tingelnde "Zinnsoldat" vom Puppentheater Meiningen, sie alle sind Theaterproduktionen, die durch die Welt gereist sind und ein Bild des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland vermitteln. Die Hitliste ließe sich fortsetzten und irgendwann wird sie vielleicht einmal Grundlage sein, diese Rezeption wissenschaftlich fundiert zu analysieren. Yuri Kobayashi, Professorin für ästhetische Erziehung an einer Tokioer Universität, spricht vom großen Respekt, den ihre Kollegen der japanischen ASSITEJ für das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland haben. "We have learned many things from them, for example the actor’s skill, the director’s artistic choice and the theme. Also the support from the government and the Goethe Institute”. Die Themenbezogenheit deutscher Stücke und die deutsche Infrastruktur zur Förderung der Theaterkunst, das ist es, was im Ausland auch immer wieder große Beachtung findet.

 

Gesellschaftlich relevant?

"Many Grips plays were very popular", schreibt Paul Harman, Theater- und Festivalmacher aus England, "and successful with audiences of young people in schools in the 1980. At that time the political stance of the shows fitted well with the "empowerment” agenda here.” Kinder- und Jugendtheater in Deutschland ist eine gesellschaftliche Ausdrucksform. Einerseits politisch, andererseits pädagogisch. Das hat eine Tradition, zum Teil über mehrere Jahrhunderte hinweg. Aber insbesondere nach 1968 entstand im Westen ein neorealistisches Theater, das sich dezidiert den Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe widmete und deren Wohlergehen zum Ziele hatte. Im Ausland wurde sehr schnell wahrgenommen, dass die künstlerische Beschäftigung mit Kindheit und Adoleszenz in Deutschland relevante Fragen aus Politik und Gesellschaft aufwarf, dass auf der Bühne die Realität der jungen Generation verhandelt wurde und dass es letztendlich um Verortungen, Veränderungen und Visionen ging. Kinder- und Jugendtheater sei diskussionsfreudig, schreibt Yuri Kobayashi und Ivica Simic spricht von der Schwere der Themen: "The reduction as a dominant demand in German theatre for children brings the impression of a theatre without colours and without humor. It is a threatre with "heavy topics" and hard stories. Sometimes a lack of imagination of the artistics and their fear of exaggeration and banality limit the artists and make the image of a theatre in Germany heavy and serious, as if scared of being entertaining. It is very much orientated towards social issues and the position of a child/young person in the society, and less towards the imagination and children’s play as we can see in some other cultures in German neighbourhood (like Italy).” Jugendtheater in Deutschland beschäftigt sich oft mit Gewalt, mit der sozialen Situation von Familie, mit dem Fehlen von Empathie. Das Image des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland sei auch deshalb geprägt von der gesellschaftlichen Dimension der Geschichten, da die junge Generation – wie sie dargestellt werde – nicht wirklich glücklich sei, konstatiert Ivica Simic. "It is much harder to talk about children and their childhood based on the impression of the performances. German theatre is expecting from a child to be aware of the reality and don’t treat theatre as the entertainment what makes an image of a child much different than in some other societies where colours, music, dance is freely used to "celebrate the joy” of children’s existence. The image of a child in Germany as a serious, smart person that is surrounded with difficulties in the society and not the one who is invited to a game, to an improvisation or to a joyful playing is more often seen than otherwise.”

Hart, aber gerecht – das Urteil, aber es macht auch deutlich, dass so manches Theater in Deutschland nicht korrumpierbar ist – und es auch (noch) nicht zu sein braucht! Es macht deutlich, dass theatrale Kunstwerke, nur weil sie sich an junge Menschen wenden, schon lange nicht mehr von der heilen Welt erzählen müssen. Die es ja auch gar nicht gibt. Theater versteht sich in Deutschland als Selbstgespräch der Gesellschaft. Und das wird im Ausland wahrgenommen. Nicht immer nur positiv, aber mit einer gewissen Achtung, wie es auch von Paul Harman in seinem Festivalbericht "Twenty years – in the Blink of an Eye" über das 10. Deutsche Kinder- und Jugendtheatertreffen 2009 in Berlin nachzulesen ist: "In a country famous for its dramaturgs, it was surprising there were not more shows as tight and well shaped as my top three. "Rawums”, "Hikikomori” and "Schwarz wie Tinte”. The stagecraft is strong, the layers of invention, text and technical investment are rich and produce solid results. Perhaps they work too hard, perhaps they are driven by the need to deliver too many shows to too many children, perhaps their commitment to the plight of an increasingly pressured youth demands extreme plays which tell how badly the young are suffering. (…) For most of the key figures in German Theatre for Young Audiences, the catastrophic and life changing events in 1945, 1961, 1968 and 1989 are inescapable reminders of the continuing duty to empower young people through art. History hangs heavy around their necks.”

