125 Jahre Bund Deutscher Amateur Theater

Kategorie: Schaukasten
Veröffentlicht am Sonntag, 04. Juni 2017 14:08
Geschrieben von Thilo Grawe

 "Künst­le­ri­sche Viel­falt ist wich­ti­ger als popu­lis­ti­sche Ein­falt“

700 Akteu­re prä­sen­tier­ten bun­tes Amateurtheater-Schaufenster
125 Jahre BDAT – Furio­ser Jubi­lä­ums­auf­takt in Berlin

Von Max und Moritz über Shake­speares sämt­li­che Werke bis zum Faust in der Tasche: Ein bun­tes Ama­teur­thea­ter­spek­ta­kel mit rund 700 spiel­be­geis­ter­ten Akteu­ren prä­sen­tier­te der Bund Deut­scher Ama­teur­thea­ter (BDAT) zum Start sei­nes 125-jährigen Jubi­lä­ums an die­sem Wochen­en­de vor gro­ßem Publi­kum in Berlin.

Bes­tens auf­ge­legt begrüß­te der Prä­si­dent des BDAT Simon Isser zum Fest­akt am 12. Mai die Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Moni­ka Grüt­ters vor 240 Gäs­ten aus dem In- und Aus­land. „125 Jahre BDAT – 125 Jahre Thea­ter“ lau­tet das Motto, mit dem der Dach­ver­band unter der Schirm­herr­schaft der Beauf­trag­ten für Kul­tur und Medi­en auf der Zita­del­le in die Jubi­lä­ums­zeit star­te­te.

In ihrer Eröff­nungs­re­de ver­wies Moni­ka Grüt­ters auf die gesell­schaft­li­che Bedeu­tung der Ama­teur­thea­ter, die gera­de in länd­li­chen Regio­nen die kul­tu­rel­le Grund­ver­sor­gung über­neh­men. Mit sei­ner bun­des­wei­ten Arbeit setze der Dach­ver­band wich­ti­ge kul­tu­rel­le und kul­tur­po­li­ti­sche Akzen­te, so mit dem deut­schen Ama­teur­thea­ter­preis „amarena“, der sowohl die künst­le­ri­sche Leis­tung als auch das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment wür­digt. Bezug­neh­mend auf die stei­gen­de Ten­denz von Fake News in den sozia­len Medi­en und die kor­rek­ti­ve Kraft des Thea­ters beton­te die Staats­mi­nis­te­rin, dass künst­le­ri­sche Viel­falt wich­ti­ger sei als popu­lis­ti­sche Ein­falt.
Der Direk­tor des Insti­tuts für Kul­tur­po­li­tik der Stif­tung Uni­ver­si­tät Hil­des­heim Prof. Dr. Wolf­gang Schnei­der stell­te in sei­ner Fest­re­de das große Poten­ti­al des Ama­teur­thea­ters und sei­nen Stel­len­wert als drit­te Säule neben den Staats- und Stadt­thea­tern sowie der frei­en Thea­ter­sze­ne her­aus. Das För­der­po­ten­ti­al, um kul­tu­rel­le Teil­nah­me und künst­le­ri­sche Teil­ha­be  zu ermög­li­chen, hält Schnei­der für aus­bau­fä­hig, denn:
„Es gibt fünf­zig Mal so viele Ama­teur­thea­ter als Stadt­thea­ter, davon auch viele Nicht-Mitglieder des BDAT, aber von den rund drei Mil­li­ar­den Euro jähr­li­ch, die aus öffent­li­chen Mit­teln in die Thea­ter­land­schaft flie­ßen, erhal­ten die Ama­teur­thea­ter noch nicht ein­mal ein Pro­mil­le.“
Einen kri­ti­schen Blick zurück wagte der Ehren­prä­si­dent des BDAT Norbert Rader­ma­cher. Er nahm Stel­lung zu schwie­ri­gen Zei­ten des BDAT, als es Ende der 90er Jahre auf­grund erheb­li­cher finan­zi­el­ler Unre­gel­mä­ßig­kei­ten fast zur Ein­stel­lung der öffent­li­chen För­de­rung und damit zur Auf­lö­sung des BDAT gekom­men wäre. Das konn­te zwar abge­wen­det wer­den, aber der Dach­ver­band hatte über viele Jahre die finan­zi­el­len und kul­tur­po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen zu tra­gen. Inzwi­schen sei der BDAT auf­grund sei­nes künst­le­ri­schen und sozia­len Enga­ge­ments in der brei­ten Bür­ger­ge­sell­schaft  aner­kannt.
Der Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des Ber­li­ner Ama­teur­büh­nen Jörg Sobeck bedank­te sich im Rah­men des Fest­ak­tes bei allen Akteu­ren, die mit ihrem hohen ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment die Jubi­lä­ums­zeit so leben­dig gestal­ten. Im Anschluss an den Fest­akt gab der „Kom­man­dant der Zita­del­le“, der stell­ver­tre­ten­de Span­dau­er Bezirks­bür­ger­meis­ter und Bezirks­stadt­rat Ger­hard Hanke die Spiel­stät­ten frei und mehr als 20 Thea­ter­grup­pen zeig­ten mit gro­ßer Spiel­freu­de die künst­le­ri­sche Viel­falt der bun­des­wei­ten Ama­teur­thea­ter­sze­ne.
Beim anschlie­ßen­den „Tag des Ama­teur­thea­ters“ am 13. Mai folg­ten Tau­sen­de von Besu­che­rin­nen und Besu­chern den Mär­chen, Komö­di­en, Tra­gö­di­en, Jahr­markt­sze­nen und Musical-Ausschnitten, die sich auf der Inter­na­tio­na­len Gar­ten­aus­stel­lung als bun­tes „Theater-Schaufenster“ unter frei­em Him­mel abspiel­ten. Nach dem gelun­ge­nen Auf­takt fol­gen bis zur Abschluss­ver­an­stal­tung am 14. Sep­tem­ber in der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te bun­des­weit Thea­ter­auf­füh­run­gen, Fes­ti­vals, Work­shops und Fach­dis­kus­sio­nen. Mehr unter: www.125-jahre.bdat.info

 

Die Eröff­nungs­ver­an­stal­tung wurde geför­dert durch die Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en, LOTTO-Stiftung Berlin und Bezirks­amt Span­d­au von Berlin, Abt. Wei­ter­bil­dung und Kul­tur.

 

QUELLE: http://bdat.info/nachricht/125-jahre-bdat-furioser-jubilaeumsauftakt-in-berlin/