Kategorie: À la Kunstkatalog

1) Das Theater Erlangen = Pfiffige Texte, vielseitige Bebilderung, eingebaute Grafiken, bedeutungsvolle Zitate, Fußnoten. Wertediagramm folgt auf AfD-Streicholzschachtel. Kupferstiche, Emojis, Bingotabellen. In nichts steht diese Publikation einem kulturwissenschaftlichem Magazin nach. Wer kauft noch einen Kunstkatalog, wenn es dieses Spielzeitheft für umme gibt?

2) Bayerische Staatsoper = Erster Clou: offener Buchrücken. Zweiter Clou: Psychoanalytische angehauchte Fotos. Marina Abramović guck traurig auf einen Haufen Zwiebeln, ein Mann guckt in einen Handspiegel, ein brennender Schmetterling, ein Hamsterrad. Was will uns die*der Künstler*in sagen? Was uns das Heft sagt: Das Neuproduktions-Abo kostet 1186 Euro. 

3) Deutsche Oper Berlin = Mit schwarzen Leinen gebundenes Heft, dicke Seiten. Für die Ewigkeit gemacht. Leider aber nur für eine Spielzeit gültig. Wir dürfen die Falten diverser Menschen im Close-Up erspüren. Simplizität des Sujets ist Trumpf.

4) Thalia Theater: Das Thalia Theater hat bereits vor einiger Zeit entschlossen auf sinnvolle Zeilenumbrüche zu verzichten. Das Angebot für Studierende heißt dann CA / MP / US. Dekonstruktivistisch hat man dann noch das Thalia-Logo aus der Titelseite schneiden lassen. Auf dem Vorderschnitt verbirgt sich ein Zitat der verschrobenen Logikers Ludwig Wittgenstein. Brecht wird leider nicht zitiert.

5) Residenz Theater = Hier wird auf Größe gesetzt. Zwischen eingefärbte Ensemblefotos quetschen sich großformatige Bilder aller Art: Federzeichnungen, Ölgemälde, Collagen. Der Künstler Andy Hope durfte nach seinem Gusto seine Werke zusteuern. Selten passen die Bilder direkt zu den beschriebenen Stücken; deshalb passen sie immer.