Markenzeichen Infrastruktur?

Unbestritten ist Deutschland das Land, das über eine der vielfältigsten Theaterlandschaften der Welt verfügt. Eine Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages forderte einmal sogar die Aufnahme in das Weltkulturerbeprogramm der UNESCO. Es ist nicht die Masse der Mitglieder der ASSITEJ, es ist der Institutionalisierungsgrad, der das Besondere ausmacht. Es sind nicht allein die mehr als zwei Milliarden Euro jährlich, die als öffentliche Mittel in das System gespeist werden, es sind die vielfältigen Ausdrucksformen von Theaterarbeit, die beeindrucken. Kinder- und Jugendtheater gibt es als Sparte an Stadt- und Staatstheatern, als Abteilung an den Landesbühnen, als eigenständige kommunale und private Kinder- und Jugendtheater, als freie Gruppen und Theaterhäuser. Es gibt geschätzte 50.000 Aufführungen, 1.000 Inszenierungen und mehr als drei Millionen Zuschauer – eine valide Statistik fehlt, der Bühnenverein zählt nur die Mitlieder des Bühnenvereins, die ASSITEJ zählt nur die Mitlieder der ASSITEJ, die freien Theater zählen gar nicht – ihre Empirie ist eine Schätzung. Die Theater spielen meistens im Theater. Und das ist aus ausländischer Perspektive auch etwas Besonderes! Die Theater zeigen ihre Aufführungen ganzjährig und die ganze Woche über täglich morgens, mittags und abends. Auch das gibt es nicht überall. Die Tatsache, dass auch Theater als Schulunterricht funktioniert, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnenswert. In Deutschland gibt es eine Theaterausbildung – wenn auch immer noch nicht Kinder- und Jugendtheater selbstverständlich integraler Bestandteil der Curricula ist, in Deutschland gibt es eine Theaterkritik – wenn auch immer noch nicht Kinder- und Jugendtheater selbstverständlich integraler Bestandteil der Feuilletons ist, in Deutschland gibt es eine Theaterwissenschaft – wenn auch immer noch nicht Kinder- und Jugendtheater selbstverständlich integraler Bestandteil in Forschung und Lehre ist. Und die Theaterpolitik bemüht sich zunehmend, die Theatervermittlung zu qualifizieren. "I think the existance of theatre pedagogy is the key”, schreibt Yuriko Kobayashi. "We would like to have such professional persons in each public theatre and in each theatre company in Japan.” Theaterpädagogik ist auch ein Markenzeichen und das hat auch etwas mit dem Theatersystem zu tun. Theater ist in Deutschland von jeher auch Bildung und kulturelle Bildung ist derzeit sehr gefragt. Die Vor- und Nachbereitung ist der Klassiker, die Workshops mit Theaterkünstlern noch die Ausnahme. Das Theatersehen und das Theaterspielen sind zwei Seiten einer Medaille. Jugendclubs am Theater und Theater in Schule haben Konjunktur. Das wird zwar mit großer Aufmerksamkeit im Ausland wahrgenommen, der Transfer scheint allerdings noch nicht gelungen zu sein. Ein Produkt lässt sich halt besser vermarkten, ein Prozess braucht Zeit und Ausdauer. Aber was ist nachhaltiger?

 

Das Internationale Regieseminar als Modell?

Nachhaltig scheint ein Projekt zu sein, das alle zwei Jahre von der deutschen Sektion der ASSITEJ angeboten wird: Das Internationale Regieseminar. 25 Regisseure aus aller Welt haben die Möglichkeit, eine Woche an einem Kinder- und Jugendtheater in Deutschland zusammenzuarbeiten. Die Wurzeln der Veranstaltung liegen in der DDR, nach der Wende wurde das Format des interkulturellen Austauschs reformiert und erstmals im Westen ausgetragen. In Esslingen (1993), Freiburg (1995), Kiel (1997), Dresden (1999), Nürnberg (2001), Stuttgart (2005), Düsseldorf (2007) und Hamburg (2009) hatten bisher mehr als 200 Künstler Erfahrungen sammeln können. Eckhard Mittelstädt hat eine Zwischenbilanz geschrieben, die 2005 im "ASSITEJ Book" veröffentlicht wurde. Die gesammelten Reaktionen der Regisseure lassen erkennen, dass sie nicht nur Einblicke gewährt bekamen, wie deutsches Kinder- und Jugendtheater funktioniert, dass sie nicht nur Kollegen treffen konnten, die auf unterschiedliche Art und Weise arbeiten, dass sie nicht nur verschiedene Aufführungen sehen konnten, die intensive Auseinandersetzungen initiierten. Alle Aussagen betonen einhellig, dass die Ernsthaftigkeit, mit der die jeweiligen Themen und Texte erörtert sowie in Arbeitsgruppen spielerisch interpretiert wurden, besonders Wert geschätzt wird. Die Intensität, auch mit Texten konfrontiert zu werden und diese in simulierten Inszenierungsprozessen umzusetzen, ist es, die noch lange nachwirkte. Die Begegnung mit Dramatikern – eine Selbstverständlichkeit im deutschen Kinder- und Jugendtheater – ist für viele Theatermacher eine Bereicherung. Es ging um die Rechte der Kinder, um den Tod als Thema, um theatrale Zeichen, um Märchen, Träume, Visionen, um Angst und Hoffnung, um Familie, um Tanz und um Migration. Typisch deutsch! Es ging um etwas. Das nehmen die Regisseure mit. Ein Netzwerk der Teilnehmer der Internationalen Regieseminare ist entstanden, das einem immer wieder auf allen Kontinenten begegnet. Positiv konnotiert, verbunden mit einer Kulturlandschaft, die das Kinder- und Jugendtheater zu einer eigenständigen Kunstsparte machen lässt. Eine Sparte, die zuallererst Theater macht, aber eingebettet ist in soziale und pädagogische Kontexte. Und das prägt das Ansehen, das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland international genießen darf.

 

Internationalität als Programm?

Der Blick von außen tut gut. Deshalb ist es wichtig, weiterhin verstärkt die Profile der Festivals in Deutschland zu schärfen! Was interessiert die Theatermacher, die das ganze Jahr ja Theater machen und allzu gerne glauben zu wissen, wie es geht? Was wird eingeladen – die Bestätigung der eigenen Linie, das gänzlich Andere oder das, was allen gefallen könnte? Und was kann getan werden, um die Begegnung zu einer fruchtbaren Erkenntnis werden zu lassen? Deshalb ist es wichtig, weiterhin verstärkt die Gastspieltätigkeit im Ausland unter konzeptionellen Gesichtspunkten zu organisieren! Wer fährt mit welcher Inszenierung, wer präsentiert welches Stück, wer ermöglicht die Einsichtnahme in die Werkstatt des Kinder- und Jugendtheaters aus Deutschland? Was gehört neben Aufführung und Text mit ins Gepäck – ein Workshop, eine Arbeitsprobe, eine theaterpädagogische Begleitung? Und was folgt – nach dem Festival, nach der Anbahnung von Kontakten, nach den ersten Ãœberlegungen für eine Zusammenarbeit? Bis zum heutigen Tag macht es jedes Theater grad so wie es will. Eine konzertierte Aktion steht aus, Kriterien für erfolgreiche internationale Beziehungen fehlen, ein konzeptionelles Programm des Goethe Instituts in Sachen Kinder- und Jugendtheater im Auftrag Auswärtiger Kulturpolitik muss trotz eines Programms der Kulturstiftung des Bundes mit Namen "Wanderlust" als Desiderat festgestellt werden. Dabei geht es keineswegs um eine einzige Vorgehensweise. Aber Transparenz und Koordination, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Strategien, langfristige Projekte und kontinuierliche Begegnungen wären vielfältigst zu entwickeln – in den verschiedensten Regionen der Welt. Partner finden sich schnell; denn im Ausland weiß man vom Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Deshalb darf es kein Zufall sein, wenn die Kinder- und Jugendtheater über den Tellerrand schauen. Da gilt es, Anregungen zu generieren, Ansprüche zu überprüfen und vor allem Arbeitszusammenhänge zu schaffen: Ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein Austausch des künstlerischen Tuns, ein internationaler Diskurs über Kindheit und Jugend.

 

Der Aufsatz erscheint in:

Kinder- und Jugendtheater in Deutschland
Perspektiven einer Theatersparte


Herausgegeben von Andrea Gronemeyer, Julia Dina Heße und Gerd Taube

ca. 240 Seiten, ca. € 19,90

ISBN 978-3-89581-214-9
Erscheint Ende Oktober 2009