Das große Ranking der Spielzeithefte

Kategorie: Nachwuchs

1) Theater der Jungen Welt: Das Kinder- und Jugendtheater in Leipzig verzichtet auf die Fotografin und besinnt sich einer reduzierte Farbpalette. Grafische Symbole sind das höchste der Gefühle, weiße Flächen sucht man vergebens. Lenkt nicht vom Inhalt ab. Stellt sich nicht in den Vordergrund.

2) Junges Staatstheater: In Braunschweig wird das Heft nach der Zielgruppe der 2- bis 14-Jährigen gestaltet, obwohl die das Heft wohl nie in die Hand nehmen werden. Vorne eine Cartoon-Hand, die Kresse (das junge Gemüse?) schneidet. Es folgen Nahaufnahmen von Makkaronis, Papierfliegern und Dschungelelemente. Verlässliche Insignien einer sogenannten Kindheit. Das erkennen Erwachsene sofort.

3) Parkaue: Hier wird Großes gewagt, das Medium Spielzeitheft im intermedialen Diskurs zwischen Print und Post-Internet-Kunst thematisiert. Die Bilder der Inszenierungen sind durchweg unscharf oder latent verpixelt (siehe bereits Cover). Subversiver Moment oder Produktionspanne? Der Leser bleibt in der Dialektik zwischen Angestrebtem und Ausversehenem sisyphosial captiviert. Vgl. Deleuze S. 612.

Kategorie: Gimmicks

1) Theater Trier: Gibt sich post-Heft. Statt Büchlein wird mit einer auffächerbaren Seitensammlung aufgewartet. Erinnert stark an Farbsamples aus dem Baumarkt des Vertrauens, wenn man nicht weiß, ob das Kinderzimmer lightpink oder hellblau gestrichen werden soll. Trier entscheidet sich für ein raues Pappcover mit neon-orange. Darunter warten Stückbeschreibungen mit spritzigen Bewertungsskalen! „Faust I: Klassik 30%, Neu 20%, Denken 50%“ oder „In 80 Tagen um die Welt: Heiss: 20%, Luft: 40%, Ballon: 40%“. Auf den Rückseiten darf man dann noch eine Bildstrecke mit Rap-Sprüchen entdecken. Zitat im Spielzeitheft von Kollegah und Farid Bang: „Jeder will schießen, doch heult, wenn er getroffen wird.“ Für die nächste Zeile des Songs ist Trier dann allerdings zu bodenständig: „Ey yo. Ich fick dich plus deine Horde Nerds und baller mitten durch das O eurer Orson-Shirts.“

Kategorie: À la Kunstkatalog

1) Das Theater Erlangen = Pfiffige Texte, vielseitige Bebilderung, eingebaute Grafiken, bedeutungsvolle Zitate, Fußnoten. Wertediagramm folgt auf AfD-Streicholzschachtel. Kupferstiche, Emojis, Bingotabellen. In nichts steht diese Publikation einem kulturwissenschaftlichem Magazin nach. Wer kauft noch einen Kunstkatalog, wenn es dieses Spielzeitheft für umme gibt?

2) Bayerische Staatsoper = Erster Clou: offener Buchrücken. Zweiter Clou: Psychoanalytische angehauchte Fotos. Marina Abramović guck traurig auf einen Haufen Zwiebeln, ein Mann guckt in einen Handspiegel, ein brennender Schmetterling, ein Hamsterrad. Was will uns die*der Künstler*in sagen? Was uns das Heft sagt: Das Neuproduktions-Abo kostet 1186 Euro. 

3) Deutsche Oper Berlin = Mit schwarzen Leinen gebundenes Heft, dicke Seiten. Für die Ewigkeit gemacht. Leider aber nur für eine Spielzeit gültig. Wir dürfen die Falten diverser Menschen im Close-Up erspüren. Simplizität des Sujets ist Trumpf.

4) Thalia Theater: Das Thalia Theater hat bereits vor einiger Zeit entschlossen auf sinnvolle Zeilenumbrüche zu verzichten. Das Angebot für Studierende heißt dann CA / MP / US. Dekonstruktivistisch hat man dann noch das Thalia-Logo aus der Titelseite schneiden lassen. Auf dem Vorderschnitt verbirgt sich ein Zitat der verschrobenen Logikers Ludwig Wittgenstein. Brecht wird leider nicht zitiert.

5) Residenz Theater = Hier wird auf Größe gesetzt. Zwischen eingefärbte Ensemblefotos quetschen sich großformatige Bilder aller Art: Federzeichnungen, Ölgemälde, Collagen. Der Künstler Andy Hope durfte nach seinem Gusto seine Werke zusteuern. Selten passen die Bilder direkt zu den beschriebenen Stücken; deshalb passen sie immer.

Kategorie: Hochglanz

1) Münchner Kammerspiele = Nicht alles ist Gold, was glänzt. Aber oft kommt es nah ans Gold heran. Außen shiny wie die neue Gala, innen diametral matt. In feinstem Zeitungspapier (Reißgefahr!) werden diverse Bilder verbaut. Erzeugt den Eindruck eines glamourösen Independent-Films.

2) Komische Oper Berlin = Bilder müssen glänzen, so scheint das Credo. Die beste Kulisse dafür ist natürlich das Opernhaus selbst. Also werden Laser in die Katakomben gestellt oder Arien unter dem pompösen Kronleuchter gesungen. Dazwischen schieben sich bunte Bordüren und Wellenmuster.

3) Badisches Staatstheater = Hier wird Fotografie noch groß geschrieben (entspricht ja auch der deutschen Rechtschreibung). Ensemblefotos kommen im Maß DIN-A3. Die Ballett-Sparte zeigt ihre ganze dynamische Körperlichkeit in High Definition. Das Titelbild hingegen ist von eine grenzwertigen Auflösung. Künstlerische Setzung oder Produktionsmangel?

Kategorie: Beige und Bieder

1) Theater für Niedersachsen = Coverfarben: beige und blau.

2) Theater Bielefeld = Coverfarben: beige und blau.

3) Neue Bühne Senftenberg = Coverfarben: beige und braun.