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  • Kulturfinanznot: Wuppertal wehrt sich!

    Deutscher Kulturrat fordert die Länder und den Bund auf, ihre Verantwortung endlich anzunehmen

    Berlin, den 21.01.2010. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt den sich in Wuppertal formierenden Protest zur Rettung der kulturellen Infrastruktur.

  • "Laura, das Theatertreffen der Jugend ist müde!"

    Bereits zum 30. Mal fand vom 22. - 30. Mai 2009 in Berlin das Theatertreffen der Jugend (TTJ) statt. Die Teilnehmer werden durch einen Bundeswettbewerb ermittelt, der im Auftrag des Bildungsministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt wird. Die Redakteurin der Festivalzeitung, Laura Naumann, und Carolin Gerlach, Teilnehmerin der Fachtagung des TTJ, mailten sich im Wechsel.

  • Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des Schlossabends für Freie Theater

    20.01.2009
    Berlin

    - Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort. -

    Meine Damen und Herren, ich heiße Sie herzlich willkommen zu einem Abend, der künstlerisch Besonderes erwarten lässt, und der zugleich eine Premiere ist.
    Schon häufig waren Gäste in Schloss Bellevue Zeugen interessanter Theateraufführungen und Darbietungen des zeitgenössischen Tanzes. Aber ein Schlossabend, der ausschließlich von Freien Theatern in Deutschland gestaltet wird, den gab es noch nicht. Angesichts der Bedeutung, die den Freien Theatern in Deutschland zukommt, ist er längst überfällig, und so freue ich mich, dass wir ihn heute erleben können.

    Weil die Freien Theater ein wichtiger Teil unserer so reichhaltigen Theaterlandschaft sind, und ihre Zahl weit größer ist als die der Stadt- und Staatstheater, haben sie herausragende Bedeutung für das kulturelle Leben in unserem Land. Das hat auch seinen Niederschlag im Abschlussbericht der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages zur "Kultur in Deutschland" gefunden. Ich habe die Arbeit dieser Kommission aufmerksam verfolgt. Darin werden die Leistungen der Freien Theater auch besonders deshalb gewürdigt, weil sie junge Menschen an das Theater heranführen. Die Freien Theater sind nämlich im Bereich der Kinder- und Jugendtheater "Marktführer". Flexibilität, Experimentierfreude und die Nähe zu ihrem jungen Publikum, das sind alles Pfunde, mit denen die Freien Theater wuchern können.

    Sie sind wirklich "frei", wie wir es mit einem Ausrufezeichen ganz knapp auf die Einladungskarte zu diesem Abend gedruckt haben: auf vielfältige Weise, und ohne dabei ins Beliebige oder Willkürliche abzugleiten. Vielfach werden die Zuschauer mit in das Geschehen einbezogen, und die Darsteller auf der Bühne bleiben nicht die einzigen Akteure. Hier lösen sich alte Muster auf, werden aus der Starre gebracht, weiter entwickelt und frei improvisiert. Wir brauchen diese künstlerische Freiheit.

    Die Faszination von Theater entsteht aus der Unmittelbarkeit des Handelns und Geschehens auf der Bühne und des Erlebens im Zuschauerraum. Jede Aufführung ist unwiederholbar, auch wenn am nächsten Tag das gleiche Stück oder die gleiche Performance aufgeführt wird. Abend für Abend entsteht Einzigartiges. Die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen ist dabei ein besonderes Kennzeichen der Freien Theater. Wir werden es gleich erleben.

    Ich freue mich auch über die zunehmende internationale Vernetzung und den Ausbau von Kontakten mit der internationalen Freien Szene. Durch diesen Austausch sind Produktionen in Deutschland zu sehen, die sonst ihren Weg hierher nicht gefunden hätten.

    Nicht wenige Freie Theater entfalten kulturellen Glanz weit über die eigene Stadt oder die Region hinaus. Wir verdanken der Freien Szene mit ihrem Mut zum Wagnis auch spannende Neugründungen. Und nicht zuletzt gibt es eine lange Liste von bekannten Regisseuren und Darstellern, die ihre künstlerischen Wurzeln in der Freien Theaterszene haben. Viele renommierte Stadttheater profitieren heute von ihnen.

    Aber Flexibilität und größtmögliche künstlerische Freiheit haben ihren Preis. Der mitunter tägliche Kampf darum, wie das nächste Projekt, das nächste Engagement, der nächste Auftritt finanziert werden, kostet Kraft. Und er verlangt neben Kreativität auch eine gehörige Portion Robustheit. Das gilt umso mehr, da die Arbeit der Freien Theater bislang nicht so wahrgenommen, anerkannt und honoriert wird, wie ihnen das für ihre Leistung zusteht. Das hält auch der Bericht der Enquête-Kommission kritisch fest. Wenn dieser Abend dazu beiträgt, dass sich das ändert und bessert, dann freue ich mich.

    Sie sehen: Ich setze auf das Theater als "Spielraum des Lebens". Dabei bin ich mir der vielfältigen medialen Konkurrenz durchaus bewusst. Ja: Sie bestärkt mich noch in dem Vertrauen, das ich in das Theater setze.

    Das historische Vorbild, der "Raum zum Schauen", hat sich in den verschiedenen Epochen verändert bis hin zu den Versuchen, das Theater neu zu erfinden. Doch bei allem Wandel: Die besondere Stärke und Faszination des Theaters liegt darin, was der verstorbene Schauspieler Ulrich Mühe einmal mit dem Ausdruck "Leben zu erkunden" bezeichnet hat.

    In der Souveränität des Spiels, des ernsten und des ernstgemeinten heiteren Spiels, gibt es die immerwährende Möglichkeit, nicht B zu sagen, nur weil schon A gesagt wurde. Man kann auch frei nach Brecht erkennen, dass A falsch war - und anders handeln. Auch darin liegt Freiheit.

    Die verschiedensten Formen von Theater zeigen uns, dass man Dinge mit anderen Augen zu sehen beginnt, wenn man sie in ihrer ganzen Vielfalt und Vielgestalt wahrnimmt.

    Ich hoffe: Was wir heute Abend hier erleben und sehen, berührt und bewegt uns und eröffnet uns diesen anderen, freieren Blick. Und ich wünsche mir, dass die Wirkung dieses Programms nicht mit dem Schlussapplaus verebbt: Möge unser Abend neue Kontakte knüpfen helfen, und mögen die Freien Theater neue Freunde und Förderer gewinnen.

    Ich danke allen, die diesen Abend ermöglicht haben und zu seinem Gelingen beitragen. Und ich danke Ihnen, liebe Gäste, dass Sie an diesem besonderen Tag hier in das Schloss gekommen sind, wo auch in Amerika schon viel von Freiheit die Rede war.

    Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Neugier darauf, was Freiheit vermag - auch im Theater!

  • "Dogland" in Kreuzberg

    Migrantentheater jenseits von Integrationsprojekten

    Dass Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft ist, das ist wohl eher eine banale Feststellung. Das kann man gar nicht leugnen, und das ist auch gut so. Nicht so gut ist, wie im Allgemein damit umgegangen wird. Der Diskurs über Migranten und deren Integration bezieht sich oft nur auf Menschen mit Herkunft aus einem anderen Land, welche auf mannigfaltige Weisen integriert werden sollen. Doch in diesen Projekten und Initiativen findet man häufig nur Menschen mit Migrationshintergrund und keine die von hier, von der platten Scholle kommen. Dass zwischen beiden Seiten vermittelt werden muss spielt nur selten eine Rolle. Und da wundert man sich über das entstehen einer Parallelgesellschaft. Gesprochen wird über "die da" ohne genau zu wissen woher sie kommen, die meisten wahrscheinlich sowieso aus der Türkei. Der Diskurs erstreckt sich aber nun zumindest nicht mehr nur vom Gemüsehändler an der Ecke zu den Spitzbuben an der Tanke, sondern auch bis an die Gestade der Hochkultur.
  • "Lightlinien"für die deutsche Theaterlandschaft?

    Eine Polemik zur Qualitätssicherung der Interessensgemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen e.V.

    Die INTHEGA, die beansprucht "Vertreterin der Städte mit Theatergastspielen" zu sein, besticht in ihrer Hochglanz-Imagebroschüre "Engagiert für das Theater in der Fläche. Die Leitlinien der INTHEGA" mit revolutionären Zielen, welche die deutsche Theaterwelt nachhaltig beeinflussen werden. Die INTHEGA beschreibt sich als "anerkannter Berufsverband der Theaterveranstalter ohne eigenes Ensemble, die ihre Mitglieder in vielfältiger Weise unterstützt."


    Derzeit gibt es 375 Mitgliedsstädte, zu denen bedeutende Städte wie z.B. Bad Fallingbostel, Brackenheim, Ramstein- Miesenbach und Unterschleißheim gehören, denen ein "qualifiziertes kulturelles Angebot am Herzen liegt." Somit liegen mehr als 12 Millionen Bewohner in der "Daseinsfürsorge" der INTHEGA.

  • Die Vermessung der Dresdner Klassenzimmer - Reisebericht eines Festivalbesuchs

    Auf der Suche nach dem Boskop – Was ist eigentlich Theater?


    Es ist, als hätte Dresden sich fein gemacht an diesem frühwinterlichen Mittwochmorgen. Dachsimse und Haltestellenhäuschen sind von einem ersten, zaghaften Schnee bepudert. Die Morgensonne hat ein Leuchten auf Häuserfassaden und die Gesichter der Passanten gelegt. Im herzlichsten Sächsisch wird in der Straßenbahn ein Platz angeboten.
    Die Linie 2 Richtung Prohlis ruckelt einmal quer durch die Stadt, nach rechts unten über den Rand meines Stadtplans hinaus. Melodiös betitelt die automatische Haltestellenansage die Wegmarken. Es ist der 14. November und ich bin auf dem Weg zu einem Klassenzimmer. In eine von 23 Dresdner Schulen, die für die nächsten drei Tage Schauplätze eines Theaterfestivals werden sollen.

  • "Theater, für wen eigentlich?"

    Ein Kommentar 

    Heimspiel – so titelt die Kulturstiftung des Bundes einen Fonds, mit dem Projekte gefördert werden, die eine Anbindung des Theaters an die lokale Bevölkerung herstellen, neue Zuschauerkreise gewinnen und sich intensiver mit den Bürgern, ihren Vorstellungen und Wünschen auseinander setzen wollen
    Doch wo ist der Mehrwert dieser Projekte für diejenigen, die nicht direkt involviert sind? Der Regisseur des Projektes “My God Rides a Skateboard“ Sven Miller sagt, es gehe in erster Linie nicht um das künstlerische Resultat. Der Prozess sei wichtig.

  • Subvention trifft Subkultur

    Kommentar zum Heimspiel-Fonds der Kulturstiftung des Bundes

    »Was will das Theater, wenn es sich dem ‹kleinen Mann› von der Straße zuwendet? (...) Wenn ich es ernst meine, dass ich etwas verändern will im Leben der Leute, muss ich mich doch fragen, warum ich dann nicht Sozialarbeiter werde wie Mario.« argumentiert Eve Kolb, Schauspielerin am Deutschen Nationaltheater Weimar. (Magazin der Kulturstiftung des Bundes Nr.:10)