„Endlich sprechen wir auch Türkisch“ - Interkultur im Kulturbetrieb Oper

Die Komische Oper Berlin rief 2011 das interkulturelle Pilot-Projekt „Selam Opera!“ ins Leben. Sie lud Migranten ins Opernhaus ein, um ihnen Teilhabe am Kultur-Programm der Stadt zu ermöglichen. Das gleichnamige Buch, welches in Folge eines Symposiums zu diesem Thema 2014 herausgegeben wurde, ist eine Sammlung von Texten, Interviews und Beispielen aus der Praxis, die dieses Projekt vorstellen und reflektieren. Darüber hinaus ist es ein Plädoyer für eine generelle interkulturelle Öffnung von Kulturbetrieben.

 

So wie das Projekt selbst, ist auch das Buch vor allem auf die Einbeziehung von türkischen Migranten in Kulturprojekte ausgelegt. Die Komische Oper konzentriere sich zunächst auf diese Bevölkerungsgruppe, da sie einen Großteil der Migranten in Berlin ausmache, so steht es im Einführungstext. In der Veröffentlichung kommen viele Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund zu Wort. Die Quartiersmanagerin des Kreuzberger Bezirks Wrangelkiez Emine Basaran stellt ihre Arbeit vor und der türkischstämmige Autor Feridun Zaimoglu erzählt von seiner kulturellen Sozialisation. Zudem gibt es eher wissensvermittelnde Texte über die Migrationsgeschichte Deutschlands, über Methoden der interkulturellen Musikvermittlung, sowie einen Abriss über die türkische Musikgeschichte.

Darüber hinaus sind in der Publikation Einführungstexte zu kultureller Teilhabe und dem dahinterstehenden Demokratiegedanken zu finden. Diese machen den Zugang zu Kultur als Menschenrecht stark und die Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen in die Kulturarbeit unumgänglich. Verschiedene Einrichtungen werden vorgestellt, die schon mit einem interkulturellen Ansatz arbeiten wie beispielsweise das Metropolitan Museum of Art in New York. Das JugendtheaterBüro Berlin kommt ebenfalls zu Wort. Dieses allerdings arbeite nur mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, da diese in anderen Einrichtungen unterrepräsentiert seien.

Insgesamt bleibt das Buch eher theorielastig. Wer erwartet, dass auf konkrete Schwierigkeiten, mit denen er unter Umständen bei interkulturellen Projekten konfrontiert ist, eingegangen wird, wird hier nicht fündig. Es werden acht Projekte aus der Praxis vorgestellt, die jedoch immer nur sehr kurz auf ein bis zwei Seiten beschrieben werden und auf spezifische Probleme nur am Rande eingehen.

Bezug genommen wird auf den Begriff der Interkultur, der „Kultur im Dazwischen“. Es wird darauf hingewiesen, dass es nicht „die türkische Gemeinde“ oder den „Prototyp Migrant“ gibt. Jedoch wird man bekanntlich in der Debatte immer wieder auf Klischees zurückgeworfen. Diese tauchen auch in den interkulturellen Aufführungen der Komischen Oper auf, wenn dort 40 kleine Ali Babas mit Turbanen über die Bühne tanzen. Eine Sensibilisierung in Hinblick auf klischierte Darstellungen des Fremden in der Kunst wäre in diesem Diskurs wünschenswert. Ebenso gehört ein kritischer Blick auf die Debatte um die Begrifflichkeiten Trans-, Multi- und Interkultur zu einer Publikation in diesem Feld dazu. Leider bedient das Buch diesen Aspekt nicht.

In „Selam Opera!“ werden also nicht unbedingt neue Diskurse verhandelt. Trotzdem bietet es eine interessante Sammlung von Texten zum Thema „Interkultur“. Mit welch Flexibilität und Ideenreichtum die Komische Oper versucht, türkische Migranten auf direkte Art und Weise in die Oper zu locken, ist beachtlich. Es bleibt zu hoffen, dass andere Einrichtungen diesem kreativen Weg folgen.