Kulturagenten – Netzwerker vor Ort

Die einen firmieren unter dem Titel Kultur und Schule, die anderen agieren mit dem Kürzel TuSch und seit dem September 2011 gibt es jetzt auch die sogenannten Kulturagenten. Seit einigen Jahren sprießen immer wieder neue Vermittlungsprojekte zwischen Theatern und Schule aus dem Boden.

Das auf vier Jahre angelegte Modellprojekt habe – so heißt es laut Homepage – in den Bundesländern Hamburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Baden-Württemberg insgesamt 46 Kulturagent_innen eingesetzt, die jeweils drei Schulen betreuten. Diese mussten sich zuvor bewerben und sind dann von der Programmleitung und den zuständigen Ministerien ausgewählt worden. Ziel des Programms sei es, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst und Kultur zu begeistern, um dadurch ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Unterstützt wird das Programm von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator.



Aber wie wird es tatsächlich umgesetzt? Wie sieht die Arbeit der Kulturagent_innen aus? In erster Linie sind diese für die Vernetzung und Koordination zwischen den Schulen und den Institutionen und Künstlern vor Ort zuständig, sie sind also als Vermittler und Berater tätig. Dabei werden sie von jeweils einem Lehrer der Schule unterstützt, der als Ansprechpartner fungiert. Fachliche Unterstützung erhalten die Kulturagent_innen von den Länderbüros des Programms in den fünf Bundesländern. Diese werden durch die beteiligten Fachpartner Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und conecco UG – Management städtischer Kultur betrieben. Prozessbegleitende Fortbildungen finden darüber hinaus sowohl länderübergreifend in der programmeigenen Akademie als auch in den Länderbüros statt.

„Wünschenswert ist es, dass das Modellprojekt nachhaltige Strukturen schafft, die auch über die vier Jahre hinaus bestehen", formuliert Barbara Müller, die als Kulturagentin für Dortmunder Schulen verantwortlich ist. Ein möglichst großes Netzwerk soll aufgebaut werden, das sich nicht nur auf Theater, Museen und Konzerthäuser beschränkt: Auch Neue Medien und Street Art-Künstler sollen Teil des Netzwerks werden. In Dortmund scheint das Projekt bisher gut angelaufen zu sein. Die drei Schulen kooperieren auch untereinander und viele Institutionen und freie Künstler möchten partizipieren.


Neben der positiven Resonanz auf die Kulturagenten seitens der teilnehmenden Dortmunder Schulen, gibt es auch Wünsche für Verbesserungen. Barbara Müller findet beispielsweise das Zeitmanagement des Programms überdenkenswert. So mussten Anträge für Projekte im Dezember fertig gestellt werden, einem Monat, der für Schulen besonders ungünstig ist, da zum Halbjahr bereits zahlreiche Konferenzen auf dem Stundenplan der Lehrer stehen.

Unbedingt unterstützenswert findet Müller hingegen das Ziel der Schulentwicklung im Bereich der kulturellen Bildung: Kultur soll als ein selbstverständlicher Teil der Schulen angesehen werden und nicht bloß als „Zubrot". Es sollen kreative Wege des Lernens erforscht werden. Dabei geht es nicht nur um Kunst und Musik, sondern um andere Fächer, auf die das Programm sich durch kulturelle Projekte auswirken soll. Unterrichtsinhalte können so in einer neuen Form vermittelt werden, wie z.B. ein Planspiel in der Gesellschaftslehre. „Kultur muss ein Teil vom kreativen Lernen werden", so Müller.

Die Ziele des Modellprogramms sind ehrgeizig und erstrebenswert , denn kulturelle Bildung muss, um wirklich jeden Menschen zu erreichen, einen Teil der schulischen Bildung einnehmen. Die Signifikanz der kulturellen Bildung wird auch in dem 2006 erschienenen Bericht der Enquete Kommission Kultur in Deutschland hervorgehoben: „Durch kulturelle Bildung werden Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben, die für die Persönlichkeitsentwicklung des jungen Menschen, die emotionale Stabilität, Selbstverwirklichung und Identitätsfindung von zentraler Bedeutung sind."

Die Teilhabe an Kunst und Kultur als fester Bestandteil des Alltags, lautet das übergeordnete Ziel des Programms - ob das durch ein nur auf vier Jahre ausgelegtes Projekt verwirklicht werden kann, ist zumindest in Frage zu stellen. Dennoch ist das Programm ein Schritt in eine hoffnungsvolle Richtung, denn so können die Wirkungen kultureller Bildung über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Was die Wichtigkeit von Kultur in der Schule beweisen könnte, sodass letztendlich mehr als wieder nur ein neues Modellprojekt folgt.

Weitere Informationen zu den Kulturagenten finden Sie hier.