Traditionen pflegen? Künstlerische Ansprüche formulieren? Perspektiven denken? Blicke zurück und nach vorn von einem guten Dutzend Theatermachern auf das Kinder- und Jugendtheater

„Grimm & Grips", das Jahrbuch der ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland erscheint zum fünfundzwanzigsten Mal. Die Publikationen waren immer geprägt vom Ist-Stand, gewissermaßen als Bestandsaufnahme, Momentaufnahmen, in der Annahme, die Zeit zu dokumentieren, zu analysieren, auch zu reflektieren. Mit jedem neuen Jahrbuch wurde das vorhergehende Geschichte.

Jetzt blicken wir auf ein umfangreiches Konvolut mit Bedrucktem, doch wir sind nicht mehr nur wir, die Zeit hat es auch möglich gemacht, dass neue Gesichter, neue Handschriften, neue Generationen dazugekommen sind. Ein gutes Dutzend der Neuen im Gewerbe des Kinder- und Jugendtheaters kommen zu Wort. Ausgangsüberlegungen waren folgende drei Fragen:

1. Was halten Sie für erhaltenswert im Theater für ein junges Publikum, welche Traditionen sollen weiter gepflegt werden und was gilt es jugend-, bildungs- sowie kulturpolitisch zu verteidigen?

2. Wer oder was hat Sie motiviert, gereizt oder gar herausgefordert, sich im Theater für ein junges Publikum zu betätigen? Welche künstlerischen Ansprüche, Ziele und Profile verfolgen Sie und was sind die Bedingungen Ihrer Theaterarbeit, die zu gestalten Sie angetreten sind?

3. Was muss sich ändern? Welche Perspektiven für Kunst und Kulturpolitik wären Ihrer Meinung nach erstrebenswert und wie soll das Theater für ein junges Publikum in 25 Jahren aussehen?

Höchst aufschlussreich sind die Antworten, allesamt von der eigenen Biografie geprägt, vom künstlerischen Tun und vom persönlichen Erfahren. Schnell lassen sich Schwerpunkte markieren, was die neuen Theatermacher beschäftigt. Es geht ihnen um den Wert des Theaters und deshalb auch meist um die gesellschaftliche Wertschätzung desselben. Es geht um die Besonderheit des Theaters, das echte Menschen zu bieten hat, mit Live-Charakteren überzeugen will und ohne Vierte Wand die Kommunikation mit dem Zuschauer pflegt. Es geht um das Spielen und um das Spielen lassen, unverkrampft werden Theaterkunst und Theaterpädagogik als ein Ganzes gesehen. Und es geht um Bildung, um ästhetische Erziehung als zentrale Kategorie der dramatischen Künste. Kritisch wird in diesem Zusammenhang eine In- anspruchnahme durch die Schule gesehen; es gehe wegen der gemeinsamen Zielgruppe nicht ohne eine Partnerschaft, aber bitte ohne Instrumentalisierung: Spiel- pläne statt Lehrpläne lautet die Devise. Selbstbewusstsein wird auch deutlich, wenn die Spezifika des Publikums diskutiert werden. Kinder- und Jugendtheater sei das Schnellboot neben dem Tanker Stadttheater; viel Mut, das auszunutzen, sprechen sie sich zu, die Neuen.

Das Jahrbuch, in welchem die folgenden Texte erschienen sind, kann für 13 € in der Geschäftsstelle oder über den Buchhandel bestellt werden (ISBN: 978-3-930759-40-8). Außerdem bietet die ASSITEJ die Möglichkeit für nur 30 € Jahresbeitrag (regulär 60 €) assoziiertes Mitglied der ASSITEJ zu werden und die Publikation sowie das Magazin IXYPSILONZETT, sowie regelmäßige Informationen per Mail kostenlos zu erhalten. Weitere Informationen unter www.assitej.de

Zum Öffnen des PDFs klicken Sie bitte hier.


Es geht um Kinder. Es geht um Theater. Es geht um ein Haus. Dem KinderTheaterHaus Hannover zur Neueröffnung.

Seit 1987 existierte in Hannover ein mobiles Kinder- und Jugendtheater, dessen Name sich im Verlauf seiner Jahre zu einer Marke in der Region entwickelt hat. Das Klecks-Theater, das sich selbst als eine Art Volkstheater verstand, wurde nun nach 23-jährigem Bestehen in ein neues Kindertheaterhaus umgewandelt. Mit einem Betrag von knapp 1,75 Millionen Euro ist das Alte Magazin seit September 2010 aus städtischen Mitteln saniert worden. Am 04.11.2011 wurde es eröffnet.

Zu Beginn der Sanierungsmaßnahmen im Herbst 2010 hieß es im Selbstverständnis des Klecks-Theaters noch, dass es gerade im Jugendbereich dringend erforderlich sei, regelmäßig Produktionen herauszubringen. Seit dem Tag seiner Neueröffnung nennt es sich nun KinderTheaterHaus Hannover und hat sich – wie schon im Namen ersichtlich – von der Jugend verabschiedet. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Abgrenzung in der Altersstruktur der Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern vielmehr um einen theaterpolitischen Fingerzeig. In Hannover soll damit nun darauf hingewiesen werden, dass auch Kinder selbstverständlich ein Recht auf kulturelle Teilhabe, auf eine eigene Öffentlichkeit und auf persönliche Auseinandersetzung mit künstlerischen Werken haben. Das Kindertheater wird mit dieser Spielstätte, seinem Team, seinen theaterpädagogischen Plänen zu einem Teil der Kulturlandschaft in Hannover und Region. Es war auch höchste Zeit!

Weiterlesen: Es geht um Kinder. Es geht um Theater. Es geht um ein Haus. Dem KinderTheaterHaus Hannover zur...

Reif für die Bühne - Schulreform in Hamburg

Müssen Kinder von der ersten Klasse an Theaterunterricht erhalten? Hamburg sagt Ja. Nur: Wer soll das neue Pflichtfach unterrichten?

Es ist ihre dritte Theaterstunde. Maike Schomaker und ihre Schüler stehen in der Mitte des Klassenzimmers im Kreis, die Tische sind zur Seite geschoben, an der Tafel steht »Theater«. »Unsere Bühne geht bis zu den Tischen«, erklärt die Lehrerin an der Elbinselschule im Hamburger Süden ihren Schülern. Sie will etwas mit ihnen ausprobieren, das sie am Vortag bei einer Lehrerfortbildung für Theater gelernt hat, eine Übung zum Thema Requisit als imaginäres Objektspiel. »Ich gebe jetzt etwas herum, und der Trick ist, dass es nicht da ist«, sagt sie und tut so, als habe sie ein niedliches Tierchen in der Hand. Vorsichtig gibt sie es dem Erstklässler zu ihrer Rechten. Der zögert erst, nimmt das unsichtbare Etwas dann in seine Hände, streichelt es und gibt es behutsam weiter. Die Übung gelingt, die Lehrerin ist zufrieden. Man merkt ihr an, dass sie Theater toll findet, und sie hält den Unterricht für sinnvoll: »Die Schüler lernen dabei zum Beispiel, verschiedene Gefühle auszudrücken und darauf zu reagieren.«

Darstellendes Spiel wird in Deutschland bereits an den meisten Schulen in irgendeiner Form angeboten, nicht nur in Hamburg. Doch die Hansestadt wagt nun einen Vorstoß: Als erstes Bundesland führt sie Theater als Pflichtfach an den Grundschulen und in der Unterstufe ein und riskiert damit eine bundesweite Debatte. Spätestens vom kommenden Schuljahr 2011/12 an muss Theater im Schnitt mindestens eine Stunde wöchentlich unterrichtet werden, ausgenommen sind die Berufsschulen. In der 7. Klasse können die Schüler das Fach dann weiter belegen oder stattdessen Musik oder Kunst wählen. Warum gerade Theater als zusätzliches Fach in die neuen Stundentafeln aufgenommen wurde, will die Hamburger Schulbehörde nicht begründen. Man habe es den beiden anderen künstlerischen Fächern gleichstellen wollen, heißt es nur.

Zum Weiterlesen klicken Sie bitte hier.

Tiefe Täler, hohe Gipfel, große Weiten – Regie für Kinder

Die deutsche Theaterlandschaft der Regie für Kinder ist in ihren Themen tiefgründig, Horizont erweiternd und innovativ – wie es dem Wesen der darstellenden Kunst entspricht. In Deutschland gibt es ein vergleichsweise dichtes Netz von professionellen Theatern, die explizit für Kinder und Jugendliche arbeiten. Eine Vielzahl von Regisseuren entwickeln spezielle Handschriften für ein junges Publikum. So unterschiedlich die Künstler sind, so vielfältig ist die ästhetische Entwicklung des Theaters für Kinder. Der einzig erkennbare Konsens dieser Künstler besteht in der Haltung, Kinder als vollwertige Menschen mit ihren Sorgen, Ängsten und Freuden ernst zu nehmen und ihnen auf der Bühne nichts vorzuenthalten, was ihr Leben betrifft.

Zum Weiterlesen klicken Sie bitte hier.

Starkes Verlangen und Mut - Freie Szene treibt Entwicklung der Theaterkunst voran

Interview mit Regisseur und Dramaturg Werner Mink

Berlin, 04. April 2011

Als einer der zehn Kuratoren für das Deutsche Kinder- und

Jugendtheater-Treffen benennt der freie Regisseur und Dramaturg

Werner Mink im Interview die Akzente von „Augenblick mal! 2011“.

Mink ist unter anderem Juror für den Mülheimer KinderStückePreis

2011. Die Augenblick mal!-Kuratoren haben 310 Aufführungen des

Kinder- und Jugendtheaters gesichtet, um anschließend zwanzig

herausragende Produktionen zu nominieren.

Zehn davon sind vom 14. bis 19. Mai 2011 nach Berlin eingeladen.

FRAGE: Sie sind seit Jahren in der deutschen Theaterszene als Regisseur

und Dramaturg unterwegs - wie bewerten Sie die Bedeutung von

Augenblick mal! angesichts der Diskussion um kulturelle Bildung

in Deutschland?

WERNER MINK: Was mich unter dem Begriff kulturelle Bildung in

Bezug auf das Theater für Kinder und Jugendliche interessiert ist die

Übersetzung von Lebenswirklichkeit in ästhetische Erfahrungsräume,

die von den Zuschauern fordert, erweiterte Perspektiven auf die sie

umgebende Welt aktiv zu erschließen, zu entschlüsseln sowie kritisch

zu hinterfragen. Dies fördert und stärkt zweifelsohne die Kompetenzen

der Sinnes- und Sinnwahrnehmung.

Indem sich Augenblick Mal! immer wieder auf die Suche nach

herausragenden, impulsgebenden aktuellen Inszenierungen begibt,

die in der Regel diese Ansprüche auch erfüllen, und indem es das

ästhetische Profil und die künstlerische Qualität dieser Theaterform

durch Präsentation und Diskurs fördert und mit gestaltet, leistet

„Augenblick Mal!“ einen wesentlichen Beitrag zur Debatte über

kulturelle Bildung in Deutschland.

Weiterlesen: Starkes Verlangen und Mut - Freie Szene treibt Entwicklung der Theaterkunst voran