Welche Strukturen braucht kulturelle Teilhabe? - Ein Fazit zum kulturpolitischen Gespräch über postmigrantisches Theater bei Westwind 2014

Es ist eine Kunst etwas zusammenzubringen, aber es kann nicht die Aufgabe von Kunst sein gesellschaftliche, integrative Leistungen zu erbringen. Die deutsche Gesellschaft ist bunt gemischt. Zu ihr gehören Menschen mit Migrationshintergrund, die somit geografisch und politisch im gleichen Kontext leben wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Und jetzt geht es darum Gesellschaft zu verhandeln – so wie sie ist.

 

Das NRW-Theatertreffen der Kinder- und Jugendtheater Westwind beschäftigte sich im Rahmen eines  kulturpolitisches Gesprächs mit dem Thema „Migrations-Mainstreaming als Aufgabe für Theater und Kulturpolitik?“ statt. Grundlage der Diskussion war die „Bestandsaufnahme zum postmigrantischen Theater für ein junges Publikum in NRW“, welche die Kulturwissenschaftlerin Dr. Azadeh Sharifi als Auftragsarbeit im Rahmen des Festivals anfertigte.

Trotz des Abwendens vom „integrativen “ und dem Hinwenden zum „postmigrantischen Theater“, wie es in der Studie thematisiert wird, verkündete Integrationsminister Thorsten Klute „ große Fortschritte im Intergrationsbereich“. Von gerechter Teilhabe zu reden, sei allerdings auch nicht richtig. Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim, poemisiert, dass Deutschland eigentlich gegen das Völkerrecht verstoße, da gesellschaftliche Teilhabe einklagbar sei. Im Theater werden„People of Color“ eher ausgeschlossen Sharifi versteht unter diesem Terminus Menschen, die in Deutschland leben und die in ihrem familiären Hintergrund eine Migration erfahren haben.

An Stadt- und Staatstheatern fehle es an festangestellten „Theatermachern of Color“. Hier fordert Sharifi eine Hinterfragung der Strukturen - sowohl personell, als auch inhaltlich. An Theatern würden Identitäten verhandelt werden. Und wer kann schließlich die Gesellschaft besser repräsentieren als die bunte Gesellschaft selbst? Auch Schneider fordert ein strukturelles Umdenken der Politik. Wenn man Deutschlands Theaterlandschaft betrachte, die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung anspreche, dann stelle sich doch hier die Frage, ob die öffentliche Förderung noch die Richtige sei. Und wenn es nun darum gehe Projekte mit „People of Color“ zu machen, dann sei das nicht nur die Aufgabe des Ministeriums für Kultur, sondern auch die des Integrationsministeriums, des Jugendministeriums und des Bildungsministeriums.
Auch die institutionalisierte Kunst muss strukturelle Diskriminierung bemerken und ihr entgegen wirken.