Theater als Beruf: Von der Hildesheimer Brutstätte in die weite Theaterwelt

Kategorie: Schaukasten
Veröffentlicht am Dienstag, 19. September 2017 17:34
Geschrieben von Pressestelle, Isa Lange

Theater lernen, Theater machen – in Hildesheim wächst seit drei Jahrzehnten Nachwuchs für die deutsche Theaterlandschaft heran. Was braucht man eigentlich, um Theater zu machen? Wolfgang Schneider und Julia Speckmann skizzieren Berufswege von ehemaligen Hildesheimer Studentinnen und Studenten.

Vom Theater träumen viele, denn die deutsche Theaterlandschaft ist auch ein Arbeitsmarkt. Mehr als 50 Theaterberufe werden vom deutschen Bühnenverein aufgelistet. Doch was braucht man eigentlich, um Theater zu machen – fragen die Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider und Julia Speckmann in der Publikation „Theatermachen als Beruf – Hildesheimer Wege“.

 

Absolventinnen und Absolventen der Hildesheimer Kulturwissenschaften sind deutschlandweit in Theaterhäusern gelandet und gestalten die freie Theaterszene mit. In Interviews, Porträts und Essays geben sie in der jüngst erschienenen Publikation nun erstmals Einblicke in die Theaterwelt, beschreiben künstlerische Kompetenzen und reflektieren kulturpolitische Herausforderungen. Lehrende der Universität Hildesheim erörtern Material und Methoden des Theaterstudierens sowie Theorie und Praxis des Theatermachens. Eine Absolventin der ersten Stunde ist Julia Lochte, sie gründete damals die freie Gruppe Theater Aspik und ging dann den Weg in das Stadttheater, heute ist sie Chefdramaturgin am Thalia Theater Hamburg. Mit ihr zusammen arbeitet Matthias Günther, ebenfalls Dramaturg in Hamburg. „Zum redenden Menschen im öffentlichen Raum zu werden, dafür war Hildesheim eine nahezu grandiose Schule. Weil die doppelte Bewegung – der Praxis hinein in den Seminarraum und der theoretischen Reflexion hinein in das theaterpraktische Übungsfeld – dafür die ideale Schulung war“, so der Dramaturg über die Bedeutung des Studiums für seine weitere Arbeit.

Dass die Lage am Theater grundsätzlich oft prekär ist, verdeutlicht Insa Peters mit ihrem Bericht über die Tätigkeit als Regieassistentin. „Die klassische Regieassistenz am Theater ist eingebunden in ein hierarchisch organisiertes System, in dem sie eine untergeordnete Rolle einnimmt. Gleichzeitig ist sie die Person, die oft die meiste Arbeitszeit auf eine Produktion verwendet und immer anwesend ist“, so Peters.

Hildesheim ist ein Nest des freien Theaters. Die Dichte der freien Theatergruppen in Hildesheim ist in Deutschland sicherlich einmalig, sagt Professor Wolfgang Schneider. Sie heißen ASPIK, R.A.M., Fata Morgana, Karo Acht, Theater Kolchose, machina eX, Turbo Pascal, vorschlag:hammer, Frl. Wunder AG, Markus&Markus, cobratheater.cobra, pulk fiktion, VOLL:MILCH oder ganz einfach werkgruppe und seit mehr als 25 Jahren arbeiten Studierende und Bürger im Türkisch-Deutschen Theater in Hildesheim zusammen. „Die Vielfalt hat ihren Grund. Dieser liegt ein paar Kilometer außerhalb des Stadtzentrums auf der Domäne Marienburg, einer mittelalterlichen Wasserburganlage mit Turm, Hohem Haus, Pferdeställen, Scheune und Pächterhaus – als Kulturcampus von der Universität genutzt und seit drei Jahrzehnten Domizil des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation, schreiben Wolfgang Schneider und Julia Speckmann. „Die Qualität hat ihre Namen – Theaterprofessoren wie Hajo Kurzenberger als Gründervater und Hartwin Gromes, der Professor für Populäre Kultur Hans-Otto Hügel, Wolfgang Löffler als Professor für Theatermusik und Kollegen der Medienwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Literaturwissenschaft entwickelten den Studiengang Kulturpädagogik.“

Studentinnen und Studenten zieht es aus ganz Deutschland zum Studium auf den Kulturcampus, ungefähr drei Viertel kommen aus anderen Bundesländern zum Studium nach Niedersachsen, kombinieren in den Kulturwissenschaften Theater und Medien, Literatur, Kulturpolitik und Musik, Philosophie und Populäre Kultur und wechseln zwischen Bühne, Seminarraum, Büro und Bibliothek. Der Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ ist der älteste Studiengang in Deutschland, der seit 1978 – damals noch unter dem Namen Kulturpädagogik – für kulturwissenschaftliche, künstlerische und kulturvermittelnde Berufe qualifiziert.

Lesetipp: „Theatermachen als Beruf – Hildesheimer Wege“

Herausgegeben von Wolfgang Schneider und Julia Speckmann (228 Seiten, Theater der Zeit).

Theaterschaffende im Porträt, von Sebastian Nübling, Julia Lochte und Klaus Schumacher über Jutta Staerk, Albrecht Hirche und Jens Hillje bis zu Melanie Hinz, Olaf Kröck und Miriam Tscholl; Interviews zum Theatermachen in Deutschland; Gespräche über Forschung, Lehre und Kulturpolitik mit den Professoren Hartwin Gromes, Hajo Kurzenberger, Jens Roselt und Geesche Wartemann sowie Uli Jäckle, Norma Köhler, Frank Matzke, Christoph Scheuerle und Wolfgang Sting.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Kulturwissenschaftler, Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, Inhaber des UNESCO-Chair Cultural Policy for the Arts in Developmen. Zahlreiche Veröffentlichungen von ihm befassen sich mit dem Theater für Kinder und Jugendliche. 

Julia Speckmann, schloss das Doppeldiplom Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis/Médiation Culturelle an den Universitäten in Marseille und Hildesheim und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.

 

 

Quelle: https://www.uni-hildesheim.de/neuigkeiten/theater-als-beruf-von-der-hildesheimer-brutstaette-in-die-weite-theaterwelt